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Fenaco: Von der «Gnossi» zum Agrarkonzern Landwirtschaft

Vor 25 Jahren schlossen sich eine Handvoll landwirtschaftlicher Genossenschaften zusammen. Daraus ist einer der stärksten und für die Bauern unverzichtbarer Konzern der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft herangewachsen.
Raphael Bühlmann
Fenaco ist für viele Bauern ein wertvoller aber auch unverzichtbarer Partner. (Bild: Roger Gruetter)

Fenaco ist für viele Bauern ein wertvoller aber auch unverzichtbarer Partner. (Bild: Roger Gruetter)

Im Herbst vor 25 Jahren war es wohl kaum absehbar. Ganz ihrer Tradition zur bäuerlichen Selbsthilfe verschrieben, taten sich am 24. September 1993 die sechs landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbände Winterthur, Bern, Lausanne, Sursee, Solothurn und Freiburg zusammen. Sie vereinten damals einen Umsatz von rund 3 Milliarden Franken sowie 4000 Mitarbeitende. Als Ziel nannten die Initianten, für die Schweizer Bauern ein Partner in der Beschaffung von Produktionsmittel als auch beim Absatz ihrer Erzeugnisse zu sein. Bereits damals zählte die Organisation Gesellschaften wie die Frigemo AG in Zollikofen (Lebensmittelindustrie, u. a. Tiefkühlprodukte), die Pomdor AG in Kiesen (Getränke, insbesondere Mostereien) oder die UFA Haus und Garten AG in Dotzigen (Artikel für Landwirtschaft, Hobby und Garten) in ihren Reihen.

Heute, ein viertel Jahrhundert später, ist das Firmen-Portefeuille diversifizierter, die Organisation komplexer geworden. Umsatz, Gewinn und Anzahl Mitarbeiter haben sich mehr als verdoppelt und mit einer Ebit-Marge von rund 2 Prozent operiert man im Rentabilitätsvergleich auf Augenhöhe mit Migros oder Coop. Die Rede ist denn heute auch viel mehr vom Agrarkonzern als von einer nutzenstiftenden Genossenschaft. Die Gründer selbst gaben sich 1993 den französischen Namen «Federation nationale des cooperatives agricoles» und die NZZ titelte: «Fenaco – ein bäuerliches Marktkonglomerat».

Schweizer Bauern zahlen im Einkauf
noch immer deutlich mehr

Fenaco selbst bezeichnet sich heute als «genossenschaftlich organisiertes Unternehmen». Denn damals wie heute bilden die bäuerlichen Genossenschaften die Basis – sprich Fenaco ist in den Händen von 192 Landi und ihren 43000 Mitgliedern, davon 23000 aktive Landwirte. Die 19-köpfige Verwaltung ist überwiegend mit praktizierenden Landwirten besetzt. «Damit ist sichergestellt, dass wir stets den Blick auf den Nutzen unserer Mitglieder richten und dem genossenschaftlichen Auftrag nachkommen». Ein Auftrag, der die Genossenschaft seit ihrer Gründung durchaus nachzukommen scheint. Dank Fenaco ist es den Landwirten unbestritten gelungen, ihre Position in der Wertschöpfungskette zu steigern. Nicht zuletzt auch dank der Integration von vor- und nachgelagerten Stufen stieg die Qualität oder die Garantie ununterbrochener Lieferketten. Ein absolutes Prädikat in der verarbeitenden Industrie. Und so gab erst Ende 2017 beispielsweise der Pommes-Chips-Hersteller Zweifel bekannt, die Kartoffeln in Zukunft in Schweizer «High Oleic Low Linolenic» oder Holl-Rapsöl frittieren zu wollen. Der dazu nötige Anbau wurde in Zusammenarbeit mit Fenaco aufgegleist. Aber auch die Entwicklung der Einkaufspreise der wichtigsten Produktionsgüter nahm vor 25 Jahre eine Wendung. Anfang der 90er und insbesondere in den 80er Jahren verteuerten sich die wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionsmittel. Erst mit dem Fenaco-Gründungsjahr 1993, sanken insbesondere die Preise für Futter-, Düngemittel, Pflanz- und Saatgut oder Pflanzenschutzmittel (siehe Grafik). Festzuhalten bleibt aber auch, dass Schweizer Landwirte heute nicht zuletzt wegen des inländischen Zwischenhandels, noch immer deutlich mehr für Produktionsmittel bezahlen als ihre französischen oder deutschen Kollegen.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Basel kam in einem 2014 publizierten Bericht zum Schluss, dass für importierte Vorleistungen der Landwirtschaft an die Schweizer Grenze (vor Zöllen und Abgaben) noch kaum Preisunterschiede zu den Nachbarländern bestünden. «Im Unterschied dazu zeigen sich bei den Einkaufspreisen – also die von den Landwirten tatsächlich zu bezahlenden Preise – bereits im Gesamtdurchschnitt erhebliche Preisdifferenzen zum umliegenden Ausland», schreibt das BAK. Der Gesamtindex der Einkaufspreise lag 2011 in der Schweiz um ganze 32 Prozentpunkte höher als in den Nachbarländern – beim Saat und Pflanzgut 47 Prozentpunkte – bei Futtermitteln 41 Prozentpunkte. Fenaco-Sprecherin Alice Chalupny sagt dazu: «Die Studie basiert teilweise auf Schätzungen. Andere offizielle Stellen haben Zahlen erarbeitet, die zu anderen Schlussfolgerungen führen». So sei der 2016 Preisüberwacher Stefan Meierhans zum Schluss gekommen, dass bei Schweizer Futtermitteln der Grenzschutz die inländischen Rohwarenpreise und damit auch die Futtermittelpreise verteuere. Beim Dünger hat das Bundesamt für Landwirtschaft einen Preisunterschied gegenüber Deutschland von im Schnitt rund 10 Prozent berechnet.

