Gastkommentar

Das Schrott-Zeitalter

Alles lottert und wackelt. Der Autor mahnt deshalb daran, dass die Garantie für das Neue Jahr Ende Monat ausläuft. Wer es noch zurückgeben oder eintauschen will, muss sich sputen.

Peach Weber
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Peach Weber.Der Komiker steht steht seit 40 Jahren auf der Bühne. Auf den 15. Oktober 2027 ist seine Abschiedsvorstellung im Hallenstadion Zürich terminiert.

Peach Weber.
Der Komiker steht steht seit 40 Jahren auf der Bühne. Auf den 15. Oktober 2027 ist seine Abschiedsvorstellung im Hallenstadion Zürich terminiert.

«Es guets Neus» wünsche ich nicht mehr, es geht ja schon wieder stramm auf Weihnachten zu. Aber die Frage sei erlaubt: Sind Sie bis jetzt zufrieden? Sie wissen ja sicher, dass bis Ende Monat noch die Garantie läuft, Sie könnten es also nochmals gegen ein Neues tauschen. Aber ich warne: «Neu» heisst nicht immer «besser». Im Gegenteil, wenn Sie schon mal eine Waschmaschine, die brav 25 Jahre, ohne zu murren, ihren Dienst getan hatte, auswechseln mussten, dann haben Sie auch erfahren müssen, dass die neue schon nach ein paar Jährchen zumindest Burn-out-Symptome zeigte oder gar teure Bestandteil-Transplantationen brauchte.

Wir haben es mit unserer unsäglichen Schnäppchenjägerei fertig gebracht, dass viele Firmen vorwiegend Schrott produzieren müssen, um bei der Preistreiberei noch ein bisschen Gewinn herauszuwürgen. Wir bestellen ein Verlängerungskabel in China, weil es zwei Franken billiger ist, und darum muss dann der Ali Baba seine 40 Räuber wecken und in Bewegung setzen, was für ein Unsinn! Wir bestellen 400 Kleidungsstücke, weil wir problemlos 398 gratis zurückschicken können. Und dies, obwohl wir wissen, dass der Herr Zalando den Retour-Gerümpel vernichtet. Sind wir denn vom Wahnsinn umzingelt? Ich warte darauf, dass in der Poststelle Umkleidekabinen aufgestellt werden, damit man die Lumpen gleich dort anprobieren und wieder verpacken kann.

Wer ist schuld an dieser Entwicklung?

Am vorletzten Sonntag fiel mir vor Schreck beinahe das Kaviarbrötchen in die Schildkrötensuppe. Da schrieb doch der von mir normalerweise sehr verehrte Kolumnist Frank A. Meyer, dieser Doyen und Weltüberblicker, eine Kolumne von erlesener Schlichtheit. Er breitete genüsslich auf einer Seite das jämmerlichste Argument einiger Politik-Knallchargen aus: Ja, diese Klimajugend, geniesst alle Errungenschaften, wurde im SUV zur Schule gefahren, fliegt herum, hängt am iPhone und geht dann demonstrieren. Bis jetzt wusste ich solche Argumentation in Prof. Köppels Institut für geistige Umnachtung beheimatet, und jetzt kommt dieser kluge Kopf und jammert denselben Unsinn.

Hallo!?! Haben diese Jungen, die jetzt 15 oder 16 sind, ihre Umgebung etwa selbst geschaffen? Haben sie das Internet so einfältig konstruiert, dass es heute kaum mehr zu kontrollieren ist? Haben Sie die idiotische Billigfliegerei erfunden? Den UBER-Unsinn? Nein, das haben wir alle zusammen verbrochen oder zumindest geschehen lassen. Die Kinder sind in unsere Schrottkonstruktionen hineingesturzgeburtet worden. Schon klar, es muss diesen alten Männern wehtun zu merken, dass diese pickeligen Klimakinder in dieser Frage schlauer sind als sie.

Übrigens, allen sogenannten «Experten», die immer wieder mantramässig herunterbeten, der Markt müsse den Umweltschutz sozialverträglich umsetzen, sei gesagt: Der Markt ist ein Dummkopf. Nennen Sie mir eine Umwelt-Massnahme, welche die Industrie freiwillig umgesetzt hat, ohne Druck oder Verbote der Politik. Ah, jetzt kommen Sie ins Stutzen, gell? Wenn Sie dann fertig gestutzt haben, nenne ich nur das Stichwort «Katalysator» oder «Plastiksäckli». 5 Rappen Gebühr haben über 80 Prozent Einsparungen gebracht. Nicht 5 Franken, schon 5 Rappen haben gereicht! Welcher Ignorant kann da noch ernsthaft sagen, über den Preis könne man nichts erreichen?

Es ist ja auch nicht die Aufgabe der Industrie, die Umwelt zu schützen.

Sie muss Profit zu machen, das ist auch zu akzeptieren. Und sie bringt Arbeitsplätze. Das ist immer das Totschlag-Argument, wenn man der Industrie eine Vorschrift machen will: Das kostet Arbeitsplätze! Erstens hat das langfristig noch nie gestimmt und, mit Verlaub gesagt, mit diesem Argument könnte man auch freudig einen Krieg anzetteln, denn nichts schafft so viele Arbeitsplätze wie ein gepflegter Krieg!

Soll ich Ihnen sagen, was von uns dereinst in 500 Jahren übrig bleiben wird? Ein paar Milliarden defekte Harddisks und viele handgeschriebene Bücher aus dem 15. Jahrhundert, die man noch wunderbar lesen kann. Gibt mir zu denken, Ihnen auch?