Gerichtsurteil
Pädophiler darf nicht aus seinem eigenen Wohnort verbannt werden

Das Zürcher Obergericht erlaubt es einem österreichischen Kinderschänder, am gleichen Ort wie sein Opfer zu leben.

Drucken
Teilen
Der Beschuldigte hatte ein Mädchen über einen Zeitraum von mehreren Jahren mehrfach missbraucht. (Symbolbild)

Der Beschuldigte hatte ein Mädchen über einen Zeitraum von mehreren Jahren mehrfach missbraucht. (Symbolbild)

Keystone
/Christof Schürpf

Das Zürcher Obergericht hat ein Kontakt- und Rayonverbot gegen einen 50-jährigen Mann erlassen, der wegen sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt wurde. Das Verbot gilt jedoch nicht wie vom Opfer gefordert für die ganze Gemeinde, in der sie beide leben. Der Mann darf nicht mit einem Rayonverbot aus seinem eigenen Wohnort weggewiesen werden.

Der 50-jährige Österreicher, der schon lange in der Schweiz lebt, wurde 2019 vom Bezirksgericht Winterthur wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern schuldig gesprochen. Er ­erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

Mit der Familie des Opfers befreundet

Er hatte ein Mädchen, zu dessen Familie er eine freundschaftliche Beziehung pflegte, über einen Zeitraum von mehreren Jahren mehrfach missbraucht. Er griff ihm unter die Kleider, berührte es im Intim­bereich und soll es mindestens einmal oral missbraucht haben. In dem Urteil des Obergerichts, das kürzlich publiziert wurde, ging es noch um die Frage eines Kontakt- und Rayonverbots. Schuldspruch und Strafmass hatte der Verurteilte akzeptiert.

Der Beschuldigte, die Staatsanwaltschaft und die Anwältin des Opfers einigten sich darauf, für das Verfahren vor Obergericht weitgehend identische ­Anträge einzureichen. Konkret einigten sie sich auf ein fünf ­Jahre dauerndes Kontakt- sowie ein Rayonverbot für bestimmte Gebiete im gemeinsamen Wohnort. Die Anwältin des Opfers stellte dann aber trotzdem darüber hinaus noch den Antrag, dem Täter ein Rayonverbot für das gesamte Gebiet der Zürcher Gemeinde zu erteilen, nicht nur für einzelne Quartiere. Nur so werde sichergestellt, dass das Opfer nicht in der ständigen Angst leben müsse, dem Mann zu begegnen.

Der Verurteilte wehrte sich gegen diese Forderung. Er ­wohne und arbeite in dieser ­Gemeinde und habe sein ­soziales Umfeld dort. Die ­Gemeinde sei seit Jahrzehnten sein Lebensmittelpunkt. Eine Ausgrenzung wäre seiner ­Ansicht nach nicht verhältnismässig.

Kein Zutritt zum Campingplatz

Das Obergericht fand eine solche Massnahme ebenfalls nicht verhältnismässig. Stattdessen verhängte das Gericht nun ein fünf Jahre dauerndes Kontaktverbot sowie ein auf bestimmte Bereiche der Wohngemeinde beschränktes Rayonverbot.

Auch auf dem Campingplatz Flaach, wo die Familie des Opfers regelmässig ist, darf sich der Täter nicht mehr aufhalten. (sda)

Aktuelle Nachrichten