Zürich

Wie Jugendliche vor der Radikalisierung schützen?

Die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich bietet Jugendlichen, die sich zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hingezogen fühlen oder bereits Tendenzen für eine Radikalisierung aufweisen, ein Interventionsprogramm an, um sie in die westliche Gesellschaft zurückzuführen.

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Für Jugendliche, die noch nach ihrer Identität suchen, kann die Propaganda des IS verlockend wirken. (KEYSTONE/RIA/Andrey Stenin)

Für Jugendliche, die noch nach ihrer Identität suchen, kann die Propaganda des IS verlockend wirken. (KEYSTONE/RIA/Andrey Stenin)

In der Schweiz sind schon verschiedene Jugendliche und junge Erwachsene nach Syrien oder in den Irak aufgebrochen, um sich den Jihadisten anzuschliessen. Über deren Hintergründe und Motive kann spekuliert werden. Fakt ist, dass sich die Jugendanwaltschaft Winterthur an das Zentrum für Kinder- und Jugendforensik der Universitätsklinik Zürich wandte und ihnen vorschlug, ein Interventionsprogramm für gefährdete Jugendliche zu entwickeln.

Das Zentrum der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich hat in Folge das Radikalisierung-Interventionsprogramm (RadIP) auf die Beine gestellt, wie der Tagesanzeiger schrieb. Das Programm sieht voraussichtlich vor, den Jugendlichen die Begeisterung zum Jihadismus zu nehmen und sie zu «prosozialisieren».

Mittels Einzel- und Gruppengesprächen soll den Teilnehmern geholfen werden, wobei sie je nach Einstufung eine unterschiedliche Anzahl an Sitzungen bestreiten. Häufig sind 11 Sitzungen geplant, welche jeweils zwei Stunden dauern.

Programm in Stufen unterteilt

Das Radikalisierungsprogramm wird in drei Stufen kategorisiert, wie der Leitende Psychologe des Zentrums Kinder und Jugendforensik Leonardo Vertone mitteilte.

  1. In die «gelbe» Stufe werden Personen eingeteilt, die zu der ahnungslosen Risikogruppe gehören und mit der Terrormiliz liebäugeln.
  2. In der «orangen» Stufe handelt es sich um Jugendliche, die bereits auf den Geschmack des Radikalisierungsprozesses gekommen sind. Auf dieser Ebene werden nur noch Einzelgespräche durchgeführt, um keine Vernetzung untereinander herzustellen.
  3. Die «rote» Stufe betrifft Jugendliche, welche bereits als radikalisiert und handlungsfähig gesehen werden. RadIp stellt in dieser Gruppe nur eine Grundlage zu einer ergänzenden Massnahme dar, wie beispielsweise einer Familientherapie oder Wiedereingliederung in die Gesellschaft, wo auch Erziehungsheime oder Lehrstellen auf der Agenda stehen. Vor der Behandlung wird ausserdem noch ein psychiatrisches Gutachten erstellt.

Oftmals ist der Vertrauensaufbau schwierig, wenn sich die Jugendlichen noch in laufenden Strafverfahren befinden. Bei strafrechtlich relevanten Äusserungen oder Handlungen sind die Therapeuten verpflichtet, sie weiter an die Jugendanwaltschaft zu leiten.

Es gibt in der Schweiz kein anderes vergleichbares Integrationsprogramm, das zurückgekehrte Jugendliche behandelt und sie in ihrem weiteren Lebensweg unterstützt. Das verdeutlicht der Umstand, dass im RadIP bis anhin nur Teilnehmer der Stufe «rot» behandelt wurden.

Die fehlenden Teilnehmer der beiden anderen Stufen lassen sich durch den Umstand erklären, dass sie auf andere psychologische Stellen ausweichen können. Es stellt sich natürlich auch die Frage, ob solche Jugendlichen überhaupt am Programm interessiert sind und sich freiwillig melden.