Kriminalität

Zürcher Obergericht verurteilt Sexsalon-Betreiber wegen Nötigung

Er werde sie fertigmachen, wenn sie am nächsten Tag nicht zur Arbeit im Sex-Club erscheine, hatte ein 56-Jähriger zu einer Mitarbeiterin gesagt. Dies sei doch alles andere als eine Drohung mit Gewalt gewesen, machte der Mann vor dem Zürcher Obergericht geltend. Dieses sah es anders und verurteilte ihn wegen versuchter Nötigung.

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Der Sex-Club Betreiber bedrohte eine Mitarbeiterin über Telefon (Symbolbild).

Der Sex-Club Betreiber bedrohte eine Mitarbeiterin über Telefon (Symbolbild).

Keystone

Die Frau arbeitete gelegentlich in einem kleinen Etablissement im Zürcher Unterland, das eine Frau mit ihrem Partner führte. Gemäss eigenen Aussagen hatte sie, die andernorts einem Job als kaufmännische Angestellte nachging, im September 2013 aber genug von der heimlichen Arbeit als Prostituierte.

Sie fürchtete sich aber davor, dies dem Partner der Salonbetreiberin mitzuteilen. Dieser habe ihr zu einem früheren Zeitpunkt gesagt, dass er Probleme mit der Polizei habe und gewalttätig sei. Da griff sie zu einer Ausrede: Sie schrieb dem Mann eine SMS, dass sie anders als vereinbart am nächsten Tag nicht im Club arbeiten könne, da sie krank sei.

Das passte dem 56-jährigen nicht: Er lasse sich nicht verarschen, sagte er ihr in zwei Telefongesprächen. Es seien bereits Kunden auf sie gebucht. Er forderte sie auf, am nächsten Tag zur Arbeit zu erscheinen - andernfalls mache er sie fertig. Denn sie sei an den Falschen geraten, er lasse sich von ihr das Geschäft nicht kaputt machen.

Die folgende Nacht verbrachte die Frau verängstigt bei einer Freundin, am nächsten Tag erstattete sie bei der Polizei Anzeige. Das Bülacher Bezirksgericht verurteilte den Mann im Januar 2016 in erster Instanz wegen versuchter Nötigung zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagen à 30 Franken.

Das Urteil weitergezogen

Der 56-Jährige verstand dies nicht und gelangte ans Obergericht: Seine Bemerkung, er würde die Frau fertigmachen, stehe doch in keinerlei Verbindung zu einer Drohung mit Gewalt, brachte er vor.

Die umstrittene Aussage sei in einer telefonischen Konversation gefallen. Die Frau habe sich demnach gar nicht durch sein direktes, persönliches Auftreten bedroht fühlen können. Er habe im Gespräch doch nur klären wollen, ob sie nun am nächsten Tag arbeite oder nicht. Diesbezüglich sei deren SMS nämlich vage gewesen.

Das Zürcher Obergericht schreibt in seinem nun vorliegenden Urteil indes von einer "dezidierten SMS-Ankündigung einer Abwesenheit infolge Krankheit".

Und die darauffolgenden Bemerkungen des Mannes hätten als Drohung aufgefasst werden können, dass er der Frau gegenüber gewalttätig werden könnte. Dieser habe hartnäckig mehrmals angerufen. Es sei nachvollziehbar, dass die Frau deshalb verängstigt gewesen sei. Es bestätigte deshalb den Schuldspruch des Bezirksgerichts.