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Kommentar

Doppeladler-Kontroverse: Die Politik spielt immer mit

Wer Politik und Sport trennen will, liegt falsch. Gerade der Fussball hat eine solche gesellschaftliche Relevanz, dass er schon lange ein politischer Faktor ist.
Dominik Weingartner
Dominik Weingartner

Dominik Weingartner

Was für ein Spektakel! Die Schweiz schlägt Serbien am Freitagabend in einem packenden Spiel mit 2:1 und hat gute Chancen, zum zweiten Mal in Folge die Achtelfinals der Fussball-Weltmeisterschaft zu erreichen – ein grosser Erfolg für ein kleines Land. Auf den Strassen herrscht eine emotional aufgeladene Stimmung, Autokorsos und Hupkonzerte im ganzen Land; die Fussball-Schweiz im Freudentaumel.

Alles gut? Mitnichten. Denn der sportliche Erfolg wird überschattet von politischen Querelen. Die Doppeladler-Geste der beiden Torschützen Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri hat zur Folge, dass der Last-Minute-Sieg gegen Serbien in den Hintergrund rückt. Die Schweiz debattiert am Beispiel Fussball-Nati einmal mehr über Integration und Identitäten. Der Doppeladler, eine nationalistische Geste aus Albanien, ist in dieser politisch ohnehin aufgeheizten Partie gegen Serbien nur eine weitere Provokation zwischen den beiden Teams. Oder besser gesagt: zwischen Serbien und dem albanischstämmigen Teil der Schweizer Nationalmannschaft. Vier Spieler mit albanischem Hintergrund standen am Freitag in der Startaufstellung.

Im Vorfeld der Partie war vor allem Shaqiri in den Fokus serbischer Medien geraten, weil er ein Bild von seinen Fussballschuhen veröffentlicht hatte. Auf dem linken Schuh prangt die Schweizer Flagge, auf dem rechten die kosovarische. Shaqiri war es auch, der bei jeder Ballberührung lautstark von den serbischen Fans ausgepfiffen wurde. Der serbische Aussenminister Ivica Dadic goss Öl ins Feuer, indem er sagte, der Sieg Serbiens im Spiel gegen Costa Rica sei eine «kleine, süsse Rache» gewesen, weil das zentralamerikanische Land das erste gewesen war, das den Kosovo 2008 als unabhängigen Staat anerkannte. Dann fügte er hinzu, dass er nicht wisse, ob sein Land am Freitag gegen die Schweiz, Albanien oder Pristina spiele. Politik war also von Anfang an Teil dieser Partie.

Es ist naiv, zu fordern, man müsse Sport und Politik trennen. Und es ist falsch. Gerade der Fussball hat eine solche gesellschaftliche Relevanz, dass er längst ein politischer Faktor ist. Schliesslich geht es auch um sehr viel Geld. Und mit Sport wird seit jeher Politik betrieben. Oder glaubt jemand, dass der russische Präsident Wladimir Putin aus Spass Grossanlässe wie Olympische Spiele oder die Fussball-WM ins Land holt?

Man kann Xhaka und Shaqiri durchaus für ihre politische Geste kritisieren. Serbische Zuschauer – auch in der Schweiz – müssen sich davon provoziert fühlen. Aber man muss auch bedenken, was dieses Spiel in der albanischen Gemeinschaft in der Schweiz, aber auch im Kosovo für eine Bedeutung hat. Die Begegnung wurde nicht umsonst als Hochrisikospiel eingestuft. Noch immer erkennt Serbien den Kosovo nicht als eigenständigen Staat an, sondern sieht ihn als eine Provinz des eigenen Landes. Der Kosovo-Konflikt Ende der 1990er-Jahre kostete Tausende das Leben. Er bedeutete für viele Flucht und Vertreibung. Entsprechend emotional ist das Thema heute noch für die Mehrzahl der Kosovaren und der Serben – und offensichtlich auch für die Schweizer Spieler, die aus dem Kosovo stammen. Aus menschlicher Sicht ist der emotionale Ausbruch nach dem Torerfolg deshalb nachvollziehbar.

Der Fussball-Nati wird immer wieder vorgeworfen, eine Truppe von Söldnern zu sein. Es wird kritisiert, dass einige die Hymne nicht singen. Daraus wird dann gefolgert, sie identifizierten sich nicht als Schweizer. Das ist falsch. Sie identifizieren sich einfach nicht ausschliesslich als Schweizer. Die Wurzeln im Ausland sind präsent, die Identitätsfrage können oder wollen sie nicht schwarz-weiss beantworten. Und das müssen sie auch nicht.

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