Ein Biologietest gehört zur Kanti

WATTWIL. Die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Wattwil haben am Samstagnachmittag ein vielfältiges Programm absolvieren können. Biologielehrer Walter Naef hat zu einer Schulstunde eingeladen und dabei mit seiner legendären Blüemliklausur das Wissen getestet.

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Schwatzen ist erlaubt: Walter Naef (ganz links) hat die ehemaligen Schülerinnen und Schüler zu einer nostalgischen und sehr humorvollen Biologielektion eingeladen. (Bilder: Sabine Schmid)

Schwatzen ist erlaubt: Walter Naef (ganz links) hat die ehemaligen Schülerinnen und Schüler zu einer nostalgischen und sehr humorvollen Biologielektion eingeladen. (Bilder: Sabine Schmid)

Das hätten sich die Frauen und Männer, die für eine Lektion wieder im Biologiezimmer im Trakt B der Kantonsschule Platz genommen haben, wohl nicht im Traum vorstellen können. Lehrer Walter Naef steht vor dem Schulzimmer und begrüsst sie mit Handschlag. «Du bist doch…», sagt er hier, wendet sich um und lacht dort: «Hoi, herzlich willkommen…». Im Zimmer dürfen die Kurzzeit-Kantischüler Platz nehmen. «Komm, wir setzen uns dahin», sagt einer zu seiner ehemaligen Klassenkollegin. Erstaunlicherweise bleiben die hintersten Plätze vorerst leer.

Ob dies wohl mit den Erinnerungen an die Schulzeit bei Walter Naef zusammen hängt?

170 Blumen gelernt

Der Biologielehrer ist den meisten Schülerinnen und Schülern wegen seinen «Blüemliklausuren» in Erinnerung geblieben. 170 verschiedene Blumen haben die Kantischüler bei Walter Naef gelernt. Zum Schluss seien es aber viel weniger gewesen, erzählt der Lehrer, der seit dem Sommer pensioniert ist.

Bei der legendären Prüfung hat er während rund zehn Sekunden verschiedene Dias gezeigt und von den Schülern verlangt, dass sie die abgebildeten Blumen bestimmen können. Nun steht «die etwas andere Blüemliklausur» auf dem Programm. «Ich kann nicht aus meiner Haut heraus, ein Test muss sein», erklärt Walter Naef in einem entschuldigenden Ton. Bevor er die Prüfungsblätter austeilt, gibt er die Rahmenbedingungen vor: Es ist nicht verboten, miteinander zu sprechen. Die Präsentation läuft zweimal ab, wenn nötig auch ein drittes Mal.

Und Walter Naef gibt für jedes der gezeigten Blüemli eine Auswahl von drei Namen vor. Aus den Sitzreihen ist ein Aufatmen zu hören. Walter Naef verteilt Schreibzeug und die Prüfungsblätter, dann startet er die Präsentation.

Politisierender Peterstrauch

Schon beim ersten Bild wissen die Ehemaligen, was Walter Naef mit dem Zusatz «nicht ganz ernst zu nehmen» meint.

Zu sehen ist das Bild einer Pflanze, darin eingebettet das Foto des ehemaligen Lehrers Peter Ledergerber. Ist das nun das Grosse Gerbstoffrohr? Das Lederkonservierende Berufsstandskraut? Oder der Politisierende Peterstrauch? Die Prüflinge haben die Qual der Wahl. Insgesamt 32 solcher Pflanzen gibt es zu bestimmen. Gesucht sind Namen wie Fleissiges Knechtchen, Chemische Eugenskralle, Schnupfendes Reichsgras oder Pellis Sinusrebe. Erfunden hat sie Walter Naef nach den Übernamen, welche die Schüler den Lehrern gegeben haben.

Auch Charakterzüge sind eingeflochten. Und ein bisschen Wissenschaft ist drin. Wichtig aber sei, dass diese andere Blüemliklausur Spass mache, so der Lehrer. Das ist ihm mit dieser Klausur ohne Zweifel gelungen.

Teilweise geniale Resultate

Die Auswertung kann jeder selber machen. «Ja, ja. Jetz fangt wieder z märte a.

Das mache mir nachane im gmüetleche Teil», sagt Walter Naef, als eine ehemalige Schülerin meint, ihre falsche Antwort sie vielleicht doch die richtige. «En Drüehalber, wie frühner», rechnet ein anderer seine Note aus. Nach einem kurzen Blick auf alle Prüfungsblätter zieht Walter Naef Bilanz: «Es ist wie immer, es hat gute Prüfungen darunter und weniger gute. Einige der Klausuren sind sogar genial».

Dass die guten eine Belohnung bekommen, nämlich ein Erinnerungsgeschenk, hat er vor der Klausur noch nicht verraten.

Flora rund ums Schulhaus

Biologie ist ein Fach, das nicht nur im Schulzimmer unterrichtet werden kann. Dem trägt Walter Naef Rechnung. Er verteilt seinen Temporär-Schülern einen Plan und schickt sie auf Entdeckungsreise rund um die Kanti. Für einmal dürfen sie auch den Hof der Kanti betreten. Ein Territorium, das für die Schülerinnen und Schüler sonst kaum einmal offen ist.

Walter Naef hat für diesen individuellen Rundgang einen grossen Zeitrahmen gesteckt, denn er ist sich bewusst, dass die Ehemaligen auf diesem Weg Zeit brauchen, um Erinnerungen auszutauschen. Und vielleicht treffen sie auch ehemalige Klassenkolleginnen und -kollegen.

Erinnerung an den Unterricht

Zurück im Schulhaus lädt Walter Naef seine Samstagnachmittag-Klasse ins Biologielabor ein. Dort präsentiert er verschiedene exotische Früchte, über die er Wissenswertes zusammengetragen hat.

Und er hat für die Klasse einen weiteren Test ausgedacht: Jeder kann von einem Fruchtsalat kosten, bei welchem eine der ausgestellten Exemplare fehlt.

Keine Glocke hat an diesem Samstag das Ende der Schulstunde angekündigt. Gefallen hat diese kurze Rückkehr in die Kantizeit allen, sowohl den Schülern wie auch den Lehrern.

Und die Sprüche, die an den Unterricht erinnert haben, haben die Schülerinnen und Schülern wohl zu mancher weiteren Episode mit dem Beginn «Weisch no …?» angeregt.

Sabine Schmid