Schlieren

Nächster Halt: Schlieremer Berg - Uitiker Ortsbus soll einen neuen Stop einlegen

Der Stadtrat erteilt dem Ruftaxi eine Abfuhr, zieht dafür eine Haltestelle des Uitiker Ortsbusses in Betracht.

Alex Rudolf
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Die Zeichen stehen gut, dass der Ortsbus 201 ab Ende 2017 nicht nur vor Lilienzentrum und Bahnhof hält, sondern auch vor der katholischen Kirche. Walter Schwager

Die Zeichen stehen gut, dass der Ortsbus 201 ab Ende 2017 nicht nur vor Lilienzentrum und Bahnhof hält, sondern auch vor der katholischen Kirche. Walter Schwager

Walter Schwager

Erneut sorgt die Anbindung der Schlieremer Aussenquartiere für Gesprächsstoff. Der Stadtrat prüfte drei Varianten für ein Ruftaxi und gab gestern bekannt, dass keine davon sinnvoll sei. Damit reagiert er auf ein Postulat aus der Feder von Gaby Niederer (Quartierverein). Die Gemeinderätin stützte sich in ihrem Vorstoss auf den Urnengang vom vergangenen Juni.

Damals hatten sich 45 Prozent des Schlieremer Stimmvolks für die Ortsbus-Initiative ausgesprochen, die ebenfalls einen besseren Anschluss verlangte. Der Stadtrat begründet seine Ablehnung gegenüber dem Postulat einerseits mit den hohen Kosten, andererseits stehe eine Angebotsverbesserung bereits bevor. Beispielsweise durch die Verlängerung der Buslinie 307 zwischen Bahnhof und Bauhaus, die ab Ende 2017 die Sporthalle Unterrohr sowie das Gebiet der westlichen Lättenstrasse erschliesst.

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Prozent der möglichen Fahrten des Dübendorfer Ruftaxis werden tatsächlich in Anspruch genommen. Bei seinen drei geprüften Modellen geht der Schlieremer Stadtrat von der gleichen Auslastung aus.

Bewohner des Gebiets Langackerstrasse und Spital würden ab 2022 durch die Limmattalbahn besser an den öV angebunden. Und jene des Schlieremer Bergs? «Mit einer allfälligen zusätzlichen Haltestelle des geplanten Ortsbusses Uitikon an der Uitikonerstrasse auf Höhe Kampstrasse würden die Bewohner des Alten Zürichwegs und die Besucher der katholischen Kirche eine Möglichkeit erhalten, mit dem Bus ins Zentrum zu fahren», schreibt der Stadtrat. Dies ist ein erstes Zeichen der Exekutive, dass eine Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde zustande kommen könnte.

Erst im vergangenen September bewilligte das Uitiker Stimmvolk einen 2,4-Millionen-Kredit für einen vierjährigen Testbetrieb einer Busverlängerung nach Schlieren. Per Fahrplanwechsel Ende 2017 soll der Ortsbus 201 nicht mehr bei der Haltestelle Wängi wenden, sondern direkt weiter nach Schlieren fahren und dort vor dem Lilienzentrum und beim Bahnhof halten. Das Ja des Uitiker Stimmvolks kam insofern überraschend, als dass einzig die örtlichen Grünen die Ja-Parole ergriffen. Bereits an der vorberatenden Gemeindeversammlung in Uitikon wie auch in Parlamentsdebatten in Schlieren äusserten verschiedene Personen, dass mit einer Zusammenarbeit Synergien genutzt werden könnten. Die Schlieremer Gemeinderäte John Daniels (FDP) und Rolf Wegmüller (CVP) reichten Kleine Anfragen dazu ein.

«Dies ist die gangbarste Variante»

Bereits vor einiger Zeit hätten Gespräche zwischen dem Uitiker Werkvorstand Patrik Wolf (FDP) und seinem Kollegen aus Schlieren, Stefano Kunz (CVP), stattgefunden, wie letzterer auf Anfrage sagt. «Dabei zeigte sich, dass eine Haltestelle entlang der Linie 201 bei der Kirche die gangbarste Variante ist», so Kunz. Bereits im März müsse der Stadtrat definitiv entscheiden, ob er die Haltestelle erstellen wolle, da bereits Ende 2017 der Bus-Testbetrieb starten soll.

«Mit diesen Aussichten macht es keinen Sinn, ein Ruftaxi zu lancieren», sagt Kunz. Die vom Stadtrat vorgebrachten Varianten sind zudem kostspielig. Für zwei davon würde jährlich ein Betrag von rund 45 000 Franken anfallen, für die Dritte fehlt ein detaillierter Voranschlag. Der Stadtrat orientierte sich bei der Erarbeitung an Eckdaten des Ruftaxis, welches im Jahr 2014 in Dübendorf eingeführt wurde und Gockhausen sowie das Chriesbach-Quartier erschliesst. Dort muss sich der Benutzer 60 Minuten vor fahrplanmässigem Start anmelden, erst dann wird die Fahrt auch durchgeführt. Lediglich zehn Prozent aller möglichen Fahrten werden in Dübendorf in Anspruch genommen.

In seiner ersten Variante sieht der Schlieremer Stadtrat vor, dass stündlich drei Schlaufen vom Bahnhof ausgehend zur Brandstrasse, zum Spital Limmattal und zum Alten Zürichweg verkehren. Der Nutzer müsste dafür 5 Franken entrichten oder im Besitz eines Billetts der Tarifzone 154 sein. Bei 2000 Fahrten jährlich – auch hier ging man wie in Dübendorf von 10 Prozent Nutzung aus – kostet dies 60 000 Franken. Aus Ticketkäufen könnten 15 000 Franken erwirtschaftet werden, die diesem Betrag abgezogen würden.

Bei der zweiten Variante ist vorgesehen, dass nur Bewohner eines bezeichneten Gebiets den Dienst in Anspruch nehmen können. Dies wären die Einwohner am Schlieremer Berg, der Kampstrasse und Lättenstrasse, die laut Berechnungen der Stadt rund 10 bis 15 Prozent der Gesamtbevölkerung Schlierens ausmachen. Damit mehrere Personen gleichzeitig transportiert werden können, müsste das Ruftaxi eine halbe Stunde vor Abfahrt reserviert werden. Wiederum bei einer angenommenen Auslastung von 10 Prozent ergeben sich Kosten von rund 45 000 Franken jährlich.

Kosten steigen linear

Bei der dritten Möglichkeit sah der Stadtrat vor, das Ruftaxi nur Menschen mit eingeschränkter Mobilität zur Verfügung zu stellen. Problematisch werde dies aber beim Nachweis dieser Einschränkung. Weil die Fitness von älteren Menschen sehr individuell sei, falle das Kriterium Alter weg. Das Anfordern einer ärztlichen Bescheinigung sei sowohl aus Kosten- wie auch aus Persönlichkeitsschutzgründen problematisch und eine Prüfung jedes einzelnen Kunden würde einen unverhältnismässig grossen Aufwand nach sich ziehen, so die Stadt. Bei allen sei das Kosten-Nutzen-Verhältnis ungünstig, da die Ausgaben linear steigen, wenn die Benützungsquote die Zehn-Prozent-Marke übersteigt.