Das sind die wahren Helden des Heiligen Abends

Bald ist es soweit, das grosse Fest zu Ehren Jesus Christus steht an. Im Zentrum der Feierlichkeiten im familiären Rahmen stehen die kleinen Kinder. Doch die wahren Helden, die sind etwas älter.

Stefan Schmid
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Stefan Schmid. ©Benjamin Manser / TAGBLATT

Stefan Schmid. ©Benjamin Manser / TAGBLATT

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Es ist der wichtigste Familienanlass des Jahres. Nach wie vor zelebrieren die meisten Heiligabend im trauten Kreis – möglichst unter Einbezug aller Generationen.

Wer kleine Kinder hat, weiss: Sie sind die Stars des Abends. Wegen ihnen singen wir wieder besinnliche Lieder, zünden die Kerzen am Christbaum an und machen ein Riesentamtam um jedes Geschenk. Und wenn der Sohnemann mit leuchtenden Augen und lautem Gekreische auf seinem neuen Bobby Car ungelenk in Grossvaters Beine donnert, dann ahnen wir: So machen Weihnachten einfach Spass.

So selbstverständlich die Kinder am Wiegenfest von Gottes Sohn im Zentrum des Interesses stehen: Die wahren Helden des Heiligen Abends sind unsere Eltern, die Grosseltern der Kindern. Noch immer sind sie es, die das Fondue Chinoise bestellen - und es gerade auch bezahlen. Sie sind es, die den Tisch so festlich dekorieren, dass es uns fast reut, daran überhaupt Platz zu nehmen. Sie sind es, die sich auch heuer wieder – entgegen der Abmachung, dass wir uns nichts mehr schenken – für jeden etwas Kleines ausgedacht haben. Sie sind es, die im richtigen Moment Liederbücher verteilen, da wir der zweiten und dritten Strophe von «Stille Nacht» ja nicht mehr unisono mächtig sind. Und sie sind es, die sich am Ende, wenn unsereiner der Tochter die obligate Gutenachtgeschichte erzählt, ums Aufräumen der Küche kümmern.

Es ist Zeit, allen Grosseltern für ihr unerschütterliches Engagement zu danken. Ihr seid die wahren Helden des Heiligen Abends. Ohne euch wäre ein Weihnachtsfest nur halb so gemütlich. Euren unaufhaltsamen Drang, die Familie wenigstens an Weihnachten an einen Tisch zu bringen, verdient uneingeschränktes Lob und aufrichtige Bewunderung.

Es wäre freilich verfehlt, euren Einsatz für das Wohl der Familie nur im Zusammenhang mit den bevorstehenden Festtagen zu würdigen. Die Schweiz würde generell nicht mehr funktionieren, wenn es euch nicht gäbe. Zehntausende Grossmütter und Grossväter betreuen gratis und franko stundenlang Enkelkinder. Holen diese von der Kita ab, weil Papa und Mama noch im Büro sitzen. Bringen sie ins Bett, damit die müden Eltern wieder einmal gemeinsam ins Kino können. Die ausserfamiliäre Kinderbetreuung hat sich in unserem konservativen Alpenstaat zwar deutlich verbessert in den letzten Jahren. Dennoch sind wir – gerade was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie anbelangt – in vielerlei Hinsicht nach wie vor ein Entwicklungsland geblieben.

Mittagstische werden erst langsam zum Standard, die Kita macht zu früh zu. Und sie ist vor allem unanständig teuer. Wo die Politik versagt, sind zum Glück die Grosseltern zur Stelle. Sie bügeln aus, was unsere Politiker nicht auf die Reihe kriegen.

Den Senioren geht es materiell so gut wie noch nie. Die Guthaben der Pensionskassen werden von jung zu alt umverteilt. Das gibt gemeinhin Anlass zu polemischen Spitzen gegen die goldene Generation. Das Problem lässt sich politisch entschärfen. Wir Jüngeren sind überzeugt, dass ihr zu einer gerechteren Lösung ebenso selbstlos Hand bieten werdet, wie wenn es ums Abräumen des Chinoise-Caquelon geht. Fröhliche Weihnachten, allen zusammen!