Wirtschaft
Zürcher Regierung sieht grosses Potenzial in Life Sciences

Obwohl die Coronakrise auch der Life-Sciences-Industrie zu schaffen machte, setzt die Volkswirtschaftsdirektion grosse Hoffnungen in diese Sparte.

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Die Wirtschaftsleistung der Life Sciences steigt kontinuierlich. Seit der Finanzkrise im Jahr 2009 geht rund ein Zehntel des kantonalen Wirtschaftswachstums auf diese Sparte zurück.

Die Wirtschaftsleistung der Life Sciences steigt kontinuierlich. Seit der Finanzkrise im Jahr 2009 geht rund ein Zehntel des kantonalen Wirtschaftswachstums auf diese Sparte zurück.

Archivbild: Sandra Ardizzone / LTA

(sda) Zürich soll nicht mehr nur für Banken und Versicherungen bekannt sein. Die Volkswirtschaftsdirektion setzt grosse Hoffnungen in Life Sciences, also Medizinal- und Biotechnologien sowie Pharma. In den vergangenen 10 Jahren entstanden in diesem Sektor 5100 neue Stellen.

Das Stellenwachstum sei in eine Zeit gefallen, in der die Zürcher Industrie insgesamt Arbeitsplätze abgebaut habe, sagte Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) am Donnerstag bei der Präsentation einer Studie von BAK Economics zum Life-Sciences-Sektor.

Insgesamt zähle die Branche heute knapp 19'000 Arbeitsplätze. Mehr Arbeitsplätze in Life-Sciences-Branchen als im Kanton Zürich gibt es in der Schweiz nur noch im Kanton Basel.

Zwar trage der Sektor nur etwa 3,6 Prozent zur Zürcher Wirtschaftsleistung bei. Die Wirtschaftsleistung der Life Sciences steige aber kontinuierlich, so Walker Späh weiter. Seit der Finanzkrise im Jahr 2009 gehe rund ein Zehntel des kantonalen Wirtschaftswachstums auf diese Sparte zurück.

Für 2019 beläuft sich die Wirtschaftsleistung der Life Sciences Unternehmen gemäss der Studie auf 5,3 Milliarden Franken.

Pandemie bremst Medizinaltechnik

Die grösste Life Sciences Branche in Zürich ist die Medizinaltechnik mit mehr als 11'200 Arbeitsplätzen und einer Wertschöpfung von 2,3 Milliarden Franken. Für etliche Medtech-Unternehmen bedeutete die Corona-Pandemie jedoch einen Rückschlag.

Weil zahlreiche nicht dringliche Operationen verschoben wurde, sank die Nachfrage nach ihren Produkten. Besser lief es hingegen den Biotechnologie-Unternehmen, wie aus der Studie hervorgeht. Dies liege auch daran, dass viele Firmen in der Forschung und Entwicklung von Therapien und Diagnosen zu Covid-19 tätig sind.

Für die Zukunft der Life Sciences in Zürich gibt sich die Studie optimistisch: Deren Bedeutung für die Zürcher Volkswirtschaft soll weiter wachsen. Die fortschreitende Digitalisierung und die Alterung der Gesellschaft seien zwei Faktoren, die dazu beitragen würden.

Zu den wichtigen Standortfaktoren in Zürich zählen unter anderem die Hochschulen, insbesondere die ETH und die Universität Zürich.

Exporte in die EU gefährdet

Als «dunkle Wolke am Himmel» für die Medtech-Branche bezeichnete Walker Späh die derzeitige Situation mit der EU. Um sicherzustellen, dass Schweizer Unternehmen weiterhin ungehindert in europäische Länder exportieren können, müsse dringend das Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen erneuert werden.

Am 26. Mai treten in der EU diesbezüglich neue Regelungen in Kraft. Eine Aktualisierung des Abkommens zwischen der Schweiz und der EU auf diesen Termin hin gilt jedoch als unrealistisch.

Wie die EU das bisherige Abkommen in Zukunft auslegen und anwenden wird, ist ungewiss. Die Schweiz dürfte damit bis auf Weiteres in diesem Bereich als Drittstaat behandelt werden, was den Unternehmen Nachteile bringt.

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