Applaus für Prügel-Polizisten

Die Nachricht: Ein diese Woche publiziertes Überwachungsvideo zeigt einen Polizisten, der einem wehrlosen Einbrecher gegen den Kopf tritt.

SaW Redaktion
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Der Kommentar: Kaum hatte die «Rundschau» das Video publiziert, machte es die Runde im Land. Auf allen Newsportalen waren die Bilder zu sehen: ein Luzerner Polizist auf der einen Seite, ein am Boden liegender Einbrecher auf der anderen. Der Polizist, die Waffe gezogen, nähert sich dem Einbrecher, tritt ihm gegen den Kopf. Fünf Mal.
Was in den Medien und bei Politikern von links bis rechts einen Sturm der Entrüstung auslöste, stiess beim Internetpublikum auf erstaunlich viel Zustimmung. «Das ist doch kein Schockvideo, ich möchte dem Polizisten gratulieren», hiess es etwa. «Das ist gerade etwa das richtige Mass», schrieb
ein anderer. «Dass mit dem heutigen Pack die Polizei auch mal ausrastet, ist absolut verständlich», meinte eine Frau aus dem Toggenburg. Ein grosses Portal musste die Kommentarfunktion gar schliessen. Zu viele ehrverletzende, unflätige Beiträge waren eingegangen.
Wie gross ist der Graben zwischen Journalisten und ihren Lesern? Zwar sind Leserkommentare per se nicht repräsentativ. Die anonyme Kommentarmöglichkeit begünstigt Extremmeinungen und Leute mit gesteigertem Mitteilungsbedürfnis. Dennoch: Zumindest in Teilen der Bevölkerung herrscht offenbar der Eindruck vor, dass Straftäter härter angepackt werden müssen und dass «die Rumänen sowieso kaum ihre gerechte Strafe erhalten».
Wird der Rechtsstaat gedehnt, wo es der digitale Stammtisch für richtig hält, schwindet das hohe Vertrauen, das die Polizei heute in der Schweiz geniesst. Das tut sie nicht, weil sie härter zupackt, als es nötig wäre. Sondern weil Fälle wie jener in Luzern Einzelfälle sind – und bleiben sollen.
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