Airbnb

Wenn Mieter zu Gastgebern werden und damit Geld verdienen

Die Online-Wohnungsvermittlung Airbnb boomt auch im Limmattal, alleine in Dietikon und Schlieren finden sich 15 Wohnungen. Die Rechtslage ist aber weiterhin unklar.

Anina Gepp
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In der eigenen Wohnung untervermieten: Auch im Limmattal gibt es immer mehr «Bed and Breakfast»-Angebote.

In der eigenen Wohnung untervermieten: Auch im Limmattal gibt es immer mehr «Bed and Breakfast»-Angebote.

KEYSTONE

«Bed and Breakfast» gibt es in den USA und England schon seit Jahrzehnten. Unterkünfte bei Privatleuten, in deren Preis meist noch ein Frühstück enthalten ist, sind dort längst nichts Ungewöhnliches mehr. Anders in der Schweiz: Dass es sich mit der eigenen Wohnung Geld verdienen lässt, wird hierzulande gerade erst entdeckt. Das Konzept boomt auch im Limmattal: Alleine in Dietikon und Schlieren gibt es über die Online-Plattform «Airbnb» – zu übersetzen mit «Luftmatratze und Frühstück» – aktuell 15 Einträge.

Auf der Hängematte schlafen

Das Angebot ist zwar nicht so vielfältig wie in grösseren Schweizer Städten, doch die Gäste können durchaus aussuchen, welche Art von Unterkunft am besten zu ihnen passt. Im gesamten Limmattal haben bereits 25 Privatleute ihre eigenen vier Wände oder einen Teil davon ausgeschrieben.

Wie wäre es beispielsweise mit dem Bürozimmer von Anbieterin Paty aus Dietikon, die fünf Gehminuten vom Bahnhof Glanzenberg entfernt wohnt? Sie bietet Übernachtungen auf der Couch, im Hochbett oder gar der Hängematte an. Zudem stehen einem die Küche, das Bad und der Garten zur Mitbenutzung zur Verfügung. «Mi casa es tu casa» – zu Deutsch «mein Haus ist dein Haus» – schreibt die junge Frau in der Beschreibung ihres Angebots. Und: Sogar ihr Fahrrad könne ausgeliehen werden. Das ganze Paket kostet gerade einmal 35 Franken pro Nacht.

Wer es luxuriöser mag, entscheidet sich vielleicht eher für den Aufenthalt bei Michael aus Urdorf. Er bietet seinem Gast neben einem 25 Quadratmeter grossen Zimmer auch einen Garagenplatz und ein eigenes Bad an. Zudem ist ein morgendliches Frühstück bereits im Preis von 100 Franken pro Nacht inbegriffen. Der fünf-fache Familienvater Matthias aus Birmensdorf vertraute Airbnb-Gästen sogar sein ganzes Haus mit sechs Zimmern an. Für zwei Monate, in denen er mit seiner Familie in Australien verweilte, vermietete er die ganze Unterkunft mit insgesamt neun Betten.

Gesetzliche Grauzone

So einfach das Konzept der Plattform auch ist: Zu Problemen kann es bei einem Bed and Breakfast kommen, wenn es sich um eine Mietwohnung handelt. Wer Gäste in seiner Wohnung beherbergen will, sei verpflichtet, das als Untermietverhältnis bei der Hausverwaltung zu melden, sagt Walter Angst, Mediensprecher des Mieterverbands Zürich. Andernfalls könne der Vermieter dem Mieter die Kündigung für die Wohnung aussprechen. Ob eine solche im Rahmen eines Kündigungsschutzverfahrens von den Gerichten geschützt würde, komme auf den konkreten Fall an.

Derzeit bewegt sich Airbnb in der Schweiz noch in einer gesetzlichen Grauzone. Das Bundesgericht hat die Frage nach dem Gewinn, der ein Mieter mit der Untervermietung macht, noch offen gelassen. Das Obligationenrecht besagt, dass ein Mieter von seinem Untermieter keinen unangemessenen hohen Mietzins verlangen darf. Ein Zuschlag von zehn Prozent der Wohnungsmiete oder des Anteils für das vermietete Zimmer werde in der Regel aber als zulässig erachtet, so Angst.

Ein Dorn im Auge ist Airbnb nicht nur den Vermietern. Das kommerzialisierte Couchsurfing kommt in touristischen Regionen der Schweiz auch Hoteliers in die Quere. Denn die Kosten der Hotels sind teurer als jene der privaten Untervermieter, da sie strenge Vorschriften erfüllen müssen. «Ich sehe diese Unterkünfte definitiv als eine Gefahr für Hotels in Städten und auch in den Agglomerationen», sagt Thomas Fenner, Leiter des Hotel Geroldswil. Im Hotel Ticino-Sommerau in Dietikon nimmt man die Situation gelassener. Rezeptionist Thomas Brunnschweiler ist jedoch der Meinung, dass fairerweise auch Airbnb-Anbieter eine Taxe pro Nacht und pro Gast bezahlen müssten.