Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Eine Peinlichkeit für die Kantonsregierung

Im Kanton St.Gallen droht mehreren Landspitälern die Schliessung. Das ist eine Ohrfeige für die Regierung, die bisher so tat, als ginge ihre Spitalstrategie wunderbar auf.
Stefan Schmid
Stefan Schmid, Chefredaktor St. Galler Tagblatt. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Schmid, Chefredaktor St. Galler Tagblatt. (Bild: Benjamin Manser)

Es ist eine Erschütterung der Ostschweizer Gesundheitslandschaft: Während die Thurgauer mit ihren zwei Kantonsspitälern schwarze Zahlen schreiben, steuert der Kanton St.Gallen mit seinen neun Spitälern auf kolossale Defizite zu, wenn man dem jüngsten Bericht des Spital-Verwaltungsrats Glauben schenken darf. Seit Jahren defizitär sind auch die zwei Ausserrhoder Spitäler in Heiden und Herisau, was die Innerrhoder nicht davon abhält, an der Landsgemeinde für den Bau eines eigenen Spitals zu stimmen.

Es ist offensichtlich: Not täte eine Zusammenarbeit sämtlicher Ostschweizer Kantone – am besten sogar in Abstimmung mit dem Universitätsspital Zürich. Doch davon sind wir weiter entfernt denn je. Jeder Kanton schaut nur für sich – und fährt damit finanzpolitisch früher oder später gegen die Wand. Möglicherweise sitzen wir in einer Systemfalle, weil kantonale Politiker nur an ihre kantonale Wählerschaft denken, anstatt ans grosse Ganze. Der Regionalpolitiker aus dem Toggenburg oder dem Rheintal, egal welcher Parteicouleur, kämpft für sein Spitäli. Damit kann er in seinem Wahlkreis punkten. Dass aber die Prämien ständig steigen, wenn nicht irgendwo substanziell gespart wird: Das ist dem ausschliesslich an seiner Wiederwahl interessierten Regionalpolitiker weitgehend egal.

Umso hellhöriger sollte uns deshalb der jüngste Bericht über die finanzielle Lage der St. Galler Spitäler machen. Es drohen jährliche Defizite in der Höhe von 50 bis 70 Millionen Franken, wenn die Landspitäler in Rorschach, Flawil, Wattwil, Walenstadt und Altstätten nicht geschlossen oder zumindest in ambulante Stationen ohne Betten umgewandelt werden. Das ist dicke Post. Und es ist eine zünftige Ohrfeige an die Adresse der Kantonsregierung.

Diese verkaufte vor gut dreieinhalb Jahren in einer Volksabstimmung ihre Spitalstrategie mit den vielen Standorten als nachhaltige Lösung für den Kanton. Das Stimmvolk bewilligte in der Folge fast 1 Milliarde Franken, um die Spitäler zu sanieren. Man habe die unheilvolle finanzielle Entwicklung nicht vorhersehen können, sagt Gesundheitschefin Heidi Hanselmann heute. Tatsächlich nicht? Es gab schon damals Mahner und Warner, die Zweifel an der primär regionalpolitisch motivierten spitalischen Rundumversorgung äusserten. Fakt ist doch: Seit der Abwahl von Gesundheitsdirektor Anton Grüninger im Jahr 2004 wagt es im Kanton St. Gallen kaum ein Politiker mehr, Standorte infrage zu stellen. Man versuchte sich mit den bestehenden Strukturen durchzumogeln, um Volkes Zorn ja nicht zu erregen, der möglicherweise auch die eigene Karriere gefährdet hätte. Allein: Wenn nicht alles täuscht, geht dieses Kalkül nicht mehr auf.

Zentral ist nun, dass die Situation gründlich abgeklärt wird. Vielleicht müssen am Ende nicht fünf Spitäler schliessen, sondern nur eines oder zwei. On verra. So oder so steht jetzt die Regierung in der Pflicht. Strukturelle Millionendefizite sind untragbar. Gouverner, c’est prévoir, sagt ein Sprichwort. Wer regieren will, soll bitteschön vorausschauend handeln. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Regierung aus der Affäre windet. Dass die Spitalstrategie, die man vor wenigen Jahren als Ei des Kolumbus verkaufte, im Begriff ist zu scheitern, ist peinlich genug.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.