Kein Zutritt ins Bundeshaus: Die Parlamentsdienste düpieren die Regionalpresse

Ausgerechnet bei den Bundesratswahlen vom nächsten Mittwoch darf der für nationale Themen zuständige Regionalredaktor dieser Zeitung nicht ins Bundeshaus. Die Berner Beamten erweisen damit der Medienvielfalt einen Bärendienst.

Stefan Schmid
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Chefredaktor Stefan Schmid

Chefredaktor Stefan Schmid

Hanspeter Schiess

Die Medienkonzentration ist in aller Munde. Immer mehr Zeitungen werden Teil eines grösseren Verbundes, so auch die unsrige, die seit 2018 zu CH Media gehört.

CH Media gibt in 13 Kantonen Zeitungen heraus. Darunter die "Aargauer Zeitung", die "Luzerner Zeitung" oder eben das "St.Galler Tagblatt" und die "Thurgauer Zeitung". Die überregionale Berichterstattung ist für alle dieselbe. Das betrifft auch die Bundespolitik. Die Bundeshausredaktoren können nicht die Ostschweizer Brille aufsetzen, denn ihre Texte werden sowohl im Aargau als auch in Nidwalden und Appenzell Ausserrhoden gelesen. So weit, so nachvollziehbar.

Um dennoch einen spezifisch ostschweizerischen Blick auf die nationalen Ereignisse zu werfen, schickt diese Zeitung eigens einen Regionalredaktor nach Bern. Dieser kümmert sich während den Sessionen (und oft auch ausserhalb derselben) ausschliesslich um die 26 Ostschweizer Bundespolitikerinnen und Bundespolitiker und deren Vorstösse und Ideen. Die Leserschaft will schliesslich wissen, was unsere Vertreter in Bern so treiben.

Bloss: Ausgerechnet nächsten Mittwoch, am Tag der Wahl der Landesregierung, darf unser Redaktor das Bundeshaus nicht betreten. Die Begründung der Parlamentsdienste: CH Media verfüge ja über eine eigene Bundeshausredaktion, die stark genug dotiert sei, um verschiedene journalistische Bedürfnisse abzudecken.

Ein Denkfehler: Die Bundeshausredaktion muss Berichte, Analysen und Kommentare schreiben, die überall funktionieren, wo die Texte erscheinen. Für regionale Sichtweisen bleibt da keine Zeit - ja es ist schlicht nicht die Aufgabe einer zentralisierten Inlandredaktion.

Unser Mann in Bern wird die Bundesratswahlen wie Hinz und Kunz am Fernseher verfolgen. Er wird's überleben. Schade jedoch, wird damit der Effort eines regionalen Medienhauses nicht honoriert, der eigenen Leserschaft Zusatznutzen durch eine spezifische Herangehensweise zu bieten.

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