Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kommentar

Die Misere der St.Galler Spitäler ist Heidi Hanselmanns Chance

Das Ostschweizer Gesundheitswesen braucht einen Relaunch: Wenn es der SP-Gesundheitschefin gelingt, die Kosten nachhaltig zu senken und gleichzeitig die Nachbarkantone einzubinden, schafft sie sich ein Denkmal.
Stefan Schmid
Stefan Schmid, Chefredaktor. (Bild: Benjamin Manser

Stefan Schmid, Chefredaktor. (Bild: Benjamin Manser

Die Ostschweizer Spitäler befinden sich in einem kritischen Zustand: Die Defizite in St. Galler Spitalregionen nehmen zunehmend bedrohliche Ausmasse an. Bereits ist die Rede von staatlichen Hilfskrediten zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit. Diese Woche gaben die Regierung und der Spital-Verwaltungsrat Sofortmassnahmen für die Regionalspitäler in Wattwil und Altstätten bekannt. Der provisorisch bereits verfügte Baustopp wird an beiden Standorten verlängert. Im Toggenburg wird bald nicht mehr operiert. Es kommt zu einem Personalabbau.

Nicht viel rosiger präsentiert sich die Situation in Appenzell Ausserrhoden. Dem Spitalverbund ist es zwar gelungen, die Defizite zu reduzieren. Das Grundsatzproblem aber – fehlende Auslastung, zu teure Infrastruktur – ist nicht behoben. Innerrhoden schickt sich derweil an, trotz ähnlicher Gemengelage in wenigen Kilometern Distanz ein neues Spital zu bauen. Die Idee, zusammen mit den Nachbarkantonen eine gemeinsame Gesundheitsregion Säntis zu gründen, erlitt an der Landsgemeinde soeben spektakulär Schiffbruch. So weit, so bizarr.

Lassen wir den Blick westwärts schweifen, sind auch im Kanton Zürich Überkapazitäten festzustellen. Gespannt wartet man auf erste Vorschläge der neuen Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli, wie die Kosten unter Kontrolle zu bringen sind. Das Schweizer Gesundheitswesen ist gut, keine Frage. Aber es ist teuer. Und die föderalistische Struktur des Landes erschwert eine Zusammenarbeit über die Kantonsgrenzen hinweg, obwohl genau dies sinnvoll wäre.

Im Kanton St. Gallen stellt die Regierung Vorschläge für das letzte Quartal dieses Jahres in Aussicht. Es ist richtig, dass sie sich diese Zeit nimmt, eine solide Auslegeordnung zu machen.

Die absehbare Schliessung oder Umwandlung von mehreren Regionalspitälern hat massive Auswirkungen auf Volkswirtschaft, Gesundheitsversorgung und regionalpolitische Befindlichkeiten. Lassen wir die Regierung ihre Arbeit also seriös erledigen. Forderungen wie jene der Freisinnigen, es müsse alles schneller gehen, sind nicht zielführend.

Doch im Spätherbst gibt es keine Ausreden mehr: Gefragt ist die Übernahme von Führungsverantwortung. Gesundheitschefin Heidi Hanselmann und ihre Kollegen müssen klar und unmissverständlich aufzeigen, wie es mit den St. Galler Spitälern weitergehen soll. Die Regierung soll dem Parlament nicht x Varianten vorlegen, sondern ein zukunftstaugliches Konzept. Das erfordert Mut und Gestaltungskraft.

Genau darin liegt aber auch eine Chance. Sozialdemokratin Hanselmann kann nun beweisen, wie brillant sie ist. Gelingt es ihr, das St. Galler Spitalwesen auf nachhaltig gesunde Beine zu stellen, hinterlässt sie ein Denkmal. Parteipolitische Ideologien müssen dafür zurückgestellt werden.

Gefordert sind aber ebenso ihre bürgerlichen Kontrahenten, die sich derzeit mit radi-kalen Vorschlägen gegenseitig überbieten. Hier bleibt abzuwarten, ob den vollmundigen Ankündigungen im kommenden Wahljahr tatsächlich konkrete Taten folgen werden. Politiker zeigen meist ein viel milderes Gesicht, wenn sie der eigenen Klientel schmerzhafte Einschnitte zumuten müssten.

Da viele Kantone mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind, wäre es löblich, die St. Galler Regierung nähme einen neuen Anlauf, eine Spitalregion Ostschweiz ins Leben zu rufen. Wer, wenn nicht St. Gallen, ist dazu in der Lage? Es ist in Zeiten hoher Mobilität ein Anachronismus sondergleichen, die Gesundheitsversorgung allein innerhalb kantonaler Grenzen zu koordinieren. Eine intensivere Zusammenarbeit – auch mit Zürich – tut Not. Möge Gesundheitschefin Heidi Hanselmann die Entschlossenheit und die Kraft aufbringen, auch diesen Stier entschlossen an den Hörnern zu packen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.