Urdorf
Einkaufsbox und Foodtrucks: So will die Gemeinde ihr Industriegebiet beleben

Um die Entwicklung des Wirtschaftsraums Urdorf-Nord voranzutreiben, setzt die Gemeinde auf Verpflegung. Die Schweizer Kiosk-Betreiberin Valora macht mit ihrer Avec-Box den Anfang.

Sibylle Egloff
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Mitarbeiter von Topla platzieren die aus Containern bestehende Avec-Box auf dem Luberzenareal in Urdorf. Auf 41 Quadratmetern wird ab Ende Juni autonomes und zeitunabhängiges Einkaufen möglich.

Mitarbeiter von Topla platzieren die aus Containern bestehende Avec-Box auf dem Luberzenareal in Urdorf. Auf 41 Quadratmetern wird ab Ende Juni autonomes und zeitunabhängiges Einkaufen möglich.

Severin Bigler

Sachte balanciert ein Kran den bordeauxroten Container über den Kiesplatz im Urdorfer Industrie- und Gewerbegebiet Luberzen. Der Koloss kommt neben die beiden anderen Container zu stehen. Zusammen ergeben sie die Avec-Box, ein Selbstbedienungsladen, der autonomes und zeitunabhängiges Einkaufen ermöglicht. Mit der Shopping-Gelegenheit auf 41 Quadratmetern will die Gemeinde Urdorf die Brache im Wirtschaftsraum Urdorf-Nord entlang der künftigen Limmattalbahnstrecke aktivieren.

«Wir freuen uns sehr, dass die Box ab heute in Urdorf steht. Es ist der bauliche Startschuss für die Entwicklung des Areals», sagt Rebecca Broekema, Bereichsleiterin Planung, Bau und Werke der Gemeinde Urdorf, am Tag der Anlieferung. Sie ist für die Weiterentwicklung des Wirtschaftsraums Urdorf-Nord zuständig und hat gemeinsam mit Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde Urdorf, die Zusammenarbeit mit der Avec-Box-Betreiberin Valora eingefädelt. «Wir haben die erste Box, die 2019 im Zürcher Hauptbahnhof stand, gesehen und dachten uns, dass sie sich auch gut in Urdorf machen würde», sagt Patrick Müller.

In der letzten Juniwoche geht die Box in Betrieb

Mitarbeiter der Laden- und Inneneinrichtungsfirma Topla transportieren und platzieren die einzelnen Elemente am Mittwoch. «Rund eine Woche dauert die technische Inbetriebnahme der Avec-Box, ungefähr eine weitere Woche benötigt Valora, um den Laden mit Produkten zu füllen», sagt Dominique Schmid von Topla, der die Bauherrenvertretung übernimmt. In der letzten Juniwoche soll das Geschäft eröffnet werden – oder besser gesagt soll es von jeder und jedem mit einer Avec-App auf dem Smartphone zum Einkaufen betreten werden können.

Die App als Ladenschlüssel: Scannt man den QR-Code am Eingang mit der App, öffnet sich die Einkaufsbox.

Die App als Ladenschlüssel: Scannt man den QR-Code am Eingang mit der App, öffnet sich die Einkaufsbox.

Severin Bigler

Damit die Türe des Ladens aufgeht, scannt man mit der App den QR-Code am Eingang. Um Produkte dem Warenkorb hinzuzufügen, scannt man ihren Barcode. Will man den Einkauf abschliessen, tippt man in der App auf «Bezahlen». Der Einkauf wird via Kreditkarte beglichen. Diese und einen Ausweis muss man in der App hinterlegen. «In der Avec-Box finden sich Waren des täglichen Bedarfs und ein typisches Convenience-Sortiment mit Sandwiches, Salaten, Pasta, Getränken, Süssigkeiten oder Non-Food-Artikeln», sagt Martin Zehnder, Mediensprecher von Valora. Überdies finden sich im Laden auch eine Kaffeemaschine und ein Tabak-Automat. «Urdorf ist unser fünfter Standort. Wir sind immer noch in der Testphase und prüfen, welche Standorte für unser Konzept geeignet sind», erzählt Zehnder.

Auch eine Kaffeemaschine und ein Tabak-Automat befinden sich in der Box.

Auch eine Kaffeemaschine und ein Tabak-Automat befinden sich in der Box.

Severin Bigler

Zuletzt stand die Box bei der ETH Hönggerberg. Eine zweite Box befindet sich derzeit im basel-landschaftlichen Arlesheim. Davor war sie am Bahnhof Wetzikon aufgestellt. Das moderne Einkaufserlebnis soll Urdorferinnen und Urdorfern bis mindestens Ende Jahr zur Verfügung stehen, wobei bereits Verlängerungsoptionen vereinbart wurden.

Auf der Brache soll ein Streetfood-Festival entstehen

Die Avec-Box bildet jedoch nur einen Teil der Zwischennutzung im Urdorfer Wirtschaftsraum. Ebenfalls auf der Brache niederlassen werden sich vier Gastronomiepartner mit Foodtrucks. «Es wird Pizzas, Sandwiches, thailändisches Essen, Kaffee und nachhaltige Gerichte geben. So haben wir einen vielfältigen Angebotsmix, der hoffentlich allen Besucherinnen und Besuchern entspricht», sagt Broekema. Sie denkt dabei an Kantonsschülerinnen und -schüler, die gleich nebenan die Kantonsschule Limmattal besuchen, aber auch an Mitarbeitende der vielen Firmen im Quartier und des Spital Limmattals sowie an Handwerker, die den Transport interessiert verfolgen.

Zudem soll es auf dem Areal auch Aufenthaltsmöglichkeiten wie Stühle, Bänke oder Tische geben. Geplant ist auch ein Holzplateau mit Sand und Liegestühlen. «Dadurch möchten wir den Raum Urdorf-Nord beleben und den Leuten eine Möglichkeit geben, vor oder nach dem Einkaufen oder Essen hier zu verweilen», sagt Broekema.

Freuen sich über den neuen Standort der Avec-Box: Martin Zehnder, Mediensprecher Valora, Dominique Schmid, Bauherrenvetreter von Valora, Rebecca Broekema, Bereichsleiterin Planung, Bau und Werke der Gemeinde Urdorf und Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde Urdorf.

Freuen sich über den neuen Standort der Avec-Box: Martin Zehnder, Mediensprecher Valora, Dominique Schmid, Bauherrenvetreter von Valora, Rebecca Broekema, Bereichsleiterin Planung, Bau und Werke der Gemeinde Urdorf und Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde Urdorf.

Severin Bigler

Die Gemeinde hat sich die insgesamt 15'000 Quadratmeter grosse Parzelle für die ersten 15 Jahre vom Kanton gesichert und bereits die Erschliessung mit Wasser, Abwasser und Strom vorgenommen. Ein Teil der Fläche wird für die Erweiterung der Kantonsschule verwendet. Zum Areal gehört aber auch eine weitere Fläche, die bis Ende 2021 noch als Installationsplatz für die Limmattalbahnbaustelle benötigt wird. «Ab Januar 2022 wollen wir dann auch diesen frei werdenden Teil nutzen», sagt Broekema. Mit der ab 2023 geplanten Revision der Bau- und Zonenordnung beabsichtigt man überdies das Wohnen entlang der Limmattalbahn zu ermöglichen. Dies sei seit längerem im regionalen Richtplan verankert.

«All diese Pläne und Massnahmen dienen dazu, dem ganzen Wirtschaftsraum ein modernes Gesicht zu geben», sagt Broekema. Die Vision der Gemeinde für das Gebiet Urdorf-Nord wird bereits auf der seit dem 1. Juni aufgeschalteten Website urdorfnord.ch angedeutet. Urdorf sei bekannt als dörfliche Gemeinde, sagt Müller und fügt an: «Doch hier entsteht die Stadt im Dorf.»

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