Geroldswil

Zwei Kämpfer, Kautschuk und Kakao in der Elfenbeinküste

Die Unternehmer-Könige unter sich: Das Projekt der Unternehmer Fredy Hiestand und Johann Dähler an der Elfenbeinküste kommt voran.

Tobias Hänni
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Eindrücke von "Fredy's Plantation" in der Elfenbeinküste
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Die malerische Anlage von "Fredy's Plantation" in der Elfenbeinküste.
Könige unter sich: Fredy Hiestand (links) und Johann Dähler auf «Fredy’s Plantation».
Hiestand und Dähler bei einem Treffen in Geroldswil.
Die Anlage ist insgesamt rund 100 Hektar gross.
Für Hiestand ist die Mischkultur jedoch die einzig richtige Art der Landwirtschaft: Umweltschonend, nachhaltig und – so hofft er, beweisen zu können – langfristig auch rentabler als Monokulturen.
Bei Dähler, der auf der restlichen Plantage Kautschuk anpflanzt, stiess das Pilotprojekt mit ungewissem Ausgang anfänglich auf Skepsis.
Fredy Hiestand in seiner Spezialitaeten-Baeckerei Fredy's in Baden.

Eindrücke von "Fredy's Plantation" in der Elfenbeinküste

Heini Surber Extern Marketing

Johann Dähler und Fredy Hiestand werden gerne als Könige bezeichnet: Dähler, der Ananaskönig, der in der Elfenbeinküste einst die grösste Plantage mit der exotischen Frucht besass. Fredy Hiestand, der Gipfelikönig, der mit seinen Gefrierteiglingen in den 1970er-Jahren den Schweizer Markt eroberte. König, das ist ein schmeichelhafter Titel, aber gerecht wird er den zwei Unternehmern nicht. Denn im Gegensatz zu einem König wurde ihnen nichts in den Schoss gelegt. Beide wuchsen als Bauernsöhne in einfachen Verhältnissen auf, beide haben aus eigener Kraft ihre Geschäfte aufgebaut, beide haben sich nach Rückschlägen wieder aufgerappelt. Kämpfer, das wäre eigentlich die bessere Bezeichnung für Hiestand und Dähler.

Und nun, da sie in einem Alter sind, in dem sich Könige längst auf ihren geerbten Lorbeeren ausruhen würden, können sie das Geschäften noch immer nicht lassen: Gemeinsam haben der 72-jährige Hiestand und der 62-jährige Dähler vor zwei Jahren an der Elfenbeinküste das Projekt «Fredy’s Plantation» ins Leben gerufen. Auf jenem Grundstück, auf dem Dähler vor 30 Jahren sein Ananasimperium aufgebaut hatte.

Mono- gegen Mischkultur

An einem Vortrag des Kulturvereins Spektrum im Hotel Geroldswil stellten der «Einheimische» Hiestand und der Thurgauer Dähler am Donnerstagabend das Projekt vor: Auf 100 Hektaren, rund einem Fünftel der ehemaligen Ananasplantage, entsteht mit «Fredy’s Plantation» eine Mischkultur, auf der neben Kautschuk und Kakao zahlreiche andere Nutzpflanzen wie Mango, Kochbananen, Maniok und natürlich auch Ananas angepflanzt werden. «Es ist ein Pionierprojekt» sagt Hiestand. Mischkulturen würden bislang nur von Kleinbauern betrieben – «was aber noch nicht garantiert, dass dies auch auf 100 Hektaren wirtschaftlich ist.»

Für Hiestand ist die Mischkultur jedoch die einzig richtige Art der Landwirtschaft: Umweltschonend, nachhaltig und – so hofft er, beweisen zu können – langfristig auch rentabler als Monokulturen. «Mein Ziel und Traum ist erreicht, wenn wir viele Nachahmer für diese Art von Landwirtschaft finden werden.»

Bei seinem Geschäftspartner Dähler, der auf der restlichen Plantage Kautschuk anpflanzt und damit unter anderem einen Tessiner Gummifabrikanten beliefert, stiess das Pilotprojekt mit ungewissem Ausgang anfänglich auf Skepsis. Aus Dankbarkeit zu Hiestand, der seine costa-ricanische Ananasplantage einst aus einem finanziellen Engpass gerettet hatte, willigte er dennoch ein.

Und nun, ein Jahr nachdem die ersten Setzlinge der Mischkultur in die ivorische Erde gepflanzt worden sind, scheint die Skepsis etwas gewichen zu sein. «Das ist gar nicht so ein wildes Durcheinander, wie man meint, sondern hat auch eine gewisse Struktur – wie eine Monokultur», sagt Dähler.

Gleicher Schicksalsschlag

Trotz anfänglicher Differenzen seien sie inzwischen «beste Freunde», sagen die zwei Unternehmer. Das mag wohl auch daran liegen, dass die Gemeinsamkeiten überwiegen und sie auch die Erfahrung von Schicksalsschlägen teilen: Beide hatten einen Herzinfarkt, bei beiden schlägt nun ein Schrittmacher in der Brust. Sich deswegen zur Ruhe setzen, wie das wohl ein König getan hätte, daran haben sie aber beide nie gedacht.