Schlieren

Neuer Leiter zur Reorganisation: «Sozialabteilung hat bisher Geld verloren»

Mit neuen Abläufen will der Stadtrat das Schlieremer Sozialwesen modernisieren und jährlich bis zu einer Million sparen. Der neue Leiter der Abteilung ist optimistisch.

Alex Rudolf
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Die Schlieremer Sozialabteilung erhält mehr Personal.

Die Schlieremer Sozialabteilung erhält mehr Personal.

Severin Bigler

Um Geld zu sparen, muss mehr Geld ausgegeben werden. In etwa so begründet der Schlieremer Stadtrat die Reorganisation der Sozialabteilung. Deren Struktur wolle man modernisieren und die Kompetenzen klarer regeln, heisst es. Der Stellenplan soll dazu um 285 von 2890 auf 3175 aufgestockt werden. Knapp 800000 Franken kosten die Massnahmen, die vom Stadtrat genehmigt wurden. Jedoch sind davon nur 450000 Franken wiederkehrende Kosten.

Unterm Strich soll dadurch zusätzlich eine Million Franken pro Jahr mehr eingenommen beziehungsweise weniger ausgegeben werden. Bei einem Aufwand von knapp 40 Millionen Franken im Jahr 2019 und einem Ertrag von knapp 19 Millionen ist die Optimierung massiv. Satte 800000 Franken will die Stadt bei Fällen einsparen, für die sie einerseits möglicherweise gar nicht zuständig ist und anderseits bei denen Leistungen von Sozialversicherungen nicht konsequent durch die Sozialberatung eingeholt wurden.

Wie Stephan Bloch, der die Abteilungsleitung Anfang 2019 übernommen hat, auf Anfrage erklärt, würden in diesem Bereich die Kontrollen verstärkt. Neben nicht eingeholten Sozialversicherungsleistungen komme es auch vor, dass gar eine andere Gemeinde oder der Kanton finanziell für entsprechende Personen verantwortlich wäre.

Neues System, bessere Systematik

Wurden früher keine solchen Kontrollen gemacht? «Doch. Aber wir glauben, dass wir mit der Reorganisation eine bessere Systematik sicherstellen können», so Bloch. Dennoch: Mit der bisherigen Praxis müssen der Stadtkasse über Jahre Millionen abhandengekommen sein. Bloch glaubt nicht, dass es sich um einen derart hohen Betrag handelt. «Unsere Mitarbeitenden haben immer ihr Bestes gegeben: Aber die Sozialabteilung hat sicher Geld verloren, das stimmt.»

Weiter sollen im Bereich Rückerstattung unrechtmässig bezogener Sozialhilfe jährlich 20000 Franken eingenommen werden. Bei der Abklärung der Unterhaltspflicht durch Verwandte und Eltern sind es gar 50000 Franken. 100000 Franken weniger will die Stadt für Leistungsaufträge an Drittfirmen ausgaben.
Die strukturellen Anpassungen belaufen sich darauf, dass die Schlieremer Sozialhilfe in zwei Phasen, den Intakebereich und die Sozialberatung, unterteilt wird.

Im Intake werden die Neuanmeldungen auf Sozialhilfe geprüft und abgeklärt, ob überhaupt ein Anspruch besteht. Wenn der Anspruch auf Sozialhilfe besteht, werden die Fälle an die Sozialberatung weitervermittelt. Neben dem Schalterdienst werde neu auch die soziale Integration dem Intake untergeordnet. Integrationsaufgaben, welche für andere Gemeinden wie etwa Oetwil und Uitikon erbracht werden, sollen abgebaut werden.

Dadurch können laut Stadtrat auch Aufgaben wahrgenommen werden, die zuvor nicht wahrgenommen wurden. Im Bereich Soziale Arbeit ist dies etwa die konsequente Prüfung der Verwandtenunterstützungspflicht, die Abklärung elterlicher Unterhaltspflichten und Rückerstattungen aus einem Nachlass.

Auch die Sozialbehörde wird entlastet

Heute würden Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter einen beachtlichen Anteil der Arbeitszeit für Administrationsaufgaben verwenden. «Durch eine Entlastung bei solchen Aufgaben können sie sich auf die Beratung und Unterstützung konzentrieren», so Bloch.

Bloch weist auch darauf hin, dass früher praktisch jedes Dossier über den Tisch der Sozialbehörde habe gehen müssen. Diese tagt in der Regel nur ein Mal monatlich. «Mit zwischen 450 und 500 laufenden Fällen ist dies eine Mammutaufgabe.» Neu verfügen die Sozialarbeitenden über mehr Kompetenzen und können selber über Massnahmen wie etwa ein Arbeitsintegrationsprogramm oder einen Sprachkurs entscheiden. «Komplexe und sehr kostenintensive Fälle kommen natürlich weiterhin ins Gremium», so Bloch.