Wären wir nicht Fenaco ausgeliefert, dann wären wir es gegenüber Coop oder Migros – Fenaco ist mir lieber.

Nebst dem hohem Schweizer Kostenumfeld oder Handelshemmnissen macht das BAK unter anderem aber auch die Marktstruktur für den Unterschied verantwortlich. «Die relativ hohe Kaufkraft der Landwirte in der Schweiz ist ebenfalls zu beachten», nennt das BAK als eine der Gründe dafür. Dieser Nachteil zu Lasten der Landwirtschaft ist auch einer der Hauptkritikpunkte der Bauern selbst. Als Ausdruck davon, erfolgt diese allerdings nicht offen. Nur hinter vorgehaltener Hand beklagen verschiedene Bauern die zu grosse Abhängigkeit, wobei auch viele ihre Aussagen sogleich relativieren. Man sei sich bewusst, dass dank der Fenaco zusätzliche Gewinne in bäuerlichen Händen bleiben würden. «Wären wir nicht Fenaco ausgeliefert, dann wären wir es gegenüber Coop oder Migros – Fenaco ist mir lieber», bringt es ein anonym bleiben wollender Landwirt auf den Punkt.

Nebst seiner mächtigen Marktposition, kämpft Fenaco aber auch mit einem gewissen Imageproblem. Insbesondere im Detailhandel. Das Modell «Landi» gibt sich zugunsten der Ebit-Marge gerne den bäuerlichen Anstrich. «Sie verkaufen im Eingangsbereich Möstbröckli und Äpfel vom Nachbarbetrieb um die Leute in den Laden zu holen und verkaufen gleichzeitig billige Produkte aus China», so ein Vorwurf. Landi schreibt dazu: «Das Sortiment der Landi besteht zu über 50 Prozent aus Schweizer Produkten. Unsere Produkte beziehen wir wenn immer möglich aus Schweizerischer Produktion. Bei all unseren Produkten legen wir grossen Wert auf hohe Qualität. Aus diesem Grund bieten wir auch 5 Jahre Garantie», so Heidi Niederberger, Leiterin Medienstelle der Landi Schweiz. Ebenfalls immer wieder vorgehalten wird dem Agrarkonzern seine politische Verknüpfung. Nebst der Tatsache, dass mit Ueli Maurer und Guy Parmelin gleich zwei ehemalige Fenaco-Verwaltungsräte im Bundesrat sitzen, profitiert Fenaco unweigerlich vom grossen politischen Einfluss bäuerlicher National- und Ständeräte.

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