Weiningen
Schutz gegen Flutwellen: Einer der kleinsten Staudämme der Schweiz muss saniert werden

Die Stauanlage des Weininger Weihers im Wiesetäli ist undicht. Die Gemeinde will den Damm erhöhen und gleichzeitig den Hochwasserschutz im Dorf sicherstellen.

Sibylle Egloff
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Das Wasser des Weininger Weihers rinnt durch den Staudamm im Wiesetäli. Die Gemeinde will ihn instand stellen.

Das Wasser des Weininger Weihers rinnt durch den Staudamm im Wiesetäli. Die Gemeinde will ihn instand stellen.

Chris Iseli

Dunkle Regenwolken spiegeln sich auf der Wasseroberfläche des Weihers im Langenmoos im Weininger Wiesetäli. Werkvorstand Thomas Mattle (SVP) und Joël Inniger, Leiter Tiefbau und Werke der Gemeinde Weiningen, schreiten über die Haslernstrasse. «Wir befinden uns hier auf dem Staudamm», sagt Mattle und blickt auf den Asphalt.

1845 wurde der Weininger Weiher samt Stauanlage angelegt. Er diente als Wasserreserve, um die Mühle weiter unten im Dorf anzutreiben. «Deshalb nannte man das Gewässer auch Mühliweiher. In jüngerer Zeit bezog die Feuerwehr Löschwasser daraus, daher ist der Teich auch als Feuerwehrweiher bekannt», erklärt Joël Inniger. Die Anlage zählt mit einer Stauhöhe von 4,2 Metern und einem Stauvolumen von 16'000 Kubik zu den kleinsten Staudämmen der Schweiz.

Joël Inniger, Leiter Tiefbau und Werke der Gemeinde Weiningen, und Werkvorstand Thomas Mattle (SVP) müssen dafür sorgen, dass der Staudamm unter der Haslernstrasse stabil und dicht wird.

Joël Inniger, Leiter Tiefbau und Werke der Gemeinde Weiningen, und Werkvorstand Thomas Mattle (SVP) müssen dafür sorgen, dass der Staudamm unter der Haslernstrasse stabil und dicht wird.

Chris Iseli

Dass die unscheinbare Strasse, die zum Winzerhaus führt, den sichtbaren Teil dieses Walls darstellt, scheint auf den ersten Blick kaum denkbar. Und doch: Die Anlage hat die bedeutende Aufgabe, das Weiherwasser davon abzuhalten, ins Dorf runter zu strömen und die Weininger Keller zu fluten.

Bereits zwei Mal brachen Stellen der Fahrbahn ein

Doch der Damm weist Mängel auf. «Er ist undicht, nicht erdbebensicher und ungenügend stabil», sagt Inniger. Das zeigte sich beispielsweise 2017 und 2019 auf der Fahrbahn der Haslernstrasse. «Durchsickerndes Wasser schleppte Erde und Schlamm mit. Durch den dadurch entstandenen Hohlraum im Damminnern brach die Fahrbahn ein», erzählt er.

Damit das nicht mehr passieren kann und das Dorf vor einer allfälligen Flutwelle bei einem Dammbruch geschützt ist, ist die Gemeinde gezwungen, die Stauanlage instand zu stellen. Dazu wurde sie vom Bundesamt für Energie mit einer Unterstellungsverfügung sogar verpflichtet. Gleichzeitig ist man angehalten, den Damm zu überwachen. «Jeden Monat wird der Wasserstand im Damm und der Wasserspiegel des Weihers gemessen», sagt Inniger.

Werkvorstand Thomas Mattle (SVP) und Joël Inniger, Leiter Tiefbau und Werke, wird das Sanierungsprojekt des Weininger Staudammes in den kommenden Jahren beschäftigen. 2024 soll das Bauprojekt frühestens starten.

Werkvorstand Thomas Mattle (SVP) und Joël Inniger, Leiter Tiefbau und Werke, wird das Sanierungsprojekt des Weininger Staudammes in den kommenden Jahren beschäftigen. 2024 soll das Bauprojekt frühestens starten.

Chris Iseli

Mittlerweile hat die Gemeinde eine Variantenstudie erarbeiten lassen, um das Problem zu beheben. «Diese fokussiert sich auf die Dammstabilität, Erdbebensicherheit sowie auf die Höhe des Dammes und zeigt, was im Hochwasserfall passiert, wenn sie gleich bleibt oder um einen halben oder einen ganzen Meter angehoben wird», erklärt Inniger. Die Gemeinde favorisiert die Variante, bei der die Stauanlage um einen Meter erhöht wird. «Dadurch könnte das Wasser bei Hochwasser länger zurückgehalten werden. Was auch bedeuten würde, dass die Abwasserkanäle nicht so stark ausgebaut werden müssten», sagt Werkvorstand Mattle.

So sehen der Weiher und der Staudamm aktuell aus.

So sehen der Weiher und der Staudamm aktuell aus.

zvg

Mit der Sanierung der Stauanlage verbunden ist nämlich auch die Entwässerung der Gemeinde. «Der Staudamm muss auf den Hochwasserschutz im Dorf und die anderen Gewässer wie den Dorfbach, den Trüebbach und den Länggenbach abgestimmt sein», sagt Inniger.

Die Sanierung soll 2,4 Millionen Franken kosten

So könnten Weiher, Staudamm und Umgebung nach der Sanierung aussehen. Ein Stück des Wäldchens oberhalb des Friedhofs müsste dafür weichen.

So könnten Weiher, Staudamm und Umgebung nach der Sanierung aussehen. Ein Stück des Wäldchens oberhalb des Friedhofs müsste dafür weichen.

Visualisierung: zvg

Das Ziel ist deshalb, diese beiden Projekte miteinander zu kombinieren. «Das macht das Unterfangen nicht gerade einfacher, aber dafür haben wir eine umfassende und ganzheitlich abgestimmte Lösung», findet Inniger. Zudem könne Weiningen für den Hochwasserschutz Subventionen des Bundes und des Kantons erwarten. Die reine Sanierung des Staudamms müsse die Gemeinde jedoch selber tragen. Sie rechnet dafür mit Kosten von rund 2,4 Millionen Franken.

Der Weiher im Langenmoos soll der Bevölkerung auch weiterhin als Naherholungsgebiet zur Verfügung stehen.

Der Weiher im Langenmoos soll der Bevölkerung auch weiterhin als Naherholungsgebiet zur Verfügung stehen.

Chris Iseli

Um den Damm wasserundurchlässig zu machen, soll in dessen Mitte auf der gesamten Länge von 80 Metern eine geschlossene Spundwand aus Stahl erstellt werden. «Diese soll dem Weiher die nötige Stabilität geben», sagt Inniger. Zur Debatte stand zu Beginn aber auch, den Weiher rückzubauen und trocken zu legen. Doch diese Idee habe man schnell wieder verworfen, sagt Mattle. Der Werkvorstand betont:

«Der Weiher gehört seit 1845 zum Dorfbild und ist seit 1965 im Besitz der Gemeinde. Es ist uns wichtig, dass er als Naherholungsgebiet erhalten bleibt.»

Beliebt sei das Gewässer zudem bei Jugendlichen, die ihn im Sommer zum Baden benutzen würden. Und auch für die Flora und Fauna in Weiningen spiele der Weiher eine bedeutende Rolle. «Er zählt zum kantonalen Moorschutzgebiet und bietet Vögeln, Fischen, Amphibien und Insekten ein Zuhause», so Mattle.

Und so will man nun ein Vorprojekt ausarbeiten, das die verschiedenen Facetten des Weihers aufnimmt. «Dazu werden wir uns mit allen involvierten Akteuren wie zum Beispiel dem Naturschutz, den Waldbesitzern, Fachstellen, den Fischereiverantwortlichen und auch Privaten austauschen», sagt Mattle. Aufgrund der noch längeren Planungs- und Bewilligungsverfahren werde eine Sanierung frühestens im 2024 erfolgen können.

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