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Kommentar

Alles Gute zum Vatertag

Das Dasein der zeitgemässen Väter ist hart: Wie wäre es also, wenn sie sich heute zurücklehnten und sich nur Gutes tun.
Odilia Hiller
(Bild: Michel Canonica)

(Bild: Michel Canonica)

Heute ist Vatertag. Herzlichen Glückwunsch! Der Vatertag ist in der Schweiz ja eine eher freudlose Sache. Politische Forderungen nach staatlicher Würdigung der Vaterpflichten statt Genuss und Freude haben ihm die Männerorganisationen auf die Fahne geschrieben.

Doch ein wenig wollen die Schweizer Väter an diesem Tag auch hören, dass nicht nur die Mütter viel tun, sondern auch sie einen tollen Job machen. Denn sie leisten viel, die Väter. Sie arbeiten, leiten Sitzungen, kaufen ein, kochen, putzen, wechseln Windeln und schieben Kinderwagen. Sie trösten, hören zu und geben Rat. Da geht manchmal vergessen, dass Väter vom bösen Wort Doppelbelastung fast so viel wissen wie arbeitende Mütter und Alleinerziehende.

Nach dieser Woche – das St.Galler Stadtparlament will für städtische Angestellte einen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen einführen und der Bundesrat von einem Gesetz für die Einführung desselbigen nichts wissen – passt es wiederum ganz gut, den heutigen Tag als Aktionstag anzu­sehen. Die Vaterfrage ist in Bewegung. Die Familienstrukturen verändern sich, die Ansprüche der gutsituierten Schweizer Jungfamilien an sich, ihre Partnerschaft und das Zusammenleben steigen.

Was die Sache nicht leichter macht: Die Tendenz zur Überhöhung des Projekts Familie verurteilt viele Anstrengungen schon zum Scheitern, bevor sie begonnen haben. Der zeitgemässe Vater muss perfekt, sensibel, engagiert und an allem interessiert sein. Dazu ein fantastischer Liebhaber, gutaussehend und erfolgreich im Beruf. Wir Frauen kennen diesen Spagat schon lange. Dazu soll jeder der beiden Partner die exakt gleichen Freiheiten geniessen, gleich oft mit Kumpels oder Freundinnen tolle Wochenenden verbringen und gleich viel wissen über Beziehungspsychologie, gewaltfreie Kommunikation und Konfliktlösung.

Die Realität ist, seien wir ehrlich, eine andere. Wir streiten, lachen und weinen. Wäscheberge türmen sich vor Spielzeughaufen, und irgendwer muss aufräumen. Eine Familie ist ein chaotischer Organismus, und je mehr man versucht, Ideale aus Unternehmensführung, Teamleitung und Remo Largo zu Hause umzusetzen, desto mehr Stress kommt auf.

Wie wäre es also, wenn die Väter sich heute zurücklehnten und sich nur Gutes tun. Mit oder ohne Kinder, mit oder ohne Frauen. Jene, denen die Diskussion über den Vaterschaftsurlaub noch in den Knochen steckt, sollen sich entspannen: Kein Vaterschaftsurlaub der Welt wird über Glück oder Scheitern ihrer Beziehung oder ihres Kindes entscheiden. Wollen kann man ihn trotzdem. Umarmen Sie Ihre Familie – und das Chaos.

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