Die Glocken schweigen

Die Kirchenvorsteherschaft der Evangelischen Kirchgemeinde hat entschieden: Der Glockenschlag wird in der Nacht abgestellt. Die Regelung dürfte nach den Sommerferien in Kraft treten.

Esther Simon
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Solche Schlagunterbrecher könnten in der evangelischen Kirche in Weinfelden eingebaut werden. (Bild: zVg)

Solche Schlagunterbrecher könnten in der evangelischen Kirche in Weinfelden eingebaut werden. (Bild: zVg)

Weinfelden. Die Glocken der evangelischen Kirche in Weinfelden sollen künftig zwischen 22 und 6 Uhr nicht mehr schlagen. Das hat die Kirchenvorsteherschaft in eigener, ihr zustehender Kompetenz beschlossen. Die Behörde habe sich den Entscheid nicht leichtgemacht, versichert Helmut Wiegisser, Präsident der Kirchenvorsteherschaft.

Offerte wird verlangt

Nach der Rechnungsversammlung vom 10.

Mai, an der sich eine deutliche Mehrheit der Redner für die Unterbindung des nächtlichen Glockenschlages ausgesprochen hatte, habe er noch um die 30 Zuschriften erhalten, von denen viele auch für eine Beibehaltung des Glockenschlages votiert hätten, sagt Wiegisser.

Vorgesehen ist, dass die Glocken um 22 Uhr noch schlagen, nachts völlig schweigen und um 6 Uhr erstmals wieder die Stunde anzeigen.

Die Kirchenvorsteherschaft holt nun bei der Rüetschi AG in Aarau, die vor mehr als 100 Jahren die Glocken der evangelischen Kirche gegossen hatte, eine detaillierte Offerte ein. Wiegisser geht davon aus, dass die Unterbindung des Glockenschlages rund 8000 Franken kostet.

Hämmer fallen nicht mehr

René Spielmann von der Rüetschi AG hat sich mit der Aufgabe in der Weinfelder Glockenstube bereits vertraut gemacht. Denkbar ist der Einbau von sogenannten Schlagunterbrechern in den Hammerzügen, wie er erklärt.

Die Schlagunterbrecher bewirken, dass die Hämmer in dem komplizierten Gebilde von Zahnrädern, Seilen und Hebeln wohl noch aufgezogen werden, aber nicht mehr herunterfallen können und so an der Auslösung des Glockenschlages verhindert werden.

Rekursinstanz in Frauenfeld

Gemäss Helmut Wiegisser soll die Regelung so bald wie möglich in Kraft treten. Er geht davon aus, dass dies nach den Sommerferien der Fall sein könnte.

Die Lösung wäre nicht so, dass sie nie mehr rückgängig gemacht werden könnte, betont der Kirchenpräsident. Aber derzeit stünden die Zeichen der Zeit ja nicht so. Gegen den Entscheid der Kirchenvorsteherschaft, wonach der Glockenschlag zwischen 22 und 6 Uhr abgestellt werden soll, kann beim Evangelischen Kirchenrat in Frauenfeld rekurriert werden.

Nicht mit sich reden lassen

In der Verordnung über die Rechtspflege heisst es, dass Rekurs einlegen kann, wer durch einen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse vorweisen kann. Für Wiegisser ist jetzt schon klar: Sollten Begehrlichkeiten nach der Abstellung des 6-Uhr-Geläutes kommen, würde er darüber nicht mit sich reden lassen. Weil es in diesem Falle um die Änderung der Läuteordnung ginge, wäre die Kirchgemeindeversammlung zuständig.