Zürich
Ein Blick zurück: So wurde die Rote Fabrik zum Kulturzentrum

Mit monatlichen Führungen feiert die Rote Fabrik in Zürich dieses Jahr ihr 40-jähriges Bestehen als Kulturzentrum. Diese Geschichte steckt dahinter.

Matthias Scharrer
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Nach 40 Jahren herrscht in der Roten Fabrik ein etablierter Betrieb.

Nach 40 Jahren herrscht in der Roten Fabrik ein etablierter Betrieb.

Matthias Scharrer

Die Rote Fabrik verweist mit monatlichen Führungen auf 1980 als Anfangsjahr. Die Wurzeln des Kulturbetriebs liegen jedoch weiter zurück: Auf eine Initiative der SP des Stadtkreises 2 hin stimmte das Stadtzürcher Stimmvolk 1977 dem Erhalt des ehemaligen Fabrikgebäudes und seiner Umwandlung in ein Freizeit- und Kulturzentrum zu.

Die Stadt hatte die Fabrik am Wollishofer Seeufer 1972 der Standard Telefon und Radio AG abgekauft, um sie abzubrechen und die Seestrasse zu erweitern. Als Gegenvorschlag zur SP-Initiative schlug der Gemeinderat vor, dass das Gebäude zu erhalten sei und der Stadtrat für seine künftige Nutzung für Freizeit-, Kultur- und Bildungsaktivitäten eine Vorlage zu erarbeiten habe.

Dem stimmte das Volk deutlich zu. Der Stadtrat liess sich mit der Umsetzung allerdings Zeit. Die verlangte Vorlage blieb jahrelang aus. Stattdessen vermietete die Stadt Teile der Fabrik als Lager und Proberaum ans Opernhaus und ans Neumarkt-Theater.

Protestfest in der Roten Fabrik

Dagegen regte sich im Frühling 1980 zunehmend Widerstand. Anlass war die anstehende Abstimmung über einen 60-Millionen-Kredit zur Erneuerung des Opernhauses. Am 17. Mai 1980 kam es zu einem «Protestfest in der Roten Fabrik». Dabei wurde die Idee für eine Demonstration vor dem Opernhaus am 30. Mai 1980 lanciert. Treibenden Kräfte waren die Gruppe «Rock als Revolte», die sich nach der Schliessung mehrerer Konzertlokale gebildet hatte, und die mit ihr verknüpfte Arbeitsgruppe Rote Fabrik.

Zunächst demonstrierten an jenem 30. Mai rund 200 als «Kulturleichen» verkleidete Jugendliche vor dem Opernhaus. Die Polizei reagierte mit einem massiven Aufgebot. Davon bekamen Besucher des Bob-Marley-Konzerts im Hallenstadion Wind, nachdem das Konzert beendet war. Viele schlossen sich den Demonstranten an. Die Demo ging als «Opernhauskrawall» in die Geschichte ein – und als Beginn der 80er-Bewegung.

Deren Hauptforderungen waren die Rote Fabrik sowie die Umnutzung eines Gebäudes beim heutigen Carparkplatz hinter dem Hauptbahnhof als Alternatives Jugendzentrum (AJZ). Während das AJZ nach Drogenproblemen bald wieder geschlossen und abgebrochen wurde, konnte sich die Rote Fabrik behaupten.

1987 bejahte das Stimmvolk die stadträtliche Vorlage für ihren definitiven Betrieb. Heute reicht ihr Angebot von Konzerten über Film, Theater, Ateliers, Podien wie aktuell den Winterkongress der Digitalen Gesellschaft bis hin zur Veloflick-Werkstatt, zum Kindergarten und zum Restaurant Ziegel oh Lac.

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