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Kommentar

Starke Frauen braucht das Land

Die St.Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter will Bundesrätin werden. Gut, hat die Wilerin den Mut, es nach ihrer schmerzhaften Niederlage von 2010 nochmals zu wagen.
Stefan Schmid
Chefredaktor Stefan Schmid. (Bild: Benjamin Manser)

Chefredaktor Stefan Schmid. (Bild: Benjamin Manser)

Der Druck auf die Kronfavoritin war offenbar so gross, dass sie sich entschieden hat, die Katze früh aus dem Sack zu lassen. Karin Keller-Sutter will Nachfolgerin von Johann Schneider-Ammann im Bundesrat werden. Der Entscheid der St.Galler Ständerätin ist logisch. Und er ist gut für den Freisinn, wie auch für die Ostschweiz.

Keller-Sutter hat sich nach ihrer bitteren Niederlage von 2010, als sie von zahlreichen freisinnigen Parteifreunden im Stich gelassen worden war, wieder aufgerappelt. Das ist nicht selbstverständlich. Jahrelang kokettierte die heute 54-jährige Politikerin mit dem Ende ihrer Bundesratsambitionen. Wer sie genau kannte, wusste: Das war durchaus ernst gemeint, doch einstweilen noch kein definitives Nein.

In den vergangenen Jahren hat sich die Tonalität sachte verändert. Keller-Sutter, die Gefallen an ihrer Rolle als St.Galler Ständerätin gefunden hatte und bestens mit Gewerkschaftsboss Paul Rechsteiner zusammenarbeitet, schloss eine erneute Kandidatur für ein Amt in der Landesregierung nicht mehr kategorisch aus.

Politbeobachtern war klar: Wenn sich ihr die Chance bietet, tatsächlich gewählt zu werden, dann will es die so ehrgeizige wie engagierte KKS nochmals wissen.

Dieses ominöse Momentum ist jetzt da: Nie waren die Chancen besser, Bundesrätin zu werden, als im kommenden Dezember. Die FDP braucht zwingend eine Frau. Eine moderne, bürgerliche Partei kann es sich 2018 nicht mehr leisten, in den Spitzenämtern nur auf (ältere) Männer zu setzen. Nach dem unrühmlichen Abgang von Elisabeth Kopp, der bisher einzigen freisinnigen Bundesrätin, ist es nun höchste Zeit für eine zweite FDP-Frau im Bundesrat.

Ausgewiesen ist zudem der regionale Anspruch der Ostschweiz. Im Bundesrat sind die lateinische Schweiz sowie der burgundische Teil des Mittellandes mit bisher fünf Mitgliedern überrepräsentiert. Die alemannische Osthälfte der Schweiz hingegen, findet in der Regierung praktisch nicht statt. Dieses Manko gilt es im Dezember mit einer Wahl einer Ostschweizer Vertretung zu beheben. Auch wenn die Landesregierung natürlich kein zweites Parlament ist, wo primär regionale Interessen durchgeboxt werden: Es spielt immer eine Rolle, woher jemand stammt, in welchem gesellschaftlichen Biotop diese Person sozialisiert und politisiert worden ist.

Die Ostschweiz steht für Sparsamkeit, Bescheidenheit und politische Zuverlässigkeit. Das sind Werte, die der Berner Politmechanik gut tun. Die Region symbolisiert eine Schweiz, die nicht einfach nach Vater Staat ruft, wenn es irgendwo brennt. Eigenverantwortung und Unternehmergeist werden hier grossgeschrieben. Keller-Sutter steht exemplarisch für diese Werte ein.

Ihre Kandidatur ist auch für den Schweizer Freisinn eine gute Nachricht.

Die FDP wäre schlecht beraten, wenn sie diese starke Frau erneut verheizen würde. Seit dem Rücktritt von Pascal Couchepin fehlt es dem Freisinn an prägenden Köpfen in der Regierung. Didier Burkhalter flüchtete vor den Schwierigkeiten im Innendepartement und machte sich anschliessend im EDA auf Weltreisen, ohne sich ernsthaft um die Erklärung der Aussenpolitik an der Heimatfront zu kümmern. Und Johann Schneider-Ammann kämpfte zwar bemüht um liberale Anliegen, stand sich dabei aber immer wieder selber im Weg: Sei es aus rhetorischer Tapsigkeit, sei es, weil ihm das Talent für den politischen Nahkampf schlicht fehlte.

Weil auch der Start von Aussenminister Ignazio Cassis tendenziell in die Hosen ging, kommt die potenzielle Wahl von Keller-Sutter für die FDP wie gerufen. Ihr ist zuzutrauen, dass sie im Bundesrat innert kurzer Zeit eine Hauptrolle spielen wird und damit dem Freisinn wieder zu jener Strahlkraft verhilft, welche die Gründerpartei des Bundesstaates in jüngerer Vergangenheit vermissen liess.

Schliesslich ist festzuhalten, dass der Schweizer Regierung die Kontrolle über die wichtigsten Politentscheide entglitten ist. Entweder handelt das Parlament wie bei der Steuerreform 17 und der AHV-Sanierung komplett autonom oder das Ausland zwingt der Schweiz eine Änderung ihrer Politik auf, wenn wir etwa an die Verhandlungen mit der EU über ein Rahmenabkommen denken. Es kann daher nicht schaden, wenn im Bundesrat wieder vermehrt Personen Einsitz nehmen, die mit der Fähigkeit ausgestattet sind, langfristig und strategisch zu denken. Reine Verwalter hat es sonst schon mehr als genug.

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