Kommentar

Eine befremdliche Politoffensive: Kirchen setzen sich für Konzernverantwortungs-Initiative ein

Kari Kälin
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Kari Kälin

Kari Kälin

Das Kirchenkomitee für die Konzernverantwortungs-Initiative ist beeindruckend. Mehr als 600 katholische und reformierte Kirchgemeinden wirken mit. Die Freikirchen rudern mit im Boot.

Auch prominente Kirchenvertreter wie der St.Galler Bischof Markus Büchel oder Christoph Sigrist, Pfarrer beim Grossmünster Zürich, kämpfen für ein Ja am 29. November, mit dem die Initianten Schweizer Konzerne für Menschenrechtsverletzungen und Umweltsünden zur Verantwortungen ziehen wollen.

Das Kirchenkomitee begründet ihre Offensive für die Initiative damit, dass sie auf zwei zentralen Anliegen der biblischen Botschaft und des christlichen Glaubens fusse: Bewahrung der Schöpfung und Nächstenliebe.

Das kann man so sehen. Man kann als Christ aber auch zur Auffassung gelangen, dass andere Wege als die Initiative vielleicht besser zu diesem Ziel führen, zum Beispiel der Gegenvorschlag des Parlaments.

Dass das Kirchenkomitee aufruft, Kirchtürme zu beflaggen, von der Kanzel für die Initiative zu predigen und nach Gottesdiensten Flyer zu verteilen, ist befremdlich. Die Kirche ist Expertin für das Seelenheil, hat aber in einer weltlichen Abstimmung nicht die Wahrheit für sich gepachtet.

Mit der einseitigen Darstellung über die Initiative – böse Unternehmen versus gute NGO – stempelt sie gläubige Initiativgegner quasi zu schlechten Christen ab. Über weitere Kirchenaustritte braucht sie sich nicht zu wundern.