Gefährlich berechtigt

Führende US-Medienschaffende warnen seit einiger Zeit, dass die Geheimdienst-Überwachung es Journalisten unmöglich macht, ihre Rolle als Wachhunde der Demokratie noch wahrzunehmen. Doch jetzt tut sich eine neue Front auf, die uns Wachhunden vorwirft: Ihr beisst die Falschen!

Christof Moser
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In Grossbritannien wird schon debattiert, ob man schlechten Journalismus bestraften sollte. Mehdi Hasan, politischer Direktor der «Huffington Post UK», hat Sanktionen gefordert für Medien, die gegen Minderheiten hetzen. Die Medienindustrie sei «nicht in der Lage oder nicht willens, den Diskurs, den Ton zu ändern» – gegenüber Muslimen und anderen Minderheiten. Das sei «gefährlich und kontraproduktiv», weil das die «extremistische Erzählung bestätigt, auch die islamistische Erzählung, dass es eine Art von unvermeidlichem Zusammenprall zwischen dem Westen und den Muslimen gibt.» Hasans Forderung nach einer Regulierung der Medienfreiheit liegt die These zugrunde, dass eine Medienindustrie, die nur noch auf Umsatz aus ist, nicht zur Aufklärung beiträgt. Verdient sie dann das Privileg der Pressefreiheit noch?
Diese brandgefährlich berechtigte Frage wird sich auch in der Schweiz stellen. Die NZZ hat letzten Dienstag die Ergebnisse einer Studie zur Roma-Berichterstattung in Schweizer Medien wie folgt zusammengefasst: «Schockierend und gefährlich, stereotyp, einseitig».
Journalismus, der mehr als ein Unterhaltungsgeschäft ist, hat nur eine Zukunft, wenn er sich auf die Seite der verbliebenen aufklärerischen Kräfte in der Gesellschaft schlägt und sich ihre Unterstützung sichert – gegen den Überwachungsstaat, gegen staatliche und ökonomische Kontrolle. Und gegen die Feinde der Freiheit im eigenen Lager.
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