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Kommentar

Der EU-Binnenmarkt ist ausgerechnet
für die Schweiz ein Geldsegen

Eine Studie der deutschen Bertelsmann-Stiftung zeigt: Die Schweiz profitiert stärker vom EU-Binnenmarkt als die meisten EU-Staaten. Ein politisch brisanter Befund.
Stefan Schmid
Stefan Schmid, Chefredaktor. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Schmid, Chefredaktor. (Bild: Benjamin Manser)

Selbstverständlich muss man Studienergebnisse stets mit Vorsicht geniessen. Dennoch haben es die von der deutschen Bertelsmann-Stiftung publizierten Zahlen in sich: Die Schweiz profitiert ökonomisch mehr als die meisten EU-Staaten vom EU-Binnenmarkt.

Als kleines, mitten in Europa gelegenes, hoch industrialisiertes Land gehört sie zu den Nutzniesserinnen der Marktöffnung. Die Einkommen sind hierzulande um die 3500 Franken pro Kopf und Jahr höher, als sie es ohne Binnenmarkt wären. Ausgerechnet das Nichtmitglied Schweiz als grosse Profiteurin – das wird zu reden geben.

Einerseits natürlich bei uns im Inland. Jene politischen Kräfte, welche unsere Teilnahme am EU-Binnenmarkt etwa mit einer Aufhebung der Personenfreizügigkeit infrage stellen, müssen wissen: Sie vernichten damit Wohlstand. Das ist der Preis, den wir bezahlen, wenn wir von einer grösseren Unabhängigkeit träumen.

Andererseits dürften die Resultate dieser Studie auch in Brüssel und den europäischen Hauptstädten genau studiert werden. Die Schweiz spielt in Sachen Rahmenabkommen ziemlich sicher weiter auf Zeit. Und sie fordert neue Zuge­­ständnisse der Europäer. Es braucht freilich wenig Fantasie vorherzusehen, dass die Kompromissbereitschaft gegen- über der Schweiz im Angesicht dieser Resultate kaum zunehmen wird.

Zu wünschen wäre, dass die Ergebnisse zur Versachlichung der Europadiskussion beitragen. Die EU ist nicht ein Feind, der uns überall auszunehmen gedenkt. Sie trägt mit dem Binnenmarkt zum Wohlergehen unseres Landes bei. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

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