Corona-Virus

Schüler büffeln zuhause: So setzen die Limmattaler Schulen das Unterrichtsverbot um

Das Unterrichtsverbot aufgrund der Corona-Krise stellt die Limmattaler Schulen auf die Probe. Sie setzen grösstenteils auf digitale Lösungen. Nur wenige Eltern nehmen die Betreuung der Kinder in der Schule in Anspruch.

Sibylle Egloff, Alex Rudolf
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Die Schulzimmer im Limmattal bleiben geschlossen.

Die Schulzimmer im Limmattal bleiben geschlossen.

Severin Bigler

Schweizweit müssen Schülerinnen und Schüler dem Unterricht ab dieser Woche bis vorerst am 19. April fernbleiben. Der Bundesrats-Beschluss letzten Freitag verlangte von den Limmattaler Schulen übers Wochenende einen enormen Einsatz. «Wir haben einen Krisenstab für die Schule Dietikon gebildet mit den involvierten Anspruchsgruppen, damit wir den Überblick über alle Aktivitäten haben», sagt der Dietiker Schulvorstand Reto Siegrist (CVP).

Erfreulich sei, dass nur wenige Kinder durch die Schule betreut werden müssten. «3,5 Prozent, also weniger als 100 Schüler, können nicht zu Hause bleiben», sagt Siegrist. Man sei positiv überrascht von dieser Zahl. Die Schule Dietikon zählt rund 2900 Schulkinder. «Es ist eine grossartige Leistung der Eltern, dass sie das privat so gut auf die Reihe kriegen.» Auch der Fernunterricht ist in der Schule Dietikon aufgegleist. «Ein internes pädagogisches IT-Team arbeitet mit den Schulleitungen. Die Idee ist, dass alle Schuleinheiten das Fernlernen möglichst einheitlich handhaben», sagt Siegrist. Er sei zuversichtlich, dass die Schüler ab Mitte Woche den Schulstoff von zuhause aus erarbeiten können.

Lehrpersonen schaffen Struktur fürs Fernlernen

Der Schulvorstand ist überzeugt, dass die Schule Dietikon die Herausforderungen der kommenden Wochen meistern wird. «Ich habe übers Wochenende ein hohes Engagement gespürt. Diese Leistungsbereitschaft hat mich gefreut.» Man müsse nun eins nach dem anderen anpacken. «Am allerwichtigsten ist, dass die Klassenlehrpersonen nun eine Struktur für das Fernlernen schaffen können, um die Schülerinnen und Schüler zum Lernerfolg zu bringen, auch wenn sie nicht gemeinsam im Klassenzimmer sind.»

3,5 Prozent, also weniger als 100 Schüler, können nicht zu Hause bleiben. Es ist eine grossartige Leistung der Eltern, dass sie das privat so gut auf die Reihe kriegen.

(Quelle: Reto Siegrist (CVP), Dietiker Schulvorstand)

Auch die Schule Schlieren hielt am Samstag eine Krisensitzung ab. «Wir haben alles vorbereitet, um die Eltern zu informieren. Zudem haben wir abgeklärt, wie wir die Betreuung der Schülerinnen und Schüler sicherstellen», sagt Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP). Lehrpersonen und Hortmitarbeitende würden sich um die Kinder kümmern, die von den Eltern nicht betreut werden können. «Die Zahl ist überschaubar, pro Schuleinheit handelt es sich um fünf bis zehn Kinder», sagt Krebs. Rund 1800 Schulkinder besuchen die Schule Schlieren. Die Schulpräsidentin hat das Gefühl, gut aufgestellt zu sein, um die Ausnahmesituation zu bewältigen. «In den nächsten Tagen werden die Klassenlehrpersonen alles aufgleisen, damit der Fernunterricht Ende dieser oder Anfang nächster Woche funktioniert.» Ob die Aufträge per Post zugeschickt würden oder digital erfolgten, werde man noch prüfen.

Die Massnahme bringt Ruhe. Als die Schulen noch offen waren, herrschte Unsicherheit, viele besorgte Eltern meldeten sich bei uns.

(Quelle: Bea Krebs (FDP), Schlieremer Schulpräsidentin)

Den Präsenzunterrichtsstopp empfindet Krebs als vernünftig. «Die Massnahme bringt Ruhe. Als die Schulen noch offen waren, herrschte Unsicherheit, viele besorgte Eltern meldeten sich bei uns.»
Ein Konzept entwickelte auch die Oberstufe Weiningen. Rund 350 Schülerinnen und Schüler aus Unterengstringen, Weiningen, Geroldswil und Oetwil müssen nun von zuhause aus den Schulstoff lernen. «Gut ist, dass das IT-Team das digitale Lernen schon vor dem Corona-Virus für das neue Schulfach Medien und Informatik aufgegleist hat», sagt Oberstufenschulpräsidentin Andrea Fischbacher (parteilos). Man werde nun darauf zurückgreifen und darauf aufbauen. Da viele Schülerinnen und Schüler bereits selbstständig seien, treffe die Oberstufe Weiningen das Problem Betreuung nicht so hart wie die Primarschulen. «Nur ein einziger Schüler ist für die Betreuung in der Schule angemeldet», sagt Fischbacher.

Gut ist, dass das IT-Team das digitale Lernen schon vor dem Corona-Virus für das neue Schulfach Medien und Informatik aufgegleist hat.

(Quelle: Andrea Fischbacher (parteilos), Oberstufenschulpräsidentin Weiningen)

Ähnlich wenig Betreuung ist in der Sekundarschule Birmensdorf/Aesch nötig. Von den rund 170 Schülerinnen und Schülern erschien gestern Vormittag ein einziger in der Schule, wie Schulpflegepräsidentin Isabelle Carson (FDP) mitteilt. Gemeinsam mit der Lehrerschaft befinde man sich seit Samstag in einer intensiven Vorbereitungsphase. «Ziel ist es, ein funktionierendes Fernlehr-System aufzubauen.»

Den Schülern können wir voraussichtlich ein Tablet für diese Zeit zur Verfügung stellen.

(Quelle: Isabelle Carson (FDP) Schulpräsidentin Sekundarschule Birmensdorf/Aesch)

Nebst dem Umstand, dass vereinzelte Schülerinnen und Schüler über keine E-Mail-Adresse und keinen Internet-Zugang verfügen, bedürfe es bei jedem Schulfach anderer Lösungen. «Den Schülern können wir voraussichtlich ein Tablet für diese Zeit zur Verfügung stellen», so Carson. Gestern Nachmittag holten die Jugendlichen einzeln ihre Unterrichtsunterlagen ab.

Weniger als 30 Schulkinder wurden in Bergdietikon betreut

«Ich bin froh, dass wenig Kinder gestern in der Schule erschienen sind», sagt Andreas Luchsinger (SVP). Der Präsident der Bergdietiker Schulpflege teilt auf Anfrage mit, dass von den rund 260 schulpflichtigen Kindern bisher weniger als 30 durch die Schule betreut werden mussten. Familienergänzende Betreuungsangebote würden in der Gemeinde üblicherweise rege genutzt. Die anwesenden Kinder würden hauptsächlich lesen, spazieren, malen und Gesellschaftsspiele spielen, so Luchsinger. «Wir bereiten uns aber darauf vor, allen Kindern schulische Inhalte anzubieten, die zuhause durchgeführt werden können.»

Ich bin froh, dass wenig Kinder gestern in der Schule erschienen sind.

(Quelle: Andreas Luchsinger (SVP), Bergdietiker Schulpräsident)

In Urdorf sammeln Lehrkräfte derweil E-Mail-Adressen und Handynummern von Eltern für den Fernunterricht. Sie warteten gestern gemäss Stundenplan in ihren Klassenzimmern, um allfällige Schüler zu empfangen. Diese werden laut einem Informationsschreiben des Krisenstabs der Schule Urdorf im Schulzimmer betreut. Die Schule Oberengstringen war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.