Schon mehr als 50 Bewerbungen

EISHOCKEY. Der Eishockey-NLB-Club HC Thurgau gibt sich für die Suche nach einem neuen Trainer Zeit bis spätestens nach Ostern. Rolf Schrepfer ist als Einheimischer einer der möglichen Nachfolger für den entmachteten Headcoach Erwin Kostner.

Christian Lohr
Drucken
Teilen
Der Südtiroler Erwin Kostner ist als NLB-Trainer des HC Thurgau nicht mehr erwünscht. Wird er jetzt Ausbildner der Elite-B-Junioren? (Bild: Mario Gaccioli)

Der Südtiroler Erwin Kostner ist als NLB-Trainer des HC Thurgau nicht mehr erwünscht. Wird er jetzt Ausbildner der Elite-B-Junioren? (Bild: Mario Gaccioli)

Nachdem man sich beim Ostschweizer NLB-Club in den vergangenen Monaten in entscheidenden Phasen eher zurückhaltend passiv verhalten hatte, machten die Vereinsverantwortlichen in den letzten Tagen gleich doppelt Nägel mit Köpfen. Zuerst wurde zu Wochenbeginn die zweite Ausländerposition im Kader neben Steve Brulé mit dessen 33jährigem Landsmann Greg Day besetzt. Dann folgte am Dienstag der nächste Paukenschlag, indem man den bisherigen Headcoach Erwin Kostner absetzte.

Kostner zum Nachwuchs?

Von einer Entlassung, die man gegenüber dem Südtiroler ausgesprochen habe, wollte der neue Sportchef des HC Thurgau, Roger Maier, gestern nicht reden. Tatsache sei, dass man sich in einem auf sachlicher Ebene geführten Gespräch nach einer ausführlichen und kritischen sportlichen Bilanz der zurückliegenden NLB-Meisterschaft 2009/10, in welcher der HCT die angestrebte Playoff-Qualifikation verpasste, mit Kostner geeinigt habe, ihn als Cheftrainer per sofort abzulösen.

«Da der Vertrag von Erwin Kostner aber noch eine Saison läuft, kann ich mir durchaus vorstellen, dass wir ihn innerhalb des Vereins, beispielsweise beim Nachwuchs, weiterhin beschäftigen werden», so Maier. Finanzielle Aspekte könnten dabei für eine solche Lösung durchaus von Bedeutung sein, falls man sich nicht auf eine tragbare Abgangsentschädigung einigen kann.

Weiteres Reinemachen

Der bisherige Headcoach sei mit der Kritik und dem auch von der Sponsorenseite gewachsenen Druck auf den Verein durchaus professionell umgegangen, «weil er ja als international erfahrener Spieler und Trainer durchaus weiss, wie dieses Geschäft läuft». Faktum ist und bleibt, dass die – wenn auch nur knapp – verpasste Playoff-Qualifikation dem Südtiroler letztlich zum Verhängnis wurde.

«Auch einige Akteure, deren Verträge nicht weiterlaufen, müssen jetzt als Folge des sportlichen Scheiterns mit ihrem Abgang rechnen», kündigte Maier zusätzliche Massnahmen an.

Die Kostner-Nachfolge möchte man beim HCT in den nächsten zehn Tagen geregelt haben. «Bei mir sind zwischenzeitlich schon Mails mit mehr als 50 Trainerbewerbungen eingegangen», verriet der Sportchef. Die Evaluation müsse jedoch sauber erfolgen.

An einem Spiel der Spekulationen will man sich in der sportlichen Führung des Vereins nicht beteiligen. Nicht abgestritten wurde dabei jedoch, «dass Rolf Schrepfer als Einheimischer mit viel Kompetenz ein sehr wohl interessanter Name ist, der durchaus einen hohen Bonus hat». Konkrete Gespräche mit dem Trainer des Erstligisten SC Weinfelden zu diesem Thema hätten bisher jedoch ausdrücklich noch nicht stattgefunden, wurde der jetzige Stand der Dinge beschrieben.

Allerdings hat Schrepfer inzwischen bereits signalisiert, dass er sich durchaus vorstellen könne, an die Bande des NLB-Clubs zu wechseln.

Roger Maier machte klar, welche Erwartungen er an den neuen Trainer und auch an das künftige Team hat. So ist angedacht, rund um die beiden kanadischen Söldner Brulé und Day und einige weitere erfahrene Spieler jungen Talenten aus heimischen Gefilden Chancen zu geben, sich in der zweithöchsten nationalen Liga zu bewähren. Die Klasse sei jedoch Voraussetzung, um in die Equipe aufgenommen zu werden.

Erklärtes Ziel ist es, in der kommenden Saison wieder attraktiveres Eishockey zu spielen und so neuen Goodwill aufzubauen.