Das Gurlitt-Erbe passt nicht zu Bern

Die Nachricht: Morgen Montag wissen wir, ob das Kunstmuseum Bern das Gurlitt-Erbe annimmt.

Sabine Altorfer
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Der Kommentar: Bern sagt Ja, spekuliert man schweizauf, deutschlandab. Bern sagt Ja, weil es einen Bilderschatz und Immobilien mit Millionenwerten bekommt. Aber auch mit einer mehr als vertrackten, weil dunkelbraunen Vergangenheit. Wie viele Werke Hildebrand Gurlitt während seiner Zeit als Kunsthändler des Nazi-Regimes für seine Sammlung abgezweigt hat, weiss man nicht. Aber ein Teil der 1600 Werke, die man bei seinem Sohn Cornelius gefunden hat, dürfte Raubkunst sein. Sie hat Hildebrand Gurlitt mutmasslich vor allem aus den riesigen Mengen von Wertsachen zusammengerafft, welche die Nazis jüdischen Familien in Paris geraubt oder abgetrotzt haben. Und er hat wohl auch aus den Unmengen der als «entartet» konfiszierten Kunst aus deutschen Museen geschöpft.
Warum Cornelius Gurlitt ausgerechnet das Kunstmuseum Bern als Alleinerbe ausgewählt hat, weiss niemand. Aus Hass auf Deutschland? Aber gehört die Sammlung nach Bern? Nein. Die Sammlung Gurlitt ist eine deutsche Sammlung, und sie ist ein Stück dunkle, deutsche Geschichte. Sie sollte in Deutschland bleiben, von Deutschland erforscht, die Raubkunst von Deutschland an die Nachkommen der Beraubten zurückgegeben werden. Bei einem Nein von Bern ginge das Gurlitt-Erbe an die Familie. Sie hat versprochen, Raubkunst zurückzugeben, die Sammlung in Deutschland auszustellen. Hier müsste ein guter Deal gefunden werden.
Spekuliert wird ja über einen anderen Deal: Die sauberen Werke und Immobilienwerte sollen nach Bern kommen, um die möglicherweise kontaminierten Werke soll sich Deutschland kümmern. Die Schweiz würde damit zum Kunstgewinnler. Eine saubere Aussicht?
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