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Fall Dietsche: Dank #MeToo ist ein Wandel im Gange

Die St.Galler Kantonspolizei hat im Fall des zurückgetretenen SVP-Kantonsrats Marcel Dietsche konsequent gehandelt. Ein zögerliches Vorgehen bei Verdacht auf sexuelle Belästigung würde die Gesellschaft nicht mehr billigen.
Janina Gehrig

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Janina Gehrig

Janina Gehrig

Es ging Schlag auf Schlag: Der St. Galler SVP-Kantonsrat und Kantonspolizist Marcel Dietsche soll gegenüber Arbeitskolleginnen sexuell übergriffig geworden sein. Als das Polizeikommando kurz vor Ostern davon Wind bekam, beauftragte es eine externe Anwältin und bot Dietsche zu einem Gespräch auf. In der Folge trat der Polizist von all seinen Ämtern zurück, was er die Medien gleich selbst wissen liess. Die Kapo hat in dieser Angelegenheit unverzüglich und vorbildlich gehandelt. Das hat sicher damit zu tun, dass sich kaum eine Organisation intensiver mit dem Thema auseinandersetzt als die Polizei. Täglich haben die Beamten mit Fällen von sexueller Belästigung, Übergriffen oder häuslicher Gewalt zu tun, müssen Betroffene über ihre Rechte aufklären oder an die Opferhilfe verweisen.

Ein zögerliches Vorgehen bei Verdacht auf sexuelle Belästigung wäre von der Gesellschaft aber auch nicht mehr gebilligt worden. Zunehmend herrscht für jegliche Art von Diskriminierung Nulltoleranz. Das ist auch das Verdienst einer Debatte, die im Oktober 2017 losgetreten wurde, nachdem der Missbrauchsskandal um den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein publik geworden war. Unter dem Schlagwort #MeToo meldeten sich Hunderttausende weltweit zu Wort, die bis anhin geschwiegen hatten. Plötzlich war es kein Tabu mehr, darüber zu sprechen, begrapscht, genötigt oder mit sexistischen Sprüchen in die Enge getrieben worden zu sein. Dutzende Manager, Schauspieler, Regisseure, Politiker, Sportler und Journalisten mussten dafür geradestehen, verloren ihre Posten oder ihr Gesicht.

Während es vor ein paar Jahren als «nicht bös gemeint» abgetan wurde, wenn ein Kollege beim Mitarbeiteranlass anzügliche Sprüche fallen liess oder aufdringlich wurde, weist man ihn heute eher zurecht oder meldet sein Verhalten. Denn auch bei Führungspersonen ist das Bewusstsein dafür gewachsen, dass es ein Gleichstellungsgesetz gibt. So hat die Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich im letzten Jahr doppelt so viele Kurse für Firmen durchgeführt, um präventive Massnahmen am Arbeitsplatz zu fördern.

Die #MeToo-Debatte hat dazu angeregt, über das Verhältnis zwischen Frauen und Männern nachzudenken, über eine fairere Rollenverteilung und darüber, was sich gehört und was nicht. Sie hat den Sinn dafür geschärft, dass es bei sexueller Gewalt um Macht und Privilegien geht – und dass dieses System durchbrochen werden muss. Das gelingt nur, wenn man hinschaut, anprangert, eingreift – gerade in einem männerdominierten Umfeld wie der Polizei. Unternehmen können es sich schlicht nicht mehr leisten, auf sexuelle Belästigung mit einem Achselzucken zu reagieren. Das ist gut so, denn da gibt es noch viel zu tun.

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