Birmensdorf

Sternenquartier-Schülern wird Gratis-Busticket verweigert

Die Eltern aus den Quartieren Stöcken, Haslen und Sternen müssen auch weiterhin die Busfahrt ihrer Kinder zur Schule berappen – eine Petition, die das ändern wollte, ist abgeblitzt.

Nicole Emmenegger
Drucken
Teilen
Eltern müssen die Busfahrt ihrer Kinder weiterhin selber berappen. (Symbolbild)

Eltern müssen die Busfahrt ihrer Kinder weiterhin selber berappen. (Symbolbild)

Es herrscht Unmut in den Quartieren Stöcken, Haslen und Sternen – auch noch ein halbes Jahr nach dem gescheiterten Versuch, sich von Birmensdorf abzuspalten und sich Uitikon anzuschliessen. Der aktuelle Stein des Anstosses: Die Sekundarschulgemeinde Birmensdorf-Aesch will die Schulwegkosten für die Schülerinnen und Schüler aus den drei Quartieren nicht übernehmen. Die meisten Schüler, die dort wohnen, gelangen mit dem Bus zur Schule – statt zu Fuss oder mit dem Velo über die viel befahrene und steile Zürcherstrasse.

Dass sie das Busticket für ihre Kinder aus der eigenen Tasche bezahlen müssen, stösst vielen Eltern sauer auf. In einer Petition vom Mai 2010 forderte die Interessengemeinschaft Stöcken, Haslen und Sternen (IGSHS) deshalb: Die Primar- und Sekundarschulgemeinden sollen die Kosten berappen. Der «recht lange Schulweg» könne von den Schülern nicht alleine bewältigt werden. Kritisiert wurde zudem, dass die eigenen Kinder nicht gleich behandelt würden wie die Sekundarschüler aus Aesch, die gratis mit dem Bus zur Schule fahren.

Zonen regeln die Vergütung

Seit dieser Woche liegt die Antwort der Sekundarschulgemeinde Birmensdorf-Aesch vor. Wie schon die Primarschule im Juni 2010 kommt auch sie zum Schluss: Familien aus den Quartieren Stöcken, Haslen und Sternen haben keinen Anspruch auf Vergütung der Schulwegkosten. Begründet wird der Entscheid mit einem neuen Entschädigungs-Reglement, das per 2011 ausgearbeitet wurde. «Der Schulweg liegt im Verantwortungsbereich der Eltern, sofern der Weg für die Schüler zumutbar ist», sagt die Präsidentin der Sekundarschulpflege, Ruth Hofstetter-Kümmerli.

Was als «zumutbar» gilt, ist im neuen Reglement klar definiert: «Wir haben die Gemeinde in vier Zonen eingeteilt, basierend auf den Richtlinien des kantonalen Volksschulamtes», so Hofstetter. Die Quartiere Stöcken, Haslen und Sternen wurden den Zonen2 (Luftlinien-Distanz zum Schulhaus Brüelmatt bis 1500Meter) und 3 (Luftlinien-Distanz bis 2000Meter) zugeteilt. Nebst der Distanz sind mit den Zonen Faktoren wie die Sicherheit und die Steigung der Strassen berücksichtigt, wie Hofstetter sagt.

«Die Antwort ist schwach»

Einen Anspruch auf ein ZVV-Abonnement oder auf eine anderweitige Entschädigung haben nur Schüler aus der Zone4 (über 2000Meter Luftlinien-Distanz). Das betrifft die Schüler aus Aesch – und neu auch die Schüler aus dem Gebiet Filderen. «Da es für Letztere keinen zumutbaren ÖV-Anschluss gibt, bekommen ihre Eltern rückwirkend ab dem Schuljahr 2010/11 eine Entschädigung», sagt Sekundarschulpflege-Mitglied Marco Romagnoli. Damit könnten sie beispielsweise ein Sammeltaxi finanzieren.

Während sich die Eltern aus dem Gebiet Filderen freuen dürften, ist in den Quartieren Stöcken, Haslen und Sternen die Enttäuschung spürbar. «Die schriftliche Antwort der Sekundarschulpflege, die wir erhalten haben, ist schwach», sagt IGSHS-Vertreterin Magda von Keresztes. Die Schulpflege argumentiere ausschliesslich mit der Luftlinien-Länge des Schulwegs. «Da unsere Kinder nicht fliegen können, ist die tatsächliche Gehdistanz relevant», so von Keresztes. Besonders für die Primarschüler sei der Schulweg nicht zumutbar.

Die IGSHS akzeptiert die Antwort der Sekundarschulgemeinde nicht als definitiven Entscheid. Sie will genau überprüfen, ob das neue Reglement tatsächlich den Richtlinien des Volksschulamtes entspricht und unter Umständen Einsprache erheben. Im Internet-Gästebuch von Birmensdorf wolle man zudem eine Diskussion unter betroffenen Eltern lancieren, sagt Magda von Keresztes. «Einzelne Familien haben bisher kein Gehör gefunden. In der Masse könnten wir etwas erreichen», hofft sie.