Kommentar

Eine Bankrotterklärung: St.Gallens Jugend hat doch ein Kinderfest verdient

Die St.Galler Stadtregierung sagt das Kinderfest 2021 ab. Und damit einen gesellschaftlichen und kulturellen Anlass erster Güte. Ein Fest, das die Identität der Stadt prägt und gross und klein das Herz erwärmt. Das darf nicht sein.

Stefan Schmid
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Stefan Schmid

Stefan Schmid

Hanspeter Schiess

Das Kinderfest 2021 soll abgesagt werden. Wegen Corona. Und der Finanzen. Und überhaupt: Die Schulen seien überfordert nach monatelangem Lockdown.

Und die Unsicherheit im Hinblick auf die Durchführung von Grossveranstaltungen habe zu schwer auf den Schultern der Veranstalter gelastet, um freudig am Fest festzuhalten. Was für eine mutlose Haltung einer Stadtregierung, deren Ziel darin bestünde, St. Gallen grösser, farbiger, lebendiger zu machen.

Das Kinderfest gehört seit 1824 fix zum städtischen Kalender. Die Schulkinder der städtischen Schulhäuser ziehen in festlichen Gewändern hinauf zur Kinderfestwiese, wo es zahlreiche Darbietungen gibt und dicke Kinderfestbratwürste verzehrt werden. Ein Fest, das primär den Kindern gewidmet ist, die sich noch Jahrzehnte später daran erinnern, letztlich aber auch die Herzen von Eltern und Tausenden Besucherinnen und Besuchern erwärmt.

Im Unterschied etwa zum Zürcher Sechseläuten-Umzug, welcher nach überkommener ständestaatlicher Manier der männlichen Zürcher Obrigkeit vorbehalten ist, stellt das Kinderfest ein demokratisches Fest für alle dar.

Ausgerechnet dieses Fest, wo jung und alt fröhlich vereint bis spätabends feiern, soll den zugegeben aussergewöhnlichen Umständen zum Opfer fallen.

Es geht ums Geld, klar. Doch letztlich sind die 1,42 Millionen, welche das Fest kostet, ein Klacks im Vergleich mit dem 600-Millionen-Budget der Stadt St. Gallen.

Das Kinderfest hat einen unschätzbar hohen immateriellen Wert. Es steht für Lebensfreude, für die Verschmelzung von Generationen und sozialen Milieus. Es steht für die Identität und Tradition einer Stadt, die Heimat für viele sein will. Ausgerechnet dieses Fest in kleinkrämerischer Manier abzusagen, ist eine politische Bankrotterklärung.

Geschätzte Damen und Herren Stadträte, es wäre ein Zeichen der Grösse, den Entscheid zu korrigieren und wenigstens ein kleines, feines Kinderfest zu ermöglichen. St. Gallens Jugend hat das verdient.

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