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Kommentar

Querelen um die Strafanstalt Gmünden: Fehlanreize im Strafvollzug

Redaktor Roman Hertler über die Kündigungswelle, den neuen Führungsstil und die Querelen in der Strafanstalt Gmünden.
Roman Hertler
Roman Hertler. (Bild: Urs Bucher)

Roman Hertler. (Bild: Urs Bucher)

Die Kündigungswelle spricht für sich. Seit 2017 haben 19 Angestellte der Strafanstalt Gmünden den Hut genommen, freiwillig oder unfreiwillig. Die meisten im vergangenen Sommer. Gegangen sind nicht nur acht von zehn Mitarbeitern des Teams Bewachung und Sicherheit (BSD). Gegangen sind auch der stellvertretende Direktor, die Leiterin Administration, die Zuständige des Gesundheitsdiensts und zwei Mitarbeiter der Werkstätten. Dem ehemaligen Hauswart wurde die Frühpensionierung nahegelegt. In den Statistiken erscheinen jene Personen nicht, die in den vergangenen zwei Jahren noch während der Probezeit wieder gekündigt haben. Weitere Kündigungen stehen noch an.

Dass mit Direktorin Alexandra Horvath ein neuer Führungsstil in Gmünden Einzug hielt, ist offensichtlich. Sie selber sagt, Mitarbeiter, die «gemäss den Vorgaben arbeiten» und ein «adäquates Verhalten» zeigten, seien «wichtige Stützen» und «sehr geschätzt». Wer allerdings einmal eine kritische Frage stellte, hatte es sich mit der Chefin sogleich verscherzt. Fehler, wie sie überall passieren, liegen in Gmünden nicht mehr drin. Unter der alten Führung herrschte diesbezüglich eine andere Kultur. Das bestätigen etliche Stimmen, die der Anstalt in irgendeiner Form nahe stehen oder standen.

Für die eine oder andere Freistellung gab es sicherlich triftige Gründe. Aber ein derartiger Personalabgang lässt sich nicht schönreden mit «gestiegenen Anforderungen im Strafvollzug» und der neuen Führungskultur, mit der nicht mehr alle «bisherigen Mitarbeiter klargekommen» seien. 19 Abgänge müssen zu denken geben. Ebenso etwa die Aussage eines ehemaligen Insassen, der die Befürchtung äusserte, er komme als schlechterer Mensch aus Gmünden heraus, als wie er hineingekommen war.

Offene Zukunft in Gmünden: Vom Neubau bis zur Schliessung ist derzeit alles möglich. (Bild: Benjamin Manser)

Offene Zukunft in Gmünden: Vom Neubau bis zur Schliessung ist derzeit alles möglich. (Bild: Benjamin Manser)

Arbeit im Strafvollzug heisst nicht nur Bewachen und für Ruhe und Ordnung sorgen. Die Ehemaligen des BSD-Teams monieren, für die Betreuung der Insassen sei keine Zeit mehr geblieben. Zu hoch war der Druck aufgrund diverser Arbeitsausfälle und länger dauernder Vakanzen. Ein menschlicher Umgang wurde rasch als «Nähe-Distanz-Problem» abqualifiziert. Die Wertschätzung für die «weicheren» Aspekte der Arbeit im Strafvollzug scheint unter der neuen Leitung gegen null zu streben. Entgegen deren gegenteiligen Beteuerungen in unserer Zeitung.

Wenn dem Landammann Paul Signer ein qualitativ hochstehender Strafvollzug ein Anliegen ist, sollte er in Gmünden besser hinschauen und nicht nur via Amtsleiterin führen. Denn diese Sicht ist eindimensional. Von der Mitarbeiterperspektive könnte ihm etwa das Personalamt berichten. Dort haben einige Mitarbeiter Austrittsgespräche geführt und ihre Sichtweise deponiert. Zu Gmünden will sich die Amtsleitung nicht äussern, lässt sie verlauten.

Es bringt wenig, öffentlich über Einzelfälle zu diskutieren, die immer auch von persönlichen Befindlichkeiten auf beiden Seiten geprägt sind. Auch, wie es im Detail zu den Videoaufnahmen gekommen ist, welche unserer Zeitung vorliegen und – mässig gravierendes – Fehlverhalten von Mitarbeitern dokumentieren, ist müssig. Es steht hier im Einzelfall Aussage gegen Aussage. Und dazu können und dürfen sich die Behörden nicht öffentlich äussern. Das erwartet auch niemand. Aber zumindest das Personal darf erwarten, dass es ernst genommen wird, wenn es Probleme gibt. Die Schaffung der jüngst im Kantonsrat bewilligten Ombudsstellte ist deshalb längst überfällig. In der aktuellen Situation hat das Personal gar keine andere Möglichkeit als den Gang an die Öffentlichkeit.

Und die Bevölkerung darf erwarten, dass Insassen sorgfältig auf das Leben «draussen» vorbereitet werden. Und nicht möglichst günstig. Jammern über «begrenzte finanzielle Möglichkeiten» zählt in einem Tiefsteuerkanton nicht.

Die Umwälzungen in Gmünden sind nur zum Teil der neuen Direktorin anzulasten. Ins Gewicht fallen auch die politischen Rahmenbedingungen. Die Finanzierung über den Globalkredit, der Gmünden verpflichtet, einen Gewinn über 700000 Franken zu erwirtschaften, setzt Fehlanreize. Oberstes Ziel des Strafvollzugs muss die Resozialisierung der Insassen sein und nicht eine «möglichst gute Auslastung». Seit 2014 bearbeitet Paul Signer das Dossier Gmünden. Geschehen ist etwa auch punkto Baumängel, die seit Jahren bekannt sind, rein gar nichts. Sein Bedauern, nicht schon früher «radikale Alternativen» für Gmünden geprüft zu haben, lässt für das Gefängnis Gmünden nichts Gutes erahnen. Es entsteht lediglich der Eindruck, dass die Zitrone noch ausgepresst wird, bevor man sie wegwirft.

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