Glosse

Apropos: Die Tomate und ich

Andreas Faessler
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Andreas Faessler

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«Im Militär lernsch de scho no ässe», pflegte mein Vater zu sagen, wenn ich als Teenie am Mittagstisch mal wieder sämtliches Gemüse liegen gelassen habe. Und er sollte Recht behalten. Heute nämlich krieg ich kaum genug von Grünzeug. Eine grosse Ausnahme aber ist geblieben: Rohe Tomaten sind mir ein Gräuel. Ganz zu schweigen vom Tomatensaft, den sie in den Flugzeugen hektoliterweise ausschenken. Sherrytomaten fliegen bei mir hochkant aus der Schüssel, und besonders gross ist mein Ärger, wenn Tomatenscheiben ein Sandwich kontaminiert haben und das Ganze nach diesem Zeug schmeckt.

Interessant aber ist, dass mir hingegen alles vorzüglich mundet, was aus Tomaten gemacht wird – Sugo, Ketchup, Purrée . . .  Muss wohl der Kochvorgang sein, welcher dem Ganzen den von mir so verabscheuten Goût nimmt. Bemerkenswerterweise scheine ich damit nicht alleine dazustehen. Es soll viele – vor allem männliche – Leidensgenossen geben, denen es ähnlich geht. Die Tomate und ich – eine Art Hassliebe. Oder so.