Neue Wohnungen ersetzen meist alte Wohnbauten

Die Bevölkerung in der Stadt Zürich hat in den letzten zehn Jahren markant zugenommen, obwohl nicht mehr viele freie Fläche zum Bebauen übrig ist. Wenig verwunderlich entstehen Neubauten in der Stadt vor allem als Ersatz alter Wohnbauten.

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Die Europaallee am Zürcher Hauptbahnhof.

Die Europaallee am Zürcher Hauptbahnhof.

Keystone

Zahlreiche Ersatzneubauten haben in den letzten zehn Jahren dazu geführt, dass die Bevölkerung in der Stadt Zürich stark angestiegen ist. Über drei Viertel der seit 2010 neu erstellten Wohnungen entstanden an Orten, wo zuvor ältere Gebäude abgebrochen wurden. Die Wohnfläche wurde verdoppelt.

Bei zwei Dritteln aller Ersatzneubauprojekte in den Jahren 2004 bis 2015 handelte es sich um Wohnersatz: Ältere Wohnbauten wurden abgebrochen und durch neue Wohngebäude ersetzt. Der Ersatz einzelner Wohngebäude auf unternutzten Parzellen verbreitete sich in allen Quartieren, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie von Statistik Stadt Zürich hervorgeht.

Seit 2010 wurden vermehrt ganze Siedlungen ersetzt - vor allem durch Genossenschaften. In den letzten Jahren hätten aber auch private Eigentümerinnen und Eigentümer vermehrt damit begonnen, ganze Siedlungen zu ersetzen, schreibt Statistik Stadt Zürich.

Die Wohnungen sind nach einem Ersatzneubau markant grösser als zuvor. Die Zahl der Wohnungen im Durchschnitt aller Wohnersatzprojekte erhöhte sich in den letzten zehn Jahren um 36 Prozent, die Wohnfläche verdoppelte sich. Die pro Person beanspruchte Wohnfläche erhöhte sich leicht von 37,6 auf 39,8 Quadratmeter pro.

Die privaten Ersatzneubauten sind gemäss Studie weniger flächeneffizient als gemeinnützige, vor allem wenn die Ersatzbauten als Stockwerkeigentum ausgelegt sind. In den letzten fünf Jahren zeichnet sich auch bei privaten Bauträgern eine Abkehr vom Trend zu immer grosszügigeren Wohnungsgrundrissen ab. Seit 2010 sind Wohnungsgrössen und Quadratmeter pro Person bei Ersatzneubauten privater Bauträger kleiner als zuvor.

Wohnungen auf Industriearealen

Vor allem in Neu-Oerlikon und im Escher-Wyss-Quartier haben sich einst bedeutende Industrieareale zu neuen Wohnquartieren entwickelt. In diesen sowie weiteren Entwicklungsgebieten haben laut Studie zumeist private Investierende in den letzten zehn Jahren Platz für 11'000 Personen geschaffen.

Nicht alle Industrieareale wurden aber zu reinen Wohnquartieren. An gut erreichbaren Lagen seien auch grosse Wirtschaftsbauten entstanden, zum Beispiel das Einkaufszentrum Sihlcity, der Primetower im Maag-Areal und das gemischte Geschäftsviertel Europaallee.

Gegenwärtig sind noch Tausende von Wohnungen in Planung oder bereits in Realisierung, von der Manegg im Süden über das Zollfreilager im Westen bis nach Leutschenbach im Norden der Stadt. Mittelfristig gehe das Reservoir der Umnutzungsareale allerdings zur Neige, heisst es in der Studie.

Im letzten Jahr sind 1041 Wohnungen abgebrochen worden, so viele wie noch nie in einem Jahr. In diesen Wohnungen hatten vor drei Jahren noch rund 2300 Personen gewohnt. Nach Fertigstellung der Ersatzneubauten werden auf den betreffenden Parzellen voraussichtlich fast 4100 Personen wohnen.