Daniel Koch

Pöbelnde Coronaskeptiker: Christoph Schneider würde Event trotzdem nochmals durchführen

Der Uitiker Christoph Schneider organisierte den Anlass, an dem Coronaskeptiker Daniel Koch anpöbelten.

Lydia Lippuner
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Am Grossmünster wurde Daniel Koch von Coronaskeptikern angepöbelt.

Am Grossmünster wurde Daniel Koch von Coronaskeptikern angepöbelt.

KEYSTONE

Coronaskeptiker bedrängen Daniel Koch: Die Fragerunde am Ende einer vom Freundeskreis Grossmünster organisierten Veranstaltung nahm am Montagabend im Zürcher Grossmünster ein abruptes Ende. Trotzdem würde der Organisator des Anlasses, der Uitiker Christoph Schneider, den ehemaligen Leiter übertragbare Krankheiten des Bundesamts für Gesundheit (BAG) jederzeit wieder einladen, wie er auf Anfrage sagt.

Im Rahmen eines kurzen Austauschs nach dem Gespräch wurde Koch von Coronaskeptikern unter anderem zu seiner Haltung bezüglich Verwendung von Hygienemasken befragt, die er während seiner Zeit beim BAG abgelehnt hatte, nun aber befürwortet und selbst in der Öffentlichkeit trägt. Im Hintergrund sind wiederholt laute Zwischenrufe zu hören. Koch verweist in dem kurzen Gespräch auf die Gefahr einer zweiten Welle und die Situation in Ländern wie etwa in Südamerika. Immer wieder wird er unterbrochen, bevor er mit den Worten «jetz längts» unter Beschimpfungen und Drohungen eines Mannes im Hintergrund den Raum verlässt. Dokumentiert ist der Vorfall auf einem Instagram-TV-Video der Aktivistin Melanie Kolic.

Christoph Schneider, der das Gespräch über Gott und die Welt mit Pfarrer Christoph Sigrist und Daniel Koch organisiert hatte, hat die Situation nicht beunruhigt. «Es lief programmgemäss bis zum Ende», sagt der Leiter des Freundeskreises Grossmünster. Dass Coronaskeptiker aufkreuzen würden, sei ihm bereits im Vorfeld mitgeteilt worden. Doch diese hätten sich mit ihren Parolen einigermassen zurückgehalten, bis das Gespräch beendet war. «Die Geschichte wurde im Nachhinein völlig überzeichnet. Von einem Abbruch der Veranstaltung kann nicht die Rede sein», sagt Schneider. Es sei ein durchaus gelungener Anlass mit gegen 200 Leuten gewesen. «Ich würde das Ganze nochmals so durchführen», sagt er.

Das Ziel der Gesprächsreihe seien nicht Diskussionen, sondern Podiumsgespräche, die die Leute wieder in die Kirche ziehen sollen. Dabei gehe es eigentlich nicht um den Beruf der geladenen Person, sondern um Gott und die Welt. Wegen der Ankündigung im Vorfeld habe der Pfarrer diesmal im Anschluss eine kurze Diskussionsrunde zugestanden. Anfangs ging Koch auf die Vorwürfe der Skeptiker ein, doch in den Videos sieht man, wie die Diskussion rasch unsachlich wird. «Als es zu Beschuldigungen kam, hatte Herr Koch keine Lust mehr zu antworten», sagt Schneider. Folglich habe er mit Koch in der Sakristei seine Sachen geholt. Dann hätten sie die Kirche gemeinsam verlassen. Von einem Verschwinden «durch den Hintereingang», wie es manche Boulevardmedien beschrieben, könne also nicht die Rede sein.
Die nächste Gesprächsrunde im Grossmünster wird im März stattfinden. Schneider freut sich erneut auf einen prominenten Gast. «Ich möchte den Namen noch nicht verraten, doch ich bin mir sicher, dass es ebenfalls ein spannender und schöner Abend wird.»

Christoph Schneider leitet den Freundeskreis Grossmünster.

Christoph Schneider leitet den Freundeskreis Grossmünster.

Bild: Fabio Baranzini