Geroldswil/Schlieren

Vom Oberstadt-Beck ausgebildet, verkauft sie ihre Backmischungen nun im ganzen Land

Die Schlieremerin Helen Laucke stellt in ihrer «Foodlodge» in Geroldswil Backmischungen her. Das hilft ihr, Job und Muttersein in Einklang zu bringen.

Sibylle Egloff
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Die Schlieremerin Helen Laucke stellt im Gewerbecampus Geroldswil 16 verschiedene Produkte her. Angefangen hat alles 2014 mit einem Brownie-Mix, den sie mit ihren Kindern entwarf.

Die Schlieremerin Helen Laucke stellt im Gewerbecampus Geroldswil 16 verschiedene Produkte her. Angefangen hat alles 2014 mit einem Brownie-Mix, den sie mit ihren Kindern entwarf.

Limmattaler Zeitung

Weiss, braun, hellbraun, schwarz und beige. Die verschiedenfarbigen Schichten in den Einmachgläsern geben ein schönes Bild ab. Helen Laucke vollendet die Kompositionen mit einer Ladung kunterbunter Schoggilinsen. Die 40-Jährige steht in der Produktionsstätte ihrer Firma Foodlodge. Im 50 Quadratmeter grossen Raum im ersten Stock des Geroldswiler Gewerbecampus stellt sie seit drei Jahren Back- und Risottomischungen sowie Kuchen im Glas und diverse Trinkschokoladen her.

«Meine Kunden müssen nur noch 200 Gramm flüssige Butter und drei Eier hinzugeben, um die Guetzli selber zu backen», sagt Laucke und zeigt auf das Einmachglas, in dem sich eine Brownie-Backmischung befindet. Mit dieser begann alles vor fast sieben Jahren. «Ich habe mit meinen Kindern diesen Brownie-Mix zusammengestellt und ihn zu Weihnachten an Freunde und Familie verschenkt», erzählt die Schlieremerin. Die Backmischung sei so gut angekommen, dass alle nach dem Rezept gefragt hätten. «Da kam mir die Idee, dass ich daraus ein Geschäft machen könnte.» Die gelernte Konditorin suchte schon eine Weile nach einer Tätigkeit, die sie mit ihrer Mutterrolle vereinbaren kann.

Sie träumte davon, Unternehmerin zu sein

«Mit drei kleinen Kindern als Konditorin angestellt zu sein, ist beinahe unmöglich. Man arbeitet nachts und müsste sich tagsüber um die Kleinen kümmern. Das geht auf Dauer nicht», sagt Laucke. «Ich träumte davon, Unternehmerin zu sein und als Selbstständige die Liebe zum Backen und Kochen mit meinem Privatleben unter einen Hut zu bringen.» Torten her­zustellen kam für sie als Geschäfts-Idee jedoch nicht infrage. «Es ist ein heikles Produkt. Man ist an Zeit und Ort gebunden und arbeitet vornehmlich am Wochenende.»

Der Erfolg ihrer Brownie-­Backmischung kam Laucke daher sehr gelegen. «Ich tüftelte an weiteren Rezepten und begann, meine Produkte am Herbstmarkt in Schlieren und an Koffermärkten in der ganzen Schweiz anzubieten.» Wenn sie an einem Tag 10 bis 20 Stück verkauft habe, sei sie stolz gewesen. Bald folgte die erste Gross-­Bestellung von 200 Gläsern. «Die Küche zuhause reichte nicht mehr. Mein Mann opferte seine Werkstatt im Keller für mich und richtete mir auf sieben Quadratmetern eine professionelle Küche ein.»

2015 folgte der nächste Erfolgsmoment: Der Lebensmittelhändler Lidl entschied sich dafür, zwei von Lauckes Backmischungen unter der Aktion «Klein aber fein» temporär ins Sortiment in der ganzen Schweiz aufzunehmen. Aktuell ist die Schlieremerin wieder mit zwei Backmischungen in den Lidl-­Regalen vertreten – bereits zum sechsten Mal. «Durch die Aktion sind viele Privatkunden, aber auch Firmen auf mich aufmerksam geworden.» Denn Lauckes Erzeugnisse eignen sich auch gut als Geschenk. «Unternehmen geben meine Kuchen und Mischungen unter anderem an Firmenevents oder Geschäftsjubiläen an ihre Mitarbeitenden oder Kunden ab. Manchmal werden auch Back-
Mixe verlangt, welche die Farben der Firma aufnehmen.»

Kunden können ab einer Bestellung von 25 Stück die Produkte zudem mit einer Etikette mit dem Firmenlogo versehen lassen. Möglich sind auch personalisierte Backmischungen, die Lebensmittelunverträglichkeiten wie etwa Zöliakie berücksichtigen.

«Voraussetzung ist aber, dass das Produkt immer noch gut schmeckt», betont Laucke. Sie habe hohe Ansprüche an Geschmack und Qualität und lege viel Wert auf regionale Zutaten. «Das habe ich während meiner Zeit als Konditorin gelernt.»

Die Backmischungen von Laucke werden derweil auch im Lidl schweizweit verkauft. Bild: Sandra Ardizzone

Die Backmischungen von Laucke werden derweil auch im Lidl schweizweit verkauft. Bild: Sandra Ardizzone

Limmattaler Zeitung

Ihre Ausbildung absolvierte die Unternehmerin in der Oberstadt-Bäckerei in Dietikon. Danach arbeitete sie im Fünfsternehotel Baur au Lac in Zürich. Zu Lauckes Stationen gehörten aber auch die Produktionsstätte der Confiserie Sprüngli in Dietikon und die Confiserie Himmel in Baden. Vor der Mutterschaftspause war sie zudem als Chef Patissier für den Verpflegungsdienstleister von Google Schweiz tätig.

Der Chromstahl-Tisch in Lauckes «Foodlodge» rüttelt. Die oberste Schicht in den Einmachgläsern verdichtet sich. «Früher habe ich das alles von Hand mit einem Stössel und einer Chromstahlscheibe gemacht», erzählt die Geschäftsinhaberin. Seit zwei Jahren setzt sie aber auf diesen Tisch mit eingebauten Umwuchtmotoren, den sie von einem Metallbauer konzipieren liess. «Wenn ich viele Bestellungen habe, wackeln schon mal 200 Einmachgläser zeitgleich auf dem Tisch», sagt Laucke und lacht. Das Verdichten ist wichtig für die Optik. «So kann ich garantieren, dass die Schichten sich nicht vermischen, auch wenn sie beim Transport hin und her geschüttelt werden.»

Dank Pflegepferd kam sie zu Unterstützung

Mit den Bestellungen von Grosskunden wurde die Kellerküche im Eigenheim in Schlieren bald zu klein. 2017 zog Laucke deshalb in den Gewerbecampus nach Geroldswil. Unterstützt wird sie seit dem Einzug immer wieder von ihrer Kollegin Katrin Anliker aus Zürich. Die Frauen verbindet die Leidenschaft zur Kulinarik. Anliker führt einen Foodblog. Kennengelernt haben sich die beiden aber beim Reiten – der anderen Passion, die sie teilen. «Wir haben beide ein Pflegepferd in einer Pension in Birmensdorf. Wir waren oft zur selben Zeit auf dem Hof und sind gemeinsam ausgeritten. Dabei hatten wir viel Zeit zum Reden», sagt Katrin Anliker und die beiden Frauen beginnen zu lachen. So erfuhr die Marketing- und Kommunikationsexpertin von «Foodlodge». «Als ich ihr von meinem vollen Terminkalender erzählte, bot Katrin mir ihre Hilfe an», erzählt Laucke. Während der Coronazeit kümmerte sich Anliker um den Internetauftritt. Neue Bilder und ein Image-Film entstanden. «Wir mussten uns in der ruhigen Phase ja nützlich machen», sagt Laucke. Die Unternehmerin bekam die Pandemie nämlich stark zu spüren. «Es gab einen deutlichen Rückgang bei den Online-Bestellungen. Erst jetzt mit der Aktion im Lidl zieht es wieder etwas an.»

Hilfe in der Backstube und im Büro Katrin Anliker aus Zürich unterstützt Helen Laucke seit 2017 beim Abfüllen, aber auch bei Marketing- und Kommunikations-Angelegenheiten. In der Coronazeit verbesserte sie den Internetauftritt der «Foodlodge». 

Hilfe in der Backstube und im Büro Katrin Anliker aus Zürich unterstützt Helen Laucke seit 2017 beim Abfüllen, aber auch bei Marketing- und Kommunikations-Angelegenheiten. In der Coronazeit verbesserte sie den Internetauftritt der «Foodlodge». 

Sandra Ardizzone

Und auch Grossfirmen und Unternehmen seien zurückhaltender, was Aufträge anbelange. «Die Unsicherheit ist spürbar, viele warten mit Bestellungen, was verständlich ist. Mitarbeiter- und Kundengeschenke sind wohl das erste, das aus dem Budget gestrichen wird, wenn man sparen muss», sagt Laucke. Doch sie ist positiv gestimmt. Vor allem auch, weil ihre Kollegin Katrin Anliker sie künftig in Marketing- und Kommunikations-Angelegenheiten noch stärker unterstützen wird.

Das braucht Laucke auch. Sie hat nämlich bereits einige neue Produkte in der Pipeline. Im Herbst will sie eine neue Trinkschokolade mit Tonka-­Bohnen-Geschmack auf den Markt bringen. Und auch drei bis vier Brotbackmischungen hat die Unternehmerin in der Coronazeit entwickelt. «Dazu gehören zum Beispiel ein Maisbrot, ein Dinkelmehl-Baumnuss-Kernen-Brot und ein Baguette mit getrockneten Blüten», verrät Laucke.

Die Ideen für neue Rezepte werden ihr wohl nie ausgehen, ist sich die Schlieremerin sicher. Gut also, dass die «Foodlodge» den Erfindergeist Lauckes immer wieder von neuem animiert. «Ich kann mich kreativ ausleben und das tun, was mir Freude bereitet. Gleichzeitig ­ermöglicht mir die Selbstständigkeit die nötige Flexibilität, die ich als dreifache Mutter benötige.»