Hysterisch bis selbstverliebt

Michael Bully Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian sind erfolgreiche Komiker. Im Animationsfilm Toy Story 3 sind sie für einmal Dienstleister: Sie leihen den Filmhelden ihre Stimme. Jeder hatte ein Lieblingsspielzeug und erinnert sich bestens daran.

Philippe Reichen/André Wesche
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Die Komiker Michael Bully Herbig (42), Christian Tramitz und Rick Kavanian sind privat gute Freunde, vor allem aber arbeiten regelmässig zusammen. Ihre Filme «Der Schuh des Manitu» und «(T)Raumschiff Surprise» zählen zu den grössten deutschen Kinoerfolgen aller Zeiten. Mittlerweile hat jeder eigene Projekte am laufen. Im Film «Toy Story» sind sie als Synchronsprecher vereint. Herbig spricht den Cowboy Woody, Kavanian leiht dem Dino und Tramitz Filou Ken seine Stimme.

Haben Ihre Kinder den Film schon gesehen?

Rick Kavanian: Der Bully ist mit seinen 39 Jahren (Herbig ist 42) doch noch viel zu jung für Kinder.

Christian Tramitz: Meine Kinder werden den Film am Sonntag sehen. Das wird ein Härtetest. Mein Ältester hat schon 3D-Filme gesehen – es wird ihm schnell langweilig.

Als Synchronsprecher zu arbeiten ist etwas ganz anders als in einem Film als Schauspieler mitzuspielen. Wie haben Sie das erlebt?

Bully Herbig: Manch einer denkt, man spricht 90 Minuten Filmlänge am Stück und geht dann nach Hause. Die Wahrheit ist, wir haben uns beim Sprechen nie gesehen. Jeder hat im Studio ganz alleine für sich gearbeitet.

Und wie bereitet man sich auf die Aufgabe vor?

Tramitz: Das Korsett ist eng. Man muss nah an der Vorlage bleiben.

Zuerst schaut man sich das Original an, das ja schon stark ist, hört sich aufmerksam an, was der englische Sprecher macht. Der Film an sich ist dank uns ja nicht besser geworden.

Kavanian: Als Synchronsprecher ist man eine Art Dienstleister. Man arbeitet take für take, bis die Rolle gesprochen ist.

Bully Herbig, Sie haben als Woody die Nachfolge von Peer Augustinki angetreten, der den Cowboy in den ersten Folgen synchronisierte, eine schwierige Aufgabe?

Herbig: Wie gesagt, die Herausforderung besteht darin, dem Original gerecht zu werden. Die Filmemacher haben vier Jahre lang hart für diesen Film gearbeitet und ein Werk geschaffen, das vom Timing über den Look bis hin zur Dramaturgie und Besetzung bis ins kleinste Detail durchdacht ist. Sie liefern die Vorlage, der man sich unterordnen und möglichst nahe an sie herankommen muss.

Was gefällt Ihnen an Woody?

Herbig: Um ganz ehrlich zu sein, ist er nicht meine Lieblingsfigur im Film. Es gibt da einen Schimpansen: der ist völlig abgefahren und durchgeknallt, sagt aber nichts. Den hätte ich auch gerne gesprochen.

Wie gefällt Ihnen Ihre Figur des Dino, Herr Karavan?

Kavanian: Er ist ein Überbleibsel aus vergangenen Zeiten, er hat kurze Arme – wir haben also rein gar nichts gemeinsam. Ich mag seine hysterische Art, auch wenn ich ein ganz anderer Mensch bin.

Wenn er euphorisch ist, ist er euphorisch, wenn er traurig ist, dann abgrundtief.

Herbig: Ihr seht beide gefährlich aus. Rick hat Erfahrungen mit solchen Rollen, in der «Bullyparade» hat er meistens die Insekten gespielt, auch mal eine Batterie.

Gibt es Parallelen zwischen Ihnen und Ihren Filmfiguren?

Tramitz: Ich habe mich bei den ersten fünf oder sechs Takes bei diesem Ken halb totgelacht bei. Man kennt solche Typen und ihre Selbstverliebtheit.

Ken auf diese Weise in einen Film einzubauen, finde ich schlichtweg genial. Charakterlich ist er natürlich nicht einwandfrei, darum gibt es doch grosse Unterschiede zwischen ihm und mir.

Erinnern Sie sich mit welchen Spielzeugen Sie gespielt haben?

Kavanian: Ich hatte ein Monchichi-Püppchen. Mich nervte immer, dass die Puppe bloss ihren Daumen in den Mund nehmen konnte.

Ich holte also den Handbohrer und habe der Puppe in die Ohren gebohrt, so konnte es den Daumen auch ins Ohr stecken und ich war glücklich.

Tramitz: Ich hatte einen Schachtelteufel, so eine Art «Jack in the Box». Wenn man die Schachtel öffnete, sprang Jack raus. Ich liess ihn Tag und Nacht rein- und raushüpfen, er war dann auch relativ schnell kaputt.

Hatten Sie einen Favoriten, Herr Herbig?

Herbig: Ich fand es toll, als mit «Star Wars» das Merchandising erst richtig losging. Davor gab es nur Zeug wie diese «Big Jim»-Puppen. Die hatte ich nie. Auf die Star- Wars-Sachen bin ich so richtig abgefahren, die Raumschiffe und die kleinen Figuren. Seitdem bin ich ein Marchandising-Nerd. Dann kam der Zauberwürfel, genau wie das Skateboard, das eine Zeit lang out war. Und dann natürlich der Evergreen: Der Ball! Er war lange mein Lieblingsspielzeug.

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