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Kommentar

Die HSG braucht einen neuen Lehrstuhl

Vielleicht wäre die Einrichtung eines Lehrstuhls für Wirtschaftskriminalität für die HSG ein Weg, zerbrochenes Vertrauen wieder zu kitten. Studienobjekte fände sie für den Anfang innerhalb der eigenen Mauern.
Odilia Hiller

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Odilia Hiller (Bild: Michel Canonica)

Odilia Hiller (Bild: Michel Canonica)

Mitten in der Sommerhitze lässt die Universität St.Gallen Medien und Öffentlichkeit schmoren. Ende Juni sah sich der Präsident des Universitätsrats, Regierungspräsident Stefan Kölliker, genötigt, über einen – mutmasslich – gravierenden Spesenmissbrauch an einem HSG-Institut zu informieren. Die Sache fällt in die gleiche Zeit, in der Ex-Raiffeisen-Präsident und Institutsdirektor Johannes Rüegg-Stürm von der Finma zerpflückt und der Audi-Chef und HSG-Honorarprofessor Rupert Stadler verhaftet wird.

Verraten, um welches Institut es sich bei den Spesenmissbräuchen handelt, möchte die Universität nicht. Auch nicht ihren Mitarbeitern. Und schon gar nicht den Studierenden, der angehenden Führungselite Europas. Sie alle rätseln, ob sich die kriminellen Machenschaften mit den Spesenformularen am Nachbartisch in der Mensa oder weit weg in einem gesponserten Lehrstuhl in einer Villa am Rosenberg abgespielt haben mögen. Verunsicherung ist die Folge davon.

Ob die Geheimhaltung des betroffenen Instituts in Sachen Krisen-PR ein geschickter Schachzug ist, darf man bezweifeln. Experten für Krisenkommunikation raten in der Regel zu maximaler Transparenz, wenn es um Schadensbegrenzung nach innen und aussen geht. Das beherzigt beispielsweise Raiffeisen-Chefermittler Bruno Gehrig in der Aufarbeitung der fragwürdigen Aktivitäten von Ex-Direktor Pierin Vincenz. Gehrig setzt auf grösstmögliche Transparenz, um Glaubwürdigkeit und Vertrauen wiederherzustellen.

Dass die Universität überhaupt informierte, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass Steuergelder im Spiel sind. Wäre sie ein Privatunternehmen, man hätte wohl nie davon erfahren, solange keine Staatsanwälte ermitteln. Denn Spesen- und andere interne Veruntreuungsskandale halten Unternehmen unter dem Deckel, solange es geht. Der Ansehensverlust und Folgen wie geringere Wettbewerbsfähigkeit wiegen zu schwer.

Dass ausgerechnet jene Institution, die sich viel auf ihr ganzheitliches St. Galler Management­modell einbildet, in den Wirtschaftswissenschaften zu fast allem forscht ausser zu Wirtschaftskriminalität, erstaunt schon eher. Damit ist die HSG zwar nicht alleine. Die Erforschung von Wirtschaftsdelikten aus betriebswirtschaftlicher Sicht sowie die Frage, wie sich diese am ehesten vermeiden liessen, fristen im gesamten deutschsprachigen Raum ein Schattendasein. Da sind die Angelsachsen weiter: An den dortigen Eliteunis wird längst nach dem Wer, Wie und Warum der Wirtschaftskriminalität gefragt.

Vielleicht wäre die Einrichtung eines entsprechenden Lehrstuhls ein Weg für die HSG, zerbrochenes Vertrauen wieder etwas zu kitten. Studienobjekte fände sie für den Anfang innerhalb der eigenen Mauern.

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