Wenn Herr Brünli keinmal klingelt

Vor einigen Tagen fanden etliche Oberthurgauer eine «wichtige Mitteilung» im Briefkasten. Sie war mehrfach dieselbe: Bei einem Gewinnspiel habe man den 4. Preis im Wert von 1000 Franken gewonnen. Dahinter steckt eine Firma, vor welcher der Konsumentenschutz warnt.

Roger Häni
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Gewonnen! Die Zervartis AG verspricht die Auszahlung vierstelliger Beträge. Bedingung: Man muss frühmorgens in einen Bus steigen… (Bild: Reto Martin)

Gewonnen! Die Zervartis AG verspricht die Auszahlung vierstelliger Beträge. Bedingung: Man muss frühmorgens in einen Bus steigen… (Bild: Reto Martin)

«Eigentlich wollte Sie unser Mitarbeiter Herr Brünli am 20. September besuchen, um Sie mit Ihrem Gewinn zu überraschen. Herr Brünli klingelte an Ihrer Haustür. Bedauerlicherweise waren Sie leider nicht zu Hause. Jetzt informieren wir Sie schriftlich über Ihren Gewinn», heisst es im Schreiben, abgeschickt im aargauischen Mettau und angekommen in so manchem Oberthurgauer Briefkasten. 1000 Franken stünden zur Auszahlung bereit. Doch damit nicht genug, der 22.

November sei ein Tag voller Höhepunkte: In Begleitung von bis zu drei weiteren Personen nach Wahl werde man von einem Luxus-Reisecar abgeholt, zum Mittagessen eingeladen und – nach der Gewinnübergabe – zum Shopping ins Einkaufszentrum Sihlcity gefahren. Ausserdem wird mit der «Sonderverlosung» eines schicken Audi A1 geworben.

Verwaltungsrat weicht aus

Doch womit hat man das alles verdient? Wer nicht am erwähnten «grossen Rätsel-Gewinnspiel» teilgenommen hat, wird schnell stutzig. Ist alles nur Schwindel? «Wie Sie wissen, müssen Gewinnversprechen eingehalten werden, dafür bürgen wir mit unserem guten Schweizer Namen», heisst es im Schreiben. Nach diesem Namen muss man auf den vier A4-Seiten eine Weile suchen. Und gut ist er gemäss «K-Tipp» keinesfalls.

Vielmehr steht die Zervartis AG auf einer im Internet publizierten Liste des Konsumentenmagazins, die vor unseriösen Werbefahrten warnt. Einziger eingetragener Verwaltungsrat der Zervartis AG (ehemals Delta Vital AG) ist der Zürcher Philipp Löw.

Vom Tagblatt auf das Schreiben angesprochen, sagt er am Telefon, dass er «auch nicht ganz informiert» sei.

Auf das Nachhaken, dass es seltsam sei, wenn mehreren Leuten mitgeteilt werde, sie seien die glücklichen Gewinner des 4. Preises, weicht er erneut aus: Er habe den Zettel gerade nicht vor sich…

Halt in Amriswil, Uttwil, Kesswil

Noch ein anderer Firmenname taucht im Gewinnschreiben auf: Suisse Tours. Möglicherweise das Carunternehmen, welches die Gewinner am 22.

November frühmorgens an vier Standorten in Amriswil, Uttwil und Kesswil abholt? Urs Hälg, Reiseleiter von Suisse Tours, fällt aus allen Wolken, als er am Telefon von der Nennung im Brief erfährt. Suisse Tours verfüge über keine eigenen Cars, organisiere Musikreisen und nicht Werbefahrten. «Wir sind eine seriöse Firma», sagt er. Tatsächlich unterscheidet sich das Logo seines Unternehmens von jenem im Gewinnschreiben.

Also zurück zu Philipp Löw: Ob denn nun das Geld am 22. November überreicht werde, wollen wir von ihm wissen. Seines Wissens bestehe die Möglichkeit dazu, äussert sich Löw. Wie war das nochmal mit dem Gewinnversprechen? Was bleibt, ist die Hoffnung, dass eines Tages tatsächlich ein Herr Brünli mit einem Koffer voller Geld vor der Haustür steht…

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