Universitätsspital Zürich: «Wir haben noch zwei freie Betten auf der Covid-Intensivstation»

Die Intensivstation des Zürcher Unispitals ist durch Corona stark ausgelastet – nicht nur mit Zürcher Patienten, wie der Spitalchef betont.

Matthias Scharrer
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Die zweite Welle der Corona-Pandemie in der Schweiz ist für das Universitätsspital Zürich eine Heraus-, aber noch keine Überforderung. (Symbolbild)

Die zweite Welle der Corona-Pandemie in der Schweiz ist für das Universitätsspital Zürich eine Heraus-, aber noch keine Überforderung. (Symbolbild)

Keystone/Alexandra Wey

Die Intensivstation des Universitätsspitals Zürich (USZ) ist ein Brennpunkt der Coronakrise. Hier geht es um Leben und Tod. Und hier müssen 34 Prozent der auf Intensivbehandlung angewiesenen Patienten des Kantons Zürich aufgenommen werden, wie Peter Steiger, stellvertretender Leiter des USZ-Instituts für Intensivmedizin, am Dienstag vor den Medien sagte. Die aktuelle Lage beschrieb er so: «Wir haben auf der Covid-Intensivstation noch zwei freie Betten. Der Rest ist belegt.»

21 Coronapatienten seien derzeit auf der USZ-Intensivstation, davon 6 aus anderen Kantonen, nämlich aus den Kantonen Genf, Waadt, Schwyz, St. Gallen und Zug, fügte USZ-CEO Gregor Zünd an. Er wehrte sich damit gegen Kritik, wonach das Zürcher Unispital Patienten aus anderen Kantonen abgewiesen habe: Das USZ arbeite gut mit anderen Spitälern zusammen, sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Kantons Zürich.

Dennoch ist die Lage ist offenkundig angespannt, wie Äusserungen von Steiger auf Nachfrage dieser Zeitung verdeutlichen: Es gebe zwar Patienten im USZ, die vom Gesundheitszustand her in ein Regionalspital verlegt werden könnten. «Das Problem ist: Kein Spital nimmt im Moment Patienten auf, weil jedes Spital schauen muss, dass es selbst Kapazität hat», so Steiger. Das führe im Unispital zu einem Rückstau an Patienten. «Wir sind nicht am Anschlag, aber ganz gut voll», fasste er die Situation zusammen.

Patienten bleiben weniger lang auf der Intensivstation

Ein Drittel der insgesamt 64 Intensivstation-Plätze des USZ sei derzeit für Corona-Patienten reserviert. Positiv sei, dass in der zweiten Welle der Pandemie die Patienten weniger lang auf der Intensivstation bleiben müssten als während der ersten Welle im Frühling. Dies aufgrund verbesserter Behandlungsmethoden. Auch sei die Sterberate mit zehn Prozent nun vergleichsweise tief. Doch je mehr Nicht-Intensivmediziner bei den Behandlungen einbezogen werden müssten, umso schwieriger werde es.

Bereits jetzt seien in der herbstlichen zweiten Welle 64 Corona-Patienten auf der USZ-Intensivstation behandelt worden. Während der ersten Welle waren es laut Steiger insgesamt knapp 50. Aufgrund der hohen Corona-Fallzahlen müsse das USZ Operationen von Nicht-Corona-Patienten derzeit teilweise verschieben. Dies könne auch schwerkranke Menschen wie Tumorpatienten betreffen. Welche Operationen stattfinden und welche nicht, werde von Tag zu Tag individuell entschieden – je nach Zustand der Patienten.

Ausserhalb der Intensivstation behandelt das USZ aktuell 36 Corona-Patienten in der dafür eingeplanten Station; zudem 20 weitere in anderen Stationen, wie USZ-Direktorin Gabi Brenner sagte. Vier Bettenstationen habe das Unispital gesperrt, um Personal für die Behandlung von Corona-Patienten freizukriegen. «Diese Patienten sind schwer krank», betonte sie. Entsprechend aufwendig sei deren Pflege. Es sei sichergestellt, dass sie nicht in Kontakt mit anderen Patienten kämen. Und viel Personal auf den anderen Stationen sei im Frühjahr für den Umgang mit Corona-Patienten geschult worden.

Dennoch gebe es beim Personal Engpässe, wie die USZ-Verantwortlichen mehrfach erwähnten. Dazu tragen auch Quarantänefälle beim USZ-Personal bei. Aktuell gibt es gemäss Brenner 94 solche Fälle. Zu Ansteckungen des Personals sei es im Privatleben gekommen. Medizinstudenten, die Einsätze im USZ leisten wollten, sind angesichts der angespannten Personalsituation laut Brenner willkommen.

Höchstens kurze
Wartezeiten im Testcenter

Bei den Coronatests sei das USZ nicht am Anschlag, betonte Annelies Zinkernagel, Direktorin der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene. Derzeit könne das Spital bis zu 450 Tests pro Tag durchführen. Es gebe höchstens kurze Wartezeiten. Die Tests erfolgen in der Regel auf Anmeldung. Von den 442 am Montag im USZ durchgeführten Tests seien 13,5 Prozent positiv ausgefallen. Der Maximalwert lag im November bei 24,5 Prozent.

Insgesamt habe das Universitätsspital Zürich seit 1. Juli über 80000 Coronatests durchgeführt. Neu kämen auch Schnelltests zum Einsatz, allerdings nur bei Nicht-Risikopatienten und Personen, die nicht im Unispital arbeiten. Bei positiven Testresultaten seien die Schnelltests zuverlässig genug. Bei negativen Resultaten werde nachgetestet.