Lotteriefonds
Kultur auf dem Abbaupfad: Zürich und Winterthur erhalten weniger Geld

Kantonsregierung macht für Zürich und Winterthur weniger Geld locker.

Matthias Scharrer
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Das Kunsthaus Zürich (im Bild die Ausstellung «Sinnliche Ungewissheit») würde 3,1 Lotto-Millionen in die Erneuerung der Sicherheitsanlagen stecken.

Das Kunsthaus Zürich (im Bild die Ausstellung «Sinnliche Ungewissheit») würde 3,1 Lotto-Millionen in die Erneuerung der Sicherheitsanlagen stecken.

Keystone

Bei der kantonalen Kulturförderung ist das Opernhaus Zürich mit jährlich 80 Millionen Franken noch immer der grösste Posten – obschon der Kanton Zürich auch hier bereits Abstriche gemacht hat. Daneben erhalten die Städte Zürich und Winterthur jährlich zweistellige Millionenbeträge als Kulturlastenausgleich. Einzelne Projekte fördert der Kanton zudem durch Beiträge aus dem Lotteriefonds: Die Ausgaben für Kultur aus diesem Topf belaufen sich laut Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) gegenwärtig auf 23 Millionen Franken.

Noch ist der Lotteriefonds mit 300 Millionen Franken prall gefüllt. Doch etwa ein Drittel der Summe ist bereits vergeben, und geplant ist eine Reduktion auf rund 100 Millionen. «Wir sind auf dem Abbaupfad», sagt Stocker.

Das betrifft nun auch die grossen Kulturhäuser in Zürich und Winterthur: Sie sollen für spezielle Projekte in der laufenden Legislatur bis 2019 insgesamt 15 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds erhalten, wie der Regierungsrat gestern bekannt gab: 7,5 Millionen gibts für Zürich, 7,5 Millionen für Winterthur, falls der Kantonsrat zustimmt. Der letzte vergleichbare Beitrag hatte sich im Jahr 2014 noch auf insgesamt 20 Millionen Franken belaufen.

Kunsthaus kriegt am meisten

In Zürich verteilen sich die 7,5 Millionen auf das Kunsthaus (5 Millionen) und das Schauspielhaus (2,5 Millionen). Beim Kunsthaus Zürich wird das Geld grösstenteils nicht für künstlerische, sondern für technische Projekte eingeplant: So sind 3,1 Millionen Franken für die Erweiterung und Erneuerung der Sicherheitsanlagen vorgesehen. «Die bestehenden Systeme sind am Ende ihrer Lebenszyklen angelangt», heisst es im regierungsrätlichen Antrag an den Kantonsrat. Auch die «unzeitgemässe und unflexible» Informatik des Kunsthauses soll mit dem Lotto-Geld modernisiert werden.

Die Kunst im Kunsthaus soll bei der Vergabe der Lotteriefondsgelder bis 2019 ebenfalls nicht völlig leer ausgehen: 430 000 Franken sind für eine Bühne in der geplanten Ausstellung über neapolitanische Volkskunst vorgesehen. «Dort werden Darbietungen unter Einbezug des Publikums stattfinden», schreibt die Regierung. Die Zürcher Kunstgesellschaft verlasse mit dem Projekt den Kanon der «Hochkultur» und widme sich einem Thema der «Volkskultur».
Zweitgrösster Stadtzürcher Geldempfänger im Rahmen des beantragten Kredits wäre das Schauspielhaus: Hier sind 2,5 Millionen eingeplant; zum einen für internationale Gastspielreihen, zum anderen für Investitionen in die Technik. Bei den Gastspielreihen werde die Zürcher freie Theaterszene 3 der 13 geplanten Vorstellungen bestreiten, heisst es im Schreiben der Regierung.

Die Tonhalle wird im aktuellen Antrag nicht berücksichtigt. Der Grund: Für ihre zusammen mit dem Kongresshaus geplante Sanierung hat der Regierungsrat bereits Ende 2016 einen Beitrag von 20 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds beantragt.

Jugendroman als Oper

In Winterthur werden das Theater Winterthur mit 2,8, der Kunstverein Winterthur mit 2,5 und das Musikkollegium Winterthur mit 2,2 Millionen bedacht.
Das Theater Winterthur würde den Grossteil des 2,8-Millionen-Beitrags in die Infrastruktur und Technik investieren. Daneben ist eine Opernproduktion für Jugendliche und Familien eingeplant. So soll nach dem Erfolg der Familienoper «Reise nach Tripiti» ein Jugendroman vertont und als Oper im Theater Winterthur uraufgeführt werden.

Ein spezielles Projekt peilt auch das Musikkollegium Winterthur mithilfe des Lotteriefonds-Beitrags an: Die Rede ist von einem weltweit ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb. Bis zu zehn der erwarteten Kompositionen spielt das Orchester ein. Die Aufnahmen werden ins Internet gestellt und von der Webcommunity zusammen mit einer Fachjury bewertet. Den Abschluss des Projekts bildet ein Preisträgerkonzert im Stadthaus Winterthur.
Der Kunstverein Winterthur würde mit den 2,5 Lotto-Millionen vorwiegend die Beleuchtung im Museum Reinhard erneuern und in die Qualität der Sammlung investieren.

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