Alle mögen Mafalda

Mafalda hasst Suppe und Rassismus und liebt die Beatles und den Frieden. Damit können sich nicht nur Argentinier identifizieren. In ihrer Heimatstadt Buenos Aires ist die Comicfigur so beliebt, dass sie es fast bis zur Ehrenbürgerin geschafft hat.

Roger Berhalter
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Wenn sie Suppe essen soll, beginnt sie zu toben und ihr Mund wird riesengross. Wütend wird Mafalda auch, wenn jemand ungerecht behandelt oder gewalttätig wird. Das hat die Comicfigur ihrem Schöpfer Joaquín Salvador Lavado alias Quino zu verdanken. «Wenn ich irgendwohin gehe, wo man mich schlecht bedient oder wenn ich mich über jemanden beschweren will, dann zeichne ich Mafalda: Sie ist die Stimme meiner Wut», sagte Quino einmal in einem Interview.

Durch Mafalda kommentiert Quino das Weltgeschehen und weist auf die sozialen und politischen Probleme einer typischen Mittelklassefamilie hin.

Gegen die Militärherrschaft

Eigentlich sollte Mafalda ursprünglich für Haushaltsgeräte werben. Quino zeichnet die Figur Anfang der 60er-Jahre für eine Werbekampagne, die nie zustande kommt. Am 29.

September 1964 erscheint Mafalda zum ersten Mal als Comicstrip in der überregionalen Wochenzeitung «Primera Plana». Bis im Frühling 1965 zeichnet Quino im Zweiwochenrhythmus 48 Mafalda-Folgen. Dann wechselt er zur Tageszeitung «El Mundo», wo er täglich eine Bildfolge veröffentlicht und sehr aktuelle Themen einbauen kann. Ab 1968 zeichnet er Mafalda für die Wochenzeitung «Siete Días Ilustrados», wo er sich am 25. Juni 1973 verabschiedet.

Einerseits fühlt er sich ausgelaugt, anderseits sind seine sozialkritischen Comics der Militärherrschaft ein Dorn im Auge.

Gegen Berlusconi

Seither zeichnet Quino Mafalda nur noch, wenn es um das Wohl des Kindes geht. 1976 illustriert er für die Unicef die Erklärung der Kinderrechte, und 1984 zeichnet er Mafalda beim vorbildlichen Zähneputzen.

Doch obwohl Quino seit mehr als 20 Jahren keinen neuen Mafalda-Comicstrip mehr gezeichnet hat, erscheint Mafalda auch heute noch – und wirkt erstaunlicherweise kein bisschen veraltet. In Italien zum Beispiel hat sich gezeigt, dass sich die Sprüche des altklugen, widerspenstigen Mädchens gut in die Zeit Berlusconis übertragen lassen. Vielleicht ist deshalb auch der italienische Schriftsteller Umberto Eco Mafalda-Fan.

In 26 Sprachen

1988 wäre das Mädchen sogar fast zur Ehrenbürgerin von Buenos Aires geworden. Eine prominent besetzte Delegation trat damals vor den Stadtrat von Buenos Aires und forderte dies. «Mafalda bleibt den Argentiniern als das kleine Mädchen in Erinnerung, dessen Fragen auf die Probleme der argentinischen Gesellschaft hinweisen», hiess es damals.

Natürlich konnte die Comicfigur nicht Ehrenbürgerin werden, die Anekdote verdeutlicht aber, welchen Stellenwert Mafalda in Argentinien hat, wo ihre zehn Bildbände millionenfach verkauft worden sind. Zwar gibt es die Comics in 26 Sprachen, und sie werden von Schweden bis China gelesen. Nur in ihrer Heimat aber ist Mafalda eine Ikone, wie auch eine Aussage des argentinischen Autors Julio Cortázar bestätigt: «Es ist nicht von Bedeutung, was ich über Mafalda denke. Das Wichtige ist, was Mafalda über mich denkt.»