Regionale 2025
Das Dazwischen ist eine Chance für die Landwirtschaft und die Bevölkerung – aber noch fehlt das Interesse

Mit dem Grün zwischen Dietikon, Spreitenbach, Oetwil und Würenlos hat das Limmattal noch ein Ass im Ärmel. Wie man dieses ausspielen könnte, hat nun eine Velo-Expedition der Regionale 2025 gezeigt.

David Egger
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Plötzlich diese Übersicht: Blick vom Spreitenbacher Shoppi-Tivoli-Hochhaus in Richtung Dietikon und Üetliberg.
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Über der Spreitenbacher Tivoli-Garten-Baustelle klacken die Kräne.
Hier schweift unser Blick zum alten Spreitenbacher Dorfkern, wo sich die Kirche in die Höhe streckt.
Blick in Richtung Baden: Rechts ist die Umwelt-Arena zu erkennen.
Hier geht der Blick in Richtung Würenlos. Links ist wiederum die Spreitenbacher Umweltarena zu erkennen, rechts in Orange die Zweifel-Chips-Fabrik.
Der Shoppi-Tivoli-Schriftzug auf dem Hochhaus ist jeweils von weitem zu sehen und leuchtet in der Nacht. Hier betrachten wir ihn für einmal von hinten.
Der Besuch auf dem Shoppi-Tivoli-Hochhausdach war Teil einer Velo-Expedition der Regionale 2025. Diese startete beim Biohof Fondli in Dietikon.
Hier beim Biohof Fondli wachsen lokale Lebensmittel. Der Raum zwischen Dietikon und Spreitenbach ist wichtig für die Landwirtschaft. Doch diese muss immer wieder Federn lassen. Zuletzt zum Beispiel im Dietiker Gebiet Müsli, wo das Limmattalbahn-Depot gebaut wurde.
Das besagte Limmattalbahn-Depot. Es grenzt auf der einen Seite an Landwirtschaftsland und auf der anderen an die Gleise des Rangierbahnhofs.
Angeführt wurde die Velo-Expedition vom Regionale-2025-E-Cargo-Bike, ...
... gefahren von Peter Wolf. Er ist Geschäftsleiter der Regionale 2025.
Vom Shoppi-Tivoli-Hochhaus ging es weiter zur Strassenbrücke, die neben der Ikea über die Gleise des Rangierbahnhofs Limmattal führt. Hier in Richtung Shoppi Tivoli fotografiert – rechts in der Bildmitte sind wiederum die Kräne der Tivoli-Garten-Baustelle zu sehen.
Von der Brücke lässt sich – in Blickrichtung Dietikon – das emsige Treiben auf dem Rangierbahnhof beobachten. Aber um das zu sehen, muss man den Autos auf der Strassenbrücke in den Weg stehen. Wie wäre es mit einer Aussichtsplattform? Bahn-Fans wären dafür wohl zu haben.
Auf der Velo-Expedition stand man denn auch den Autos in den Weg und markierte auf dem Boden mit Klebeband ein paar Ideen. Das rechts symbolisiert ein Bänkli, umrahmt von zwei Bäumen. Auch eine Sprint-Laufbahn wäre denkbar.
Auf der anderen Seite schweift der Blick in Richtung Baden. Hier ist der Blick auf den Rangierbahnhof aber nicht so spannend wie auf der anderen Seite – aber hier hat es einen durch eine Leitplanke begrenzten Abschnitt für Velofahrer und Fussgänger.
Die Endhaltestelle der Velo-Expedition war dann das Spreitenbacher Limmatufer bei der Feuerstelle Tränkiboden. Hier sendeten die Expeditionsteilnehmer Papierschiffli auf die Reise.
Was bedeutet mir diese Landschaft überhaupt? Gedanken dazu wurden am auf Papierschiffli geschrieben.
Diese Gruppe nahm an der Velo-Expedition der Regionale 2025 teil. Unter anderem sind das Daniel Schluep, der Bauverwalter-Stellvertreter und Bereichsleiter Raumplanung der Gemeinde Spreitenbach (erster von links), Regionale-2025-Geschäftsleiter Peter Wolf (zweiter von links), Markus Roth, Bauverwalter von Würenlos (fünfter von links) und Regionale-2025-Präsident Christian Aeberli (dritter von links) sowie das Team der Firma Bauplan.

Plötzlich diese Übersicht: Blick vom Spreitenbacher Shoppi-Tivoli-Hochhaus in Richtung Dietikon und Üetliberg.

David Egger / Limmattaler Zeitung

Der Rangierbahnhof quietscht, die Autobahn rauscht und bei der Tivoli-Garten-Baustelle klacken die Kräne. Der Prime Tower am Zürcher Horizont ist nur ein glänzendes viereckiges Konfetti. Wenn man vom Dach des Shoppi-Tivoli-Hochhauses den Blick schweifen lässt, steht nur einer immer noch majestätisch über allem: der Üetliberg, dieser erhabene waldgrüne Thron. Unter ihm ein Mix von Siedlungsbrei und grünen Flecken dazwischen. Wobei eben vom Shoppi-Dach ein grosser grüner Fleck speziell auffällt, nämlich dieses eingepferchte Dazwischen, durch das vor über 200 Jahren die Kantonsgrenze gezogen wurde und das immer weiter angefressen wird. Zuletzt im Dietiker Gebiet Müsli, wo die Limmattalbahn ihr Depot gebaut hat. Und in Zukunft im Dietiker Niderfeld, wo ein grosses neues Stadtquartier entstehen wird. Es ist der Preis, den man zahlen will, um Entwicklung und Wachstum zu konzentrieren und zu steuern – und nicht noch weiter zu verzetteln.

Dieses Dazwischen ist für viele nicht der Rede wert. Ein namenloses Ding, ein Weg, nicht das Ziel. Manchmal auch eine Projektionsfläche der Träume. Ein Gebiet, das 2019 mit der Ausstellung «Wachgeküsst» ins Bewusstsein gerufen wurde, aber zuweilen doch noch im Dornröschenschlaf ist. Manche nennen es den «Korridor Hüttikerberg-Sandbühl», eine Landschaftsspange vom einen bewaldeten Hügel am Rand des Tals zum anderen, eben vom Spreitenbacher Sandbühl quer zum Tal über das Dietiker Niderfeld und Oetwil bis nach Würenlos.

Wo ist das Interesse der Bevölkerung?

Mit diesem Korridor hat sich am späteren Montagnachmittag die Regionale 2025 befasst. Sie lud, zusammen mit der Firma Bauchplan, die Bevölkerung ein zu einer Velo-Expedition an der Kantonsgrenze. Start beim Dietiker Fondlihof, Ziel bei der Feuerstelle Tränkiboden am Spreitenbacher Limmatufer. «Gemeinsam erkunden wir den Landschaftskorridor und sind gespannt auf Deine Wünsche und Visionen!», hiess es auf der Einladung. Die Bevölkerung kam nicht. Womöglich ist es schwierig, Interesse für das Dazwischen zu wecken. Vielleicht ist es zu früh und die Regionale 2025 der Zeit voraus. Man kann spekulieren. Die Expedition mit Planerinnen und Vertretern der Regionale 2025 und der Gemeinden fand trotzdem statt.

Klar ist: Die Landschaftsspange wird genutzt. Nicht nur vom Verkehr, der hier mannigfaltig durchrauscht. Man denke etwa auch an die Spaziergänger zwischen Dietikon und Spreitenbach, die gerade zu Corona-Zeiten in Scharen unterwegs waren. Und man denke an die Landwirte, die hier ihr täglich Brot verdienen. Müsste man noch mehr aufeinander zugehen? Gegenseitiges Bewusstsein schaffen? Nicht nur dann, wenn gerade die Erdbeeren Saison haben oder das Feld mit dem CBD-Hanf schon von Weitem riecht.

Die Regionale 2025 und die Firma Bauchplan haben da die eine oder andere Idee. Anfangen könnte es damit, dass das Littering ein Ende nimmt und keine Kühe mehr verenden, weil sie vom Abfall fressen. Hier kann Infrastruktur helfen. Mehr Kübel zum Beispiel. Oder man wertet manche Orte so mit Bänkli und Spielgeräten auf, dass die Menschen dorthin gelenkt werden. Und die Landwirte erzählen unter anderem auf Infotafeln, was sie tun. Ideen gibt es.

Das Hofladen-Potenzial noch mehr ausschöpfen

Im besten Fall wird das Dazwischen-Sein mit seinen Nutzungskonflikten zur Chance für beide Seiten. Der Landwirt führt einen Hofladen, der erfolgreich ist, weil es hier viele Leute hat. Und der Städter lernt hier, dass Äpfel nicht in den Läden wachsen. Und irgendwo ist Platz für Grün, das nicht produziert, sondern der Biodiversität dient.

«Wir schreiben das Jahr 2042. Was für eine ausgelassene Stimmung im Landwirtschaftspark! Die Menschen der Grossstadt suchen in der grünen Oase zwischen Limmat und bewirtschafteten Feldern Erholung. Die Landwirtin freut sich über die angestiegenen Bienenpopulationen in den saftigen Wiesen. Kinder toben nebenan. Die einen wollen an den wilden Strand an der Limmat, die anderen lieber eine Runde am Spielplatz schaukeln», wurde eine Vision auf der Einladung beschrieben. Eine andere Idee ist, das Gebiet «Agrarpark» zu nennen.

«Wenn man den Raum entwickelt, muss man auch die Landschaft entwickeln und die Freiräume gestalten»,

ist Peter Wolf, Geschäftsleiter der Regionale 2025, überzeugt.

Eine weitere Idee ist, auf der Strassenbrücke, die neben der Ikea in Spreitenbach über die Gleise führt, einen Aussichtspunkt zu bauen, der Bahn-Fans einen spannenden Blick auf den Rangierbahnhof ermöglicht.

Es gibt viele Ideen, und da draussen in den Köpfen gibt es wahrscheinlich noch mehr. Vielleicht finden sie irgendwann alle zusammen und dann wird die Chance so richtig gepackt.