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Kolumne

Schreibt oder schweigt!

Zeitsparende Funktion oder egoistische Unsitte? Die Meinung unseres Autors zum Verschicken von Sprachnachrichten über Whatsapp ist unmissverständlich.
Gregory Remez

«Dieses Update macht das Leben leichter» – mit dieser etwas irritierenden Prise Pathos berichteten zahlreiche Medien, als der Nachrichtendienst Whatsapp im April dieses Jahres seine neue Freisprechfunktion einführte. Seither ist es möglich, Sprachnachrichten auch freihändig aufzunehmen. Man muss dazu lediglich das Mikrofon-Symbol auf der rechten unteren Seite des Displays nach oben wischen – und schon kann man fröhlich drauflosplappern, ohne eine versehentliche Löschung oder ein vorzeitiges Abschicken der Nachricht fürchten zu müssen.

Nun, wenige Monate nach dieser vermeintlich kleinen Änderung des Whatsapp-­Algorithmus, stelle ich fest, dass mein Leben keineswegs leichter geworden ist. Die Tatsache, dass man für die Aufnahme von Nachrichten nun buchstäblich keinen Finger mehr zu krümmen braucht, hat dazu geführt, dass ein grosser Teil meines Umfelds andere Formen der Kommunikation inzwischen komplett ignoriert. Selbst auf simple Alltagsfragen erhalte ich immer öfter, immer längere verbale Ausschweifungen, die deutlich hörbar irgendwo zwischen Küche und Bad oder – schlimmstenfalls – im ÖV auf­genommen wurden. Ich werde an dieser Stelle auf Namensnennungen und verbale Entgleisungen verzichten, auch wenn ich diese Zeilen nur allzu gerne als Pranger genutzt hätte. Eines sei Euch notorischen Lebenszeitdieben aber gesagt: Ihr nervt. Wenn ich mir rauschende Aufnahmen voller «Ähm» und «Öhm» anhören wollte, dann hätte ich unlängst den Podcast meines Cousins abonniert.

Der unsägliche Trend kommt für einmal nicht aus den USA, sondern aus Fernost. In China wird seit Jahren bevorzugt via Sprachnachricht kommuniziert. Dort hat dies aber vor allem sprachliche Gründe: Im Alltag würde es schlicht zu lange dauern, sich durch die über 3000 Schriftzeichen zu klicken.

Schon klar, auch unsere Zeit ist begrenzt. Und in stressigen Momenten ist es nun mal praktischer, etwas ins Handy zu stammeln, als sich die Zeit für eine Textnachricht zu nehmen. Viele scheinen dabei aber eine Sache zu vergessen: Sprachnachrichten lösen das Zeitproblem nicht, sie verlagern es nur, und zwar in Richtung des Empfängers. Dieser hat nämlich keine andere Wahl, als sich den zweieinhalbminütigen Erguss seines Kollegen anzuhören – nachdem er zuvor mindestens genauso lange gebraucht hat, um seine Kopfhörer zu entknoten. Deshalb, liebe Whatsapp-Mitnutzer: Scheibt oder schweigt! Oder ruft mal wieder an. Dann kann man sich zumindest gegen Euer Gelaber wehren.

Gregory Remez

Gregory Remez

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