Kommentar
Die Ostschweizer Kantone bieten bei der Maskenpflicht dem Bund zu Recht die Stirn

Einige Kantone und das Bundesamt für Gesundheit drängen auf eine nationale Lösung in Sachen Maskenpflicht. Die Ostschweizer Kantone halten dagegen. Die Fallzahlen geben ihnen recht.

Stefan Schmid
Merken
Drucken
Teilen
Stefan Schmid

Stefan Schmid

Hanspeter Schiess

Keine Maskenpflicht in Schulen und Läden. Die Ostschweizer Kantone St.Gallen sowie beide Appenzell verzichten vorläufig auf eine Verschärfung der Corona-Bestimmungen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit dürfte am Mittwoch der Thurgau dieser Linie folgen.

Die Regierungen der Ostschweizer Kantone zeigen damit dem Bundesamt für Gesundheit, welches Masken grossflächig empfiehlt, die kalte Schulter.

Die Haltung der Ostschweizer Kantone ist richtig. Es gibt im aktuellen Stadium keinen Grund zur Nervosität.

Die Fallzahlen steigen zwar auch hierzulande leicht. Doch das Ausgangsniveau ist tief.

In vielen Gegenden, etwa in Innerrhoden, gibt es keine Erkrankungen. Unser Landesteil ist schlicht kein Hotspot des unberechenbaren Virus – zum Glück.

Der Bundesrat hat vor den Sommerferien die Verantwortung zu Recht den Kantonen zugespielt. Sie kennen die Situation vor Ort am besten, sie können jene Massnahmen ergreifen, die lokal am meisten nützen. Nur weil in Genf Clubs und Bars schliessen müssen, heisst das noch lange nicht, dass auch die Innerrhoder oder Rheintaler Wirte die Maskenpflicht in ihren Lokalen durchsetzen sollen.

Wer jetzt den «Flickenteppich» kantonaler Regelungen beklagt, hat den Sinn des Föderalismus nicht begriffen. Dieser Flickenteppich ist politisch gewollt und epidemiologisch gerechtfertigt. Und es gibt, entgegen der schrillen Kampagne des nationalen Boulevard, keine nachvollziehbare Logik, die darauf hinausliefe, kantonale Regelungen zu vereinheitlichen.

Es war richtig, im ÖV eine nationale Maskenpflicht zu verordnen. Züge kennen keine Kantonsgrenzen. Was aber in Beizen, Bars und Schulen gilt, das sollen die Kantone selber entscheiden. Der Bundesrat trifft sich am 12. August zur ersten Sitzung nach den Sommerferien. Das Gremium hat keinen Grund, erneut den Bundesvogt zu spielen. Die Verantwortung liegt bei den Kantonen. Und diese fahren, gerade hier im Osten, einen pragmatischen und vernünftigen Kurs.