Swiss Life Arena
So klimaverträglich soll das neue ZSC-Stadion werden

Die neue Eishockeyarena der ZSC-Lions sei ein Vorzeigeobjekt in Sachen Energieeffizienz, heisst es in einer Mitteilung des Elektrizitätswerks Zürich (EWZ). Doch wie klimaverträglich ist der künstliche Gletscher wirklich?

Matthias Scharrer
Drucken
Teilen
Die Baustelle des ZSC-Eishockeystadions Swiss Life Arena in Zürich, fotografiert am 10. Juni 2021.

Die Baustelle des ZSC-Eishockeystadions Swiss Life Arena in Zürich, fotografiert am 10. Juni 2021.

Severin Bigler

Allmählich kommt Stadionatmosphäre auf zwischen den Bahngleisen und der Autobahneinfahrt nach Zürich-West: Der Rohbau der künftigen Spielstätte der ZSC Lions im Stadtteil Altstetten ist weit gediehen. Ab August 2022 soll hier Eishockey auf höchstem Schweizer Niveau gespielt werden. Für das nötige Eis sorgt die Kälteanlage, die dieser Tage angeliefert wurde. Die Ankunft der bis zu vier Tonnen schweren Kältemaschinen wirft die Frage auf: Wie klimafreundlich wird der künstliche Gletscher, den der «Z» da bauen lässt?

Die Kältemaschine für die Eisproduktion trifft ein. Sie verbraucht künftig 40 Prozent der ans Stadion gelieferten Energie.

Die Kältemaschine für die Eisproduktion trifft ein. Sie verbraucht künftig 40 Prozent der ans Stadion gelieferten Energie.

Bild: zvg

Erfahrungen aus Luzern und Lausanne flossen ein

Fürs Energiekonzept verantwortlich ist das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ). Nebst der Stromproduktion und -versorgung gehören zunehmend auch Energiekonzepte für Bauherren zu seinem Geschäftsfeld. Und was das ZSC-Stadion betrifft, klopft sich EWZ in einer Medienmitteilung kräftig auf die Schulter: «Die Swiss-Life-Arena wird ein Vorzeigeobjekt in Sachen Energieeffizienz», heisst es da. Und: «Dabei haben wir unsere langjährigen Erfahrungen aus der Planung, der Realisierung und dem technischen Betrieb von Arenen wie dem Hallenstadion Zürich, der Swisspor-Arena in Luzern oder der Vaudoise-Arena in Lausanne einfliessen lassen», sagt Christoph Deiss, Leiter Energielösungen bei EWZ.

Doch was bedeutet das konkret? Jedenfalls soll in der neuen 12'000 Zuschauer fassenden Eishockeyarena, die auch ein Trainingsfeld umfasst, keine Energie unnötig verpuffen. Überschüssige Abwärme aus der Kälteproduktion wird in den Energieverbund Altstetten und Höngg eingespeist, wie es in der EWZ-Mitteilung heisst. So trage die Arena dazu bei, dass künftig rund 30'000 Haushalte umweltfreundliche Wärme erhalten. Für die Heizung der Arena selbst, zu der auch Geschäftsräume, eine Sauna, Fitnessräume und ein Gastronomiebereich mit rund 2000 Plätzen zählen, komme die Abwärme ebenfalls zum Einsatz.

Zudem sollen auch umliegende Bürogebäude die umweltfreundliche Kälte aus der Arena erhalten, wie EWZ weiter schreibt. Dies sei angesichts des wachsenden Kältebedarfs als Folge der seit Jahren steigenden Sommertemperaturen eine sinnvolle Lösung.

Zum Energiekonzept der Swiss-Life-Arena zählt ausserdem eine Solaranlage auf dem Hauptdach des Gebäudekomplexes. Sie liefert einen Teil des Stroms, den die Arena verbraucht. Die darüber hinaus benötigte Energie stammt gemäss EWZ-Angaben aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Wasser. Die Swiss-Life-Arena erreiche, auch dank ihrer ausgeklügelten Gebäudetechnik, den Minergie-Standard für Eisstadien. Ihr Betrieb werde CO2-neutral.

Weniger Grünflächen, mehr versiegelter Boden

So weit, so klimafreundlich. Ob das ZSC-Stadion mehr Energie verbrauchen wird als es liefert oder umgekehrt, werde erst der Betrieb zeigen, sagte ein EWZ-Sprecher am Donnerstag auf Anfrage. Jedenfalls seien 40 Prozent der gelieferten Energie für die Eisproduktion nötig.

Ein ökologischer Wermutstropfen bleibt ohnehin: Der Swiss-Life-Arena mussten zahlreiche Schrebergärten weichen. Zwar sicherte die Stadt Zürich den Schrebergärtnern Ersatz im Dunkelhölzli an der Grenze zu Schlieren zu. Allerdings befinden sich diese teils schon nutzbaren, teils noch geplanten Gärten in einem Gebiet, das schon zuvor Grünfläche war, wie ein Sprecher von Grün Stadt Zürich auf Anfrage sagte. Damit verknappt sich durch den Bau der ZSC-Arena im zunehmend bodenversiegelten Zürich-West das Angebot an Grünflächen, die für das Stadtklima wichtig wären. Doch das Stadtzürcher Stimmvolk hiess das grösstenteils privat finanzierte Stadionprojekt 2016 mit 57 Prozent Ja-Stimmen gut. Die Argumente für den Spitzen- und Breitensport überwogen.

Aktuelle Nachrichten