Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Glosse

Doppeladler-Affäre: Eigentlich ist ein Österreicher schuld

Das Auseinanderbrechen der Schweiz in eine Adler- und eine Morgarten-Fraktion steht unmittelbar bevor: Der Jubel der Natispieler Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner hat die Schweiz gespalten. Auf dem Spiel steht der nationale Zusammenhalt.
Silvan Lüchinger
Silvan Lüchinger, stellvertretender Chefredaktor.

Silvan Lüchinger, stellvertretender Chefredaktor.

1979 war es, als Ludwig Hirsch erstmals jenes Lied sang, in dem es heisst: «Komm, grosser schwarzer Vogel, hilf mir doch! Press’ Deinen feuchten, kalten Schnabel auf meine Wunde, auf meine heisse Stirn!» Der morbide Text und die sanfte Melodie gehören heute zum musikalischen Kulturerbe Österreichs. Obwohl das Stück auf dem Popsender Ö3 nach 22 Uhr angeblich nicht mehr gespielt werden durfte. Aus Angst vor Animation zum Suizid.

Fast 40 Jahre nach der Premiere flattert der schwarze Vogel wieder. Nicht über Wien, wo der Liedermacher und Schauspieler Ludwig Hirsch lebte. Diesmal bedroht er die Schweiz. Aus dem Vogel ist inzwischen ein Doppeladler geworden. Aber nach wie vor geht es um Leben und Tod. Mehr noch. Auf dem Spiel steht der Zusammenhalt des Landes. Die Qualifikation der Nationalmannschaft für den Achtelfinal übertüncht das nur vorübergehend. Wie es nach der WM weitergeht? Verfolgt man die Diskussionen auf der Strasse, an Wirtshaustischen und in den sozialen Medien, muss einem angst und bange werden. Das Auseinanderbrechen des Landes in eine Adler- und eine Morgarten-Fraktion steht unmittelbar bevor.

Eigentlich ist es ja nur ein Spatz, der sich wie ein Adler aufführt. Dennoch hat sich die Disziplinarkommission der Fifa eingeschaltet. Ihre Aufgabe war keineswegs einfach. Zwischen Freispruch und Turnierausschluss stand alles zur Diskussion. Die Kommission hat sich, wie das bei der Fifa Tradition ist, mit Geld aus der Affäre gezogen. Es gab Bussen. So hoch, dass sie nicht mit einem verschämten Griff in die Portokasse erledigt werden können. Aber auch so gering, dass nicht nachgelagerte Familien auf das Existenzminimum zurückgeworfen werden. Hungernde Fussballerkinder wären schlechte Werbung.

Klar ist: An künftigen Spielen der Nati hat der schwarze Vogel nichts mehr zu suchen. Am besten würde auch Einsiedeln sein Wappen ändern. Verband und Spieler sind gehalten, eine neue Jubelsymbolik zu installieren. Politisch, ethnisch und religiös wertfrei. Ein Bezug zur Schweizer Fahne ist naheliegend, aber bei genauer Betrachtung wenig geeignet. Das Fussballland Katar, wo die nächste Weltmeisterschaft stattfindet, trägt in seinem Staatswappen zwei gekreuzte Säbel. Gekreuzte Finger oder Beine könnten als unziemliche Anbiederung verstanden werden. Oder als Hinweis auf die zunehmende Islamisierung der Nationalmannschaft.

Der Schweizer Beitrag zur Entwicklung des Weltfussballs ist auf einem anderen Weg zu suchen. Ganz oben an der Spitze sollte die Schweiz freiwillig darauf verzichten, nach Sepp Blatter und Gianni Infantino auch den nächsten Fifa-Diktator zu stellen. Man könnte Österreich den Vortritt lassen. Dann wäre die leidige Tatsache kompensiert, dass sich die österreichische Nationalmannschaft mit einem Schweizer Trainer nicht für Russland qualifiziert hat. Österreich hätte keinen Grund mehr, aus Rache den schwarzen Vogel herbeizusingen.

Ganz unten, auf dem Spielfeld, böten sich weitere Gelegenheiten, das Verhältnis zu unseren Nachbarn zu entkrampfen. Man hätte im Achtelfinal Deutschland den Sieg überlassen können. Als Geste des guten Willens. Und als Beweis, dass die Schweizer die Deutschen auch mögen, wenn es um Fussball geht. Nicht nur beim Einkaufen in Konstanz. Das geht ja nun leider nicht. Deutschland wollte partout nicht gegen uns spielen.

Apropos spielen: In Russland heisst das auch nachspielen. Weil die Akteure sich gegenseitig ihr Werkzeug beschädigen, wann immer es geht. Man hört Gelenkkapseln platzen. Abgetretene Zehen liegen nur keine herum, weil sie nicht aus dem Schuh fallen können. Katar könnte zur ersten WM ohne Zehennägel werden – weil die Spieler keine mehr haben. Komm, grosser schwarzer Vogel, bring uns den Fussball zurück. Nimm ihnen die Stollen weg und gib ihnen Flügel.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.