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Kommentar

Das Miteinander zwischen Nassim Ben Khalifa und dem FC St.Gallen wird es nicht mehr geben

Analyse zum Rechtsstreit zwischen Nassim Ben Khalifa und dem FC St.Gallen
Christian Brägger
Christian Brägger, Sportredaktor

Christian Brägger, Sportredaktor

Es gab die berechtigte Sorge, dass aus dem Zerwürfnis zwischen dem FC St.Gallen und seinem Spieler Nassim Ben Khalifa ein Rechtsstreit entstehen könnte. Nach all dem Hin und Her seit dem Sommer 2018, nach all der Unzufriedenheit auf beiden Seiten, die bereits im Vorfeld über Monate die Juristen beansprucht hatte. Jetzt ist es da, das Verfahren vor dem Kreisgericht mit unvorhersehbarem Ausgang, initiiert von Ben Khalifa.

Es macht aus dem Spieler einen Kläger und aus dem Verein einen Angeklagten. Es macht aus dem Arbeitnehmer und seinem Arbeitgeber Rivalen, obwohl sie in der Super League als Einheit an einem Strang ziehen müssten.

Vor allem macht die Angelegenheit wegen des öffentlichen Interesses aus beiden Parteien Verlierer, auch wenn sie das natürlich für sich nicht so sehen. Aus Ben Khalifa, für den es vielleicht noch schwieriger wird, als Stürmer einen neuen Verein zu finden. Aus dem FC St.Gallen, der fernab des Rasens in die Öffentlichkeit gezerrt wird und vielleicht einen Spieler willkürlich und diskriminierend behandelt, indem er ihn ausgrenzt.

Schnell wurde in der Verhandlung vom Freitag klar, dass das Kreisgericht in der Causa keine Verletzung des Beschäftigungsanspruchs von Ben Khalifa sieht. Sehr zum Leidwesen der Klägerpartei und entgegen vergleichbarer, früherer Fälle (Veroljub Salatic, Eddy Barea) ging der Richter auf diesen Sachverhalt nicht ein. Heisst: Die Trainingsbedingungen, die der FC St.Gallen Ben Khalifa zur Verfügung stellt, sind ausreichend, um die Berufsfähigkeit zu behalten. Deshalb verfängt hier ein allenfalls im Raum stehender Vorwurf des Mobbings nicht.

Bald bildete das Abschlusstraining, an dem Ben Khalifa seit der Winterpause auf Geheiss des FC St. Gallen nicht mehr teilnehmen darf, den Schwer- und Knackpunkt der Verhandlung. Man muss das so sehen: Die intensive rechtliche Beurteilung dieses Gegenstands dient als eine Art Platzhalter in der Frage, welche Interessen höher zu gewichten sind – jene des Spielers oder jene des Trainers? Zudem: Wo hören die Rechte eines Fussballers auf, und wie weit gehen die Pflichten eines Vereins?

Ohne das Abschlusstraining sieht Ben Khalifa seinen Marktwert und die Chancen auf dem Transfermarkt beeinträchtigt. Dies dürfte zwar weniger der Fall sein. Sind es doch Einsätze und Tore, die zählen. Und nicht ein Abschlusstraining. Besonders nicht eines, wenn von vornherein klar ist, dass der Fussballer am Spieltag nicht im Aufgebot steht und damit faktisch keine Chance auf einen Einsatz hat.

Als Alain Sutter im Januar 2018 Sportchef des FC St.Gallen wurde, sagte er bald einmal, dass Ben Khalifa ein Projekt sei. «Nassim hat unglaubliches Potenzial, das hat er immer wieder bewiesen. Bis jetzt war er einfach nicht fähig, das über längere Zeit zu zeigen. Ich baue voll auf ihn.»

Heute lässt sich sagen, dass fussballerisch dieses Projekt des FC St.Gallen gescheitert ist. Menschlich ist der gegenseitige Umgang indes noch immer anständig und respektvoll.

Trotz all der Unbill, die Ben Khalifa ertragen muss – ausgerechnet er, der für sich als U17-Weltmeister so viel mehr gesehen hatte in der Karriere.

Eines muss man Ben Khalifa lassen. Er steht für sich und seine Anliegen ein, und zwar mit aller Konsequenz, selbst wenn ihm das zum Nachteil gereicht. Vor allem beweist er Mut. Die meisten Fussballer, die sich vom Arbeitgeber beschnitten sehen in ihren Rechten, die Spielball der Clubs sind und als Ware wie eine Aktie gehandelt werden, würden niemals aufbegehren. Niemals für ihre Rechte einstehen.

Schliesslich geht es Ben Khalifa auch nicht darum, sich ins Kader zu klagen. Er ist wohl schlicht der Stolz, der ihn antreibt und Gleichberechtigung sowie einen fairen Umgang fordern lässt.

Doch es gibt auch die Seite des Vereins. Kann oder muss sich dieser vorschreiben lassen, mit welchen Akteuren er sich auf den Spieltag vorbereitet? Muss das nicht das absolute Herrschaftsgebiet des Trainers bleiben? Wäre es der nächste Schritt, sich ins Aufgebot zu klagen, wie dies der FC St.Gallen befürchtet? Es gilt also abzuwägen, ob das persönliche Befinden hinter der Entwicklung der Mannschaft anzusiedeln ist.

Frühestens am Montag wird das Urteil erwartet. Bekommt Ben Khalifa recht und darf am Abschlusstraining teilnehmen, würde ein erstinstanzliches Präjudiz geschaffen. Und die Clubs müssten sich noch mehr überlegen, welche Passus – auch hinsichtlich der Einsätze für den Nachwuchs – sie in die Verträge setzen wollen. Es würde eine Verkomplizierung ungeahnten Ausmasses stattfinden.

Ausgefochten ist der Streit auch nach dem Urteil nicht, obwohl man sich dies zum Wohl des Spielers und des Vereins wünschte. Mehr noch: Es hätte nie so weit kommen dürfen. Je nach Entscheid des Richters stehen Rekurse im Raum. Es ist jedenfalls eine etwas bizarre Vorstellung, wie jemand an einer letzten Übungseinheit teilnimmt, an der man ihn überhaupt nicht sehen will. Ben Khalifa würde weniger als Resozialisierungsprojekt, sondern vielmehr als Störenfried gesehen.

Ein Miteinander wird es so oder so nicht mehr geben. Das Tuch ist zerschnitten, komme, was wolle. St.Gallens Trainer Peter Zeidler sagt unmissverständlich, dass der Stürmer unter ihm nie mehr zum Einsatz komme.

So gibt es wohl in Zukunft nur drei Szenarien für das einstige Wunderkind. Den Vertrag aussitzen bis zum Ende der Laufzeit im Sommer 2020 – mit Einbussen, weil es nur den Bruttolohn gibt. Den Club ablösefrei und sofort wechseln. Oder den Vertrag für Geld auflösen. Die letzte Variante lehnt St. Gallens Präsident Matthias Hüppi vehement ab. Er sagt, man wolle nicht noch mehr Auslagen haben. Geld war auch nie das Ziel Ben Khalifas.

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