Ostern 2011

Dem Schoggihasen auf der Spur

Milena (9) und Loli (9) wollen das Geheimnis des Schoggihasen lüften - und klopfen bei Lindt in Kilchberg ZH an. Ein Besuch in der Schoggifabrik zeigt, woher der Osterhase wirklich kommt.

Gregor Waser
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Woher kommt der Osterhase wirklich?

Woher kommt der Osterhase wirklich?

Schweiz am Sonntag

Woher kommt eigentlich der Schoggihase? Hoppelt er übers Feld und versteckt sich hinter den Büschen, bis ihn die Kinder finden? Oder wartet er das ganze Jahr im Coop, bis man ihn kauft? Die beiden Mädchen Milena (9) und Loli (9) wollen es genauer wissen und klopfen bei der Schoggifabrik Lindt in Kilchberg an. «In der Regel lassen wir aus Hygienegründen keine Besucher in unsere Fabrik» antwortet zunächst Lindt-Sprecherin Sylvia Kälin, «doch für euch machen wir eine Ausnahme, schliesslich wollt ihr ja der Zeitung erzählen, wie ein Schoggihase entsteht.»

Produktionsleiter Guido Frei empfängt die Mädchen. Zunächst müssen die langen blonden Haare unter einem Haarnetzli versteckt werden, einen weissen Schutzmantel müssen sie anziehen, zudem die Hände intensiv waschen. Er erzählt wie die Kakaobohnen in Afrika, etwa Ghana oder Nigeria, gepflückt werden, per Schiff und Bahn in die Schweiz transportiert werden. Dann öffnet Herr Frei das Tor zum so genannten Reibsaal. «Mmh, Schoggi...», ruft Loli.

Kakaobohnen aus Afrika

Denn hier wird die Kakaomasse mit den anderen Zutaten gemischt, dann fein gewalzt und zuletzt zu Schokolade conchiert - was bereits den typischen Schoggigeruch hervorruft. Die Schoggi wird gemäss dem Geheimverfahren von Chocolatier Rodolphe Lindt aus dem Jahre 1879 lange gerührt, damit sich die Bitterstoffe verflüchtigen und der typische zarte Lindt-Schmelz entsteht.

Später kommen die feinen Zutaten wie Haselnüsse oder caramelisierte Mandeln hinzu. Der Schoggichef lässt die Mädchen aus vier Bechern, die mit «Mischen», «Vorwalzen», «Feinwalzen» und «Conchieren» bezeichnet sind, probieren - vier Augen leuchten. Milena hält fest: «Das Pulver fühlt sich ganz trocken an... und jetzt bildet sich Schoggi auf der Zunge.»

Jetzt gehts vorbei an Giess- und Abfüllanlagen und an langen Rollbändern, wo Hunderte Pralinés und ganze Tafeln zur Verpackungsabteilung transportiert werden. Milena und Loli schnappen sich je eine Lindor-Kugel, lassen sie im Mund zergehen. Und im Produktionslabor wartet der Maître Chocolatier, Stefan Bruderer. Er ist der Meister der Schoggihasen und trägt einen grossen weissen Hut. Auch die Mädchen kriegen einen solchen, bevor sie ihm über die Schulter schauen, wie er im Kessel die Schokolademasse rührt.

Er drückt den beiden zwei halbierte Hasenformen in die Hände, die sie nun mit einem Pinsel bestreichen müssen. Dann wird die Schokolade in die Form gegossen, vorsichtig gedreht und gewendet, bis sie sich gleichmässig verteilt und der Hohlraum bestehen bleibt. Anschliessend wird die gefüllte Hasenform für vierzig Minuten gekühlt, und fertig ist der Schoggihase. Für beide ist klar: «Hier wollen wir arbeiten, in zehn Jahren sehen sie uns hier wieder!» Maître Chocolatier - ein Traumberuf